Quellen- und Prüfstand: Grundlage ist die Kleine Anfrage. Zahlen und Vorwürfe der Vorbemerkung sind den Fragestellern zugeordnet. DIP führte den Vorgang bei der Prüfung am 19. Oktober 2026 als noch nicht beantwortet.
- Anfrage nennt 6,4 Millionen PMSG-Einzeldosen für den Zeitraum 2016–2019
- Fragesteller berichten von Gewalt bei der Blutgewinnung aus trächtigen Stuten
- Grüne fragen nach Importverbot und synthetischen Alternativen
Hintergrund
Die Vorbemerkung der Grünen nennt unter Verweis auf frühere Regierungsangaben 3,8 Millionen PMSG-Einzeldosen für Februar 2013 bis Januar 2016 und 6,4 Millionen für 2016 bis 2019. Die Zeiträume sind unterschiedlich abgegrenzt und bilden keine jährliche Zeitreihe. Außerdem verweist die Fraktion auf Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und von Tierschutzorganisationen zu Missständen bei der Gewinnung. Diese Darstellung ist die Begründung der Anfrage, keine neue Untersuchung dieses Artikels.
- 3,8 Millionen Einzeldosen — In der Vorbemerkung genannte PMSG-Einzeldosen von Februar 2013 bis Januar 2016 (Schweinebehandlung)
- 6,4 Millionen Einzeldosen — In der Vorbemerkung genannte PMSG-Einzeldosen für 2016 bis 2019; keine Jahresmenge
- 40.–140. Trächtigkeitstag — Zeitraum, in dem PMSG im Blut trächtiger Stuten vorkommt und entnommen werden kann
- 24 Einzelfragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Produktion, Zulassung, Einsatz und möglichen Verboten
Im Detail
Verletzte, kranke und abgemagerte Stuten bleiben oftmals unversorgt sich selbst überlassen, statt tierärztliche Hilfe zu bekommen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8572
PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) wird in der Schweinezucht unter anderem eingesetzt, um die Brunst zu synchronisieren und Abferkelgruppen zu terminieren. Wie viele Tiere seit 2019 jährlich damit behandelt wurden, fragt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erst ab. Die in der Vorbemerkung genannten historischen Einzeldosen sind keine Zahl behandelter Tiere. Der Wirkstoff stammt aus dem Blut trächtiger Stuten – und seine Gewinnung in Argentinien und Uruguay ist nach Darstellung der Fragesteller unter Verweis auf Tierschutzorganisationen und die BLE teils mit Gewalt gegen die Tiere verbunden. Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 14. Oktober 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8572 eingereicht.
PMSG-Verbrauch: Von 3,8 auf 6,4 Millionen Dosen
Die Vorbemerkung nennt rund 3,8 Millionen Einzeldosen zur Schweinebehandlung von Februar 2013 bis Januar 2016 sowie 6,4 Millionen für 2016 bis 2019. Aus den unterschiedlich abgegrenzten Zeiträumen lässt sich kein unverzerrter jährlicher Wachstumssatz ableiten. Die Anfrage enthält keine neue jährliche Mengenreihe seit 2019; sie verlangt dazu Auskunft nach Jahr und behandelten Tierarten. Einzeldosen sind zudem nicht mit der Zahl behandelter Tiere gleichzusetzen.
Was gilt aktuell?
Fragen 7 bis 10 betreffen Genehmigungen, Qualitätskontrolle und die Zulassung von PMSG-Präparaten. Frage 8 fragt ausdrücklich, ob die Suspendierung der PMSG-Monographie im Europäischen Arzneibuch weiterhin gilt. Die Anfrage selbst bestätigt diesen aktuellen Status nicht. Weitere Fragen betreffen Herkunftsländer und die Sicherstellung von Tierschutzstandards bei importiertem PMSG.
Nach der Vorbemerkung empfiehlt die Bundestierärztekammer, auf den Einsatz von natürlichem PMSG in der Ferkelerzeugung möglichst zu verzichten, und stuft ihn als nicht unerlässlich ein. Die Fragesteller verweisen auf eine vom Bundesministerium für Landwirtschaft geförderte Studie, nach der konventionelle Ferkelerzeugung auch ohne PMSG funktioniert. Wie verbreitet der Einsatz aktuell ist, gehört zu den offenen Fragen an die Bundesregierung.
Tierschutzprobleme in Südamerika und Island
Die Vorbemerkung verweist auf Recherchen von Tierschutzorganisationen aus den Jahren 2023 bis 2025. Nach dieser Darstellung werden trächtige Stuten in Argentinien und Uruguay zur PMSG-Gewinnung herangezogen; die Berichte schildern Gewalt und fehlende tierärztliche Versorgung. Die Fragesteller kritisieren, dass Verbesserungen ausgeblieben seien. Ihre Fragen betreffen außerdem den Umgang mit geborenen und ungeborenen Fohlen. Das sind ausdrücklich zugeordnete Vorwürfe und Fragen, keine Feststellungen einer vorliegenden Regierungsantwort.
Frage 22 bezieht sich auf eine Entscheidung des EFTA-Gerichtshofs vom September 2026 zur Einstufung der Blutentnahme bei Stuten als genehmigungspflichtiges Verfahren. Die Grünen fragen nach den Konsequenzen für die Zulassungs- und Importpraxis. Eine abschließende rechtliche Bewertung der Entscheidung enthält die Anfrage nicht.
Synthetische Alternativen und rekombinantes PMSG
Die Anfrage erkundigt sich auch nach dem aktuellen Stand der Entwicklung rekombinant hergestellter PMSG-Präparate, die ohne Blutentnahme von Stuten auskommen. Frage 11 nimmt eine mögliche EU-Zulassung in den Blick; daraus folgt weder eine erteilte Zulassung noch ein verbindlicher Termin. Die Grünen fragen, ob die Bundesregierung in diesem Fall die Zulassung der tierblutbasierten Präparate widerrufen will – und ob überhaupt ein Verbot von Gewinnung, Einsatz oder Import von PMSG geplant ist.
Auch Umweltfragen spielen eine Rolle: Die Anfrage fragt nach bekannten Erkenntnissen zu den langfristigen Auswirkungen von PMSG und seinen synthetischen Alternativen auf Gewässer und Wasserorganismen sowie nach der Bereitschaft der Bundesregierung, entsprechende Forschung zu fördern. Verbraucherinformation ist ein weiteres Thema – konkret, ob Konsumenten über den Einsatz von PMSG in der Tierzucht ausreichend informiert sind.
Eine Antwort auf diese Kleine Anfrage liegt laut DIP-Prüfung vom 19. Oktober 2026 noch nicht vor.
Betroffen sind in erster Linie Sauen und Ferkel in der deutschen Schweinehaltung sowie trächtige Stuten in Argentinien, Uruguay und Island, aus deren Blut der Wirkstoff gewonnen wird. Mittelbar sind alle Verbraucherinnen und Verbraucher betroffen, die Schweinefleisch kaufen, ohne über den Einsatz von PMSG informiert zu sein.
Die Kleine Anfrage wurde am 14. Oktober 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat die Anfrage innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt zu beantworten. Solange keine Antwort vorliegt, ist das Verfahren offen.
- PMSG / eCG
- Pregnant Mare Serum Gonadotropin (auch: Equines Choriongonadotropin) ist ein Hormon aus dem Blut trächtiger Stuten, das zur Reproduktionssteuerung in der Nutztierhaltung eingesetzt wird.
- Brunstsynchronisation
- Veterinärmedizinisches Verfahren, bei dem der Zyklus mehrerer Tiere gleichzeitig ausgelöst wird, um Geburten zu bündeln und Betriebsabläufe zu optimieren.
- Rekombinantes PMSG
- Gentechnisch hergestellte Variante von PMSG, die ohne Blutentnahme von Stuten produziert werden kann und als tierschonende Alternative gilt.
Was ist PMSG und wozu wird es eingesetzt?
PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin) ist ein Hormon aus dem Blut trächtiger Stuten. Es wird vor allem in der konventionellen Schweinezucht zur Brunstinduktion und Brunstsynchronisation eingesetzt, um terminierte Abferkelgruppen zu erzielen.
Warum ist PMSG tierschutzrechtlich umstritten?
Die Gewinnung erfordert wiederholte Blutentnahmen von mehreren Litern aus der Halsvene trächtiger Stuten. Die Vorbemerkung verweist auf Berichte aus Argentinien und Uruguay über Gewaltanwendung und fehlende tierärztliche Versorgung.
Gibt es Alternativen zu PMSG?
Nach Darstellung der Fragesteller zeigt eine vom Bundesministerium für Landwirtschaft geförderte Studie, dass konventionelle Ferkelerzeugung auch ohne PMSG möglich ist. Synthetische Alternativen existieren; die Anfrage erkundigt sich nach deren Verbreitung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8572 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.






































































