- Jährliches Anlagevolumen der Kapitalrente: rund 30 bis 35 Milliarden Euro
- Globale Finanzmärkte kaum beeinflusst: Anteil unter 0,03 Prozent der Marktkapitalisierung
- KENFO gilt als Vorbild für den geplanten öffentlichen Rentenfonds
Gesetzliche Kapitalrente: Was eine Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes zeigt
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat auf Anfrage eines Abgeordneten eine Analyse zur geplanten kapitalgedeckten Komponente der gesetzlichen Rentenversicherung vorgelegt. Das Dokument vom 17. September 2026 beleuchtet das zu erwartende Anlagevolumen, mögliche Anlagestrategien und potenzielle Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte.
Empfehlung der Rentenkommission
Grundlage der Analyse ist die Empfehlung 28 der Rentenkommission 2026. Diese spricht sich für die Einführung einer obligatorischen kapitalgedeckten Rentenkomponente aus. Vorgesehen ist ein zusätzlicher Beitragssatz von zwei Prozent, der paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen werden soll. Die Einführung soll idealerweise ab 2028 schrittweise in Jahresschritten von 0,5 Prozentpunkten erfolgen. Als Vorbild für den zu gründenden Fonds nennt die Kommission ausdrücklich den KENFO – den deutschen Staatsfonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung.
Jährliches Anlagevolumen
Auf Basis der Beitragseinnahmen der Deutschen Rentenversicherung schätzt der Wissenschaftliche Dienst das jährliche Anlagevolumen bei vollständiger Einführung im Jahr 2031 auf mehr als 35 Milliarden Euro. Medienberichte nennen übereinstimmend eine Größenordnung von 30 bis 35 Milliarden Euro jährlich. Die weitere Entwicklung hängt wesentlich von der Lohn- und Beschäftigungsentwicklung ab. Das Dokument stellt drei Szenarien vor, die bei einer jährlichen nominalen Steigerung von einem, zwei oder drei Prozent ausgehen.
Anlagestrategien im Vergleich
Da die konkrete Anlagestrategie des künftigen Rentenfonds noch nicht feststeht, zieht die Analyse drei Vergleichsfonds heran. Der norwegische Staatsfonds investiert bis zu 70 Prozent in Aktien und 30 Prozent in Anleihen und erzielte eine durchschnittliche Rendite von rund 6,6 Prozent jährlich. Der schwedische AP7 Aktienfonds, ein staatlicher Fonds im Rahmen des schwedischen Rentensystems, besteht zu 96 Prozent aus globalen Aktien und erzielte seit seiner Gründung im Jahr 2000 eine jährliche Rendite von rund elf Prozent. Der KENFO verteilt sein Portfolio auf Aktien (rund 41 Prozent), Anleihen (rund 39 Prozent) und nicht börsennotierte Anlagen sowie Barmittel und erzielte 2025 eine Rendite von 6,2 Prozent.
Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Der globale Aktienmarkt hatte 2025 eine Marktkapitalisierung von rund 141 bis 158 Billionen US-Dollar, der globale Anleihemarkt umfasste rund 161 Billionen US-Dollar. Vor diesem Hintergrund kommt die Analyse zu dem Schluss, dass der Einfluss der Kapitalrente auf die globalen Finanzmärkte sehr gering sein dürfte. Eine jährliche Investition von 35 Milliarden Euro in global gestreute Aktien entspräche lediglich etwa 0,026 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung. Bei breiter Diversifikation über mehrere Assetklassen sinkt der jeweilige Anteil auf rund 0,008 Prozent. Selbst ein nach Jahrzehnten angewachsenes Fondsvolumen von zwei Billionen Euro läge unter einem Prozent des weltweiten Aktien- und Anleihebestands. Lediglich in einzelnen Teilsegmenten könnten durch konzentrierte Zuflüsse gewisse Nachfrageeffekte entstehen.
Hinweis: Diese Zusammenfassung basiert auf einer Auftragsarbeit des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages (WD 6 – 30000 – 0012 – 0022/26). Die Analyse gibt nicht die Auffassung des Bundestages wieder, sondern liegt in der fachlichen Verantwortung der Verfasser.
➜ Vollständiges Dokument (PDF)


































































