- 86 Mrd. Euro ausländische Direktinvestitionen in Deutschland 2025
- 548 Investitionsprojekte – niedrigster Stand seit 17 Jahren laut EY-Studie
- Investorenkonferenz und Deutschlandfonds als Gegenmaßnahmen gestartet
Hintergrund
Laut der EY-Studie ‚European Attractiveness Survey 2026‘ ist die Zahl ausländischer Direktinvestitionsprojekte in Deutschland 2025 um zehn Prozent auf 548 Projekte gesunken – der niedrigste Stand seit 17 Jahren. Frankreich überholte Deutschland dabei als führendes Zielland in Europa. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat im Koalitionsvertrag Maßnahmen zur Stärkung des Investitionsstandorts angekündigt, darunter Bürokratieabbau, niedrigere Energiepreise und aktive Außenwirtschaftsförderung. Die AfD-Fraktion fragte mit der Kleinen Anfrage 21/7917 nach den tatsächlichen Erkenntnissen der Bundesregierung zu Investitionshemmnissen, politischen Risikowahrnehmungen und dem Stand der angekündigten Maßnahmen.
- 86 Mrd. Euro — Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland im Jahr 2025 laut IW Köln (Anstieg von rund 50 Prozent).
- 548 Projekte — Ausländische Direktinvestitionsprojekte 2025 laut EY-Studie; Rückgang von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und niedrigster Stand seit 17 Jahren.
- 2,64 Mrd. Euro — Bis Ende 2025 im Rahmen der WIN-Initiative investierte Mittel; sechs von zehn vereinbarten Maßnahmen umgesetzt.
- 25 Mrd. Euro — Geplantes Gesamtvolumen der WIN-Investitionen in das Venture-Capital-Ökosystem gemäß Koalitionsvertrag (zusätzliche 13 Mrd. Euro).
- 5 Bereiche — Energie/Rohstoffe, Mobilität, Digitalisierung, Gesundheit sowie Elektronik/Automatisierung: Die fünf strategischen Felder der aktiven Investorenanwerbung.
Im Detail
Es liegen keine evidenzbasierten Studien vor, aus denen hervorgeht, dass Investoren sensibler auf Debatten über Eingriffe in Eigentumsrechte reagieren als auf Umfragewerte einzelner Parteien im aktuellen Bundestag.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8368, Frage 6
Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland haben 2025 ein Volumen von rund 86 Mrd. Euro erreicht – ein Anstieg von etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl konkreter Investitionsprojekte auf 548 gesunken, den niedrigsten Stand seit 17 Jahren laut EY-Studie. Dieser Widerspruch – mehr Kapital, weniger Projekte – steht im Mittelpunkt der Antwort, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am 6. Oktober 2026 auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7917) vorgelegt hat.
Was gilt aktuell beim Investitionsstandort Deutschland?
Die Bundesregierung räumt ein, dass Investoren in Gesprächen regelmäßig Bürokratie, lange Genehmigungsverfahren, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie Fachkräftemangel als Hemmnisse nennen. Belastbare Statistiken zu Häufigkeit oder Gewichtung einzelner Faktoren führt die Bundesregierung laut Drucksache jedoch nicht. Für energieintensive Unternehmen spielen Energiepreise eine besonders große Rolle; ausländische Fluggesellschaften adressieren vor allem staatlich beeinflusste Steuer- und Gebührenstrukturen. Eine branchenübergreifende Rangliste der Hemmnisse existiert nach Angaben der Bundesregierung nicht.
Gefragt wurde auch, ob politische Debatten über Eigentumseingriffe – etwa Vergesellschaftungsforderungen im Berliner Wohnungsmarkt – Investoren stärker abschrecken als hohe Umfragewerte bestimmter Parteien. Die Bundesregierung erklärt dazu, es lägen „keine evidenzbasierten Studien“ vor, die eine solche Schlussfolgerung belegten. Einzelne Aussagen von Personen seien nicht mit Fakten gleichzusetzen. Zugleich hält die Bundesregierung fest, dass Vergesellschaftungsdebatten potenzielle Investoren verunsichern könnten, und prüft gesetzliche Regelungen zum Schutz privater Investitionen im Wohnungsbau.
Ausländische Direktinvestitionen: Maßnahmen der Bundesregierung
Zur Stärkung des Investitionsstandorts setzt die Bundesregierung auf mehrere Instrumente. Der Deutschlandfonds ist im Dezember 2025 gestartet und soll private Investitionen in Industrie, Mittelstand und Energieinfrastruktur mobilisieren. Im Rahmen der WIN-Initiative wurden bis Ende 2025 bereits 2,64 Mrd. Euro der zugesagten Commitments investiert; das geplante Gesamtvolumen im Venture-Capital-Bereich soll auf 25 Mrd. Euro steigen. Aktive Investorenanwerbung konzentriert sich auf fünf strategische Bereiche: Energie und Rohstoffe, Mobilität, Digitalisierung, Gesundheitswirtschaft sowie Elektronik und Automatisierung.
Als weiteres Signal hat die Bundesregierung Martin Blessing zum Persönlichen Beauftragten des Bundeskanzlers für Investitionen ernannt. Der Invest in Germany Summit ist für den 20. Oktober 2026 angekündigt. Germany Trade & Invest (GTAI) koordiniert die Investorenanwerbung gemeinsam mit Außenhandelskammern und deutschen Auslandsvertretungen im sogenannten Drei-Säulen-Modell der Außenwirtschaft.
Transparenzgrenzen und verweigerte Auskünfte
Mehrere Fragen blieben ohne detaillierte Antwort. Zu Gesprächen mit Österreich über Investorenthemen verweigerte die Bundesregierung jede inhaltliche Auskunft mit Verweis auf den Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung und den Schutz vertraulicher diplomatischer Kontakte. Gespräche mit dem Land Berlin zu möglichen Auswirkungen von Vergesellschaftungsdebatten haben laut Bundesregierung im Rahmen der 21. Wahlperiode – soweit durch Unterlagen belegbar – nicht stattgefunden. Interne Risikomatrizen oder Gesprächsvermerke zur Gewichtung politischer Standortfaktoren werden nicht systematisch erstellt; die Erkenntnisse stützen sich auf kontinuierliche Gespräche, Studien und Berichte nachgeordneter Behörden.
Rechtlich betont die Bundesregierung, dass das Fundament für private Investitionen die Bindung an die verfassungsmäßige Ordnung sei – einschließlich der Eigentumsgarantie nach Artikel 14 Grundgesetz. Internationale Investitionsschutzabkommen werden als wichtiger, aber nachrangiger Stützpfeiler gewertet; primär relevant bleibe das inländische Rechtssystem. Zum Vergleich mit Österreich, wo rechte Parteien in Landesregierungen sitzen und das Land in Standortbewertungen gut abschneidet, hat die Bundesregierung nach eigenem Bekunden keinen Vergleich angestellt.
Für Fragen rund um staatliche Ausgaben und deren Beschäftigungseffekte liefert die Bundesregierung häufig keine belastbaren Statistiken – ein Muster, das sich auch in dieser Antwort zeigt. Wer sich für weitere wirtschaftspolitische Anfragen interessiert, findet in der Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 17. Oktober 2026 einen breiten Überblick.
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Betroffen sind in- und ausländische Unternehmen, die in Deutschland investieren oder expandieren wollen, insbesondere energieintensive Industriebetriebe, mittelständische Zulieferer und Start-ups. Auch Arbeitnehmer in exportorientierten Branchen sind indirekt betroffen, da ausländische Direktinvestitionen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sichern.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich, verweist bei mehreren Detailfragen jedoch auf fehlende Statistiken oder die Nichtdurchführung entsprechender Dokumentationen. Bei Frage 19 zu Gesprächen mit Österreich wird die Auskunft mit Verweis auf den Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung vollständig verweigert.
Die Kleine Anfrage ist mit der Antwort des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom 6. Oktober 2026 abgeschlossen. Ein weiterer parlamentarischer Verfahrensschritt ist nicht vorgesehen. Die angekündigte Investorenkonferenz (Invest in Germany Summit) findet laut Drucksache am 20. Oktober 2026 statt.
- Ausländische Direktinvestitionen (ADI)
- Kapitalanlagen ausländischer Unternehmen oder Investoren in einem anderen Land, die auf langfristige Beteiligung oder Kontrolle ausgerichtet sind – etwa durch Fabrikansiedlungen oder Firmenkäufe.
- WIN-Initiative
- Ein Programm der Bundesregierung und der KfW zur Mobilisierung privaten Kapitals in Zukunftsfeldern; laut Drucksache sollen die Investitionen im Venture-Capital-Bereich auf 25 Mrd. Euro steigen.
- Germany Trade & Invest (GTAI)
- Die Außenwirtschaftsagentur des Bundes, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ausländische Investoren für den Standort Deutschland wirbt.
Wie viele ausländische Direktinvestitionen fließen nach Deutschland?
Laut Bundesregierung betragen die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland rund 86 Mrd. Euro im Jahr 2025, was einem Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zu Vorjahren entspricht.
Was schreckt ausländische Investoren in Deutschland am meisten ab?
Investoren nennen laut Bundesregierung regelmäßig Bürokratie und Regulierung, lange Genehmigungsverfahren, hohe Energie- und Arbeitskosten sowie Fachkräftemangel als konkrete Investitionshemmnisse.
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung zur Investorengewinnung?
Die Bundesregierung setzt auf den Deutschlandfonds (gestartet Dezember 2025), die WIN-Initiative (2,64 Mrd. Euro investiert bis Ende 2025) und den Invest in Germany Summit am 20. Oktober 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8368 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































