Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer aktuellen Analyse verschiedene „Warenkorb-Modelle“ mit Preisgrenzen für Lebensmittel in europäischen Ländern untersucht. Die Studie entstand vor dem Hintergrund steigender Lebensmittelpreise in Deutschland, wo die Nahrungsmittelpreise im März 2026 um 0,9 Prozentpunkte über dem Vorjahr lagen.
Kroatien als Vorreiter bei Euro-Einführung
Kroatien führte bei der Euro-Einführung 2023 umfassende Preiskontrollen ein. Zunächst mussten alle Händler vom September 2022 bis Dezember 2023 Preise sowohl in Kuna als auch in Euro ausweisen. Ab September 2023 wurden dann maximale Einzelhandelspreise für 30 Produktkategorien festgelegt, die 2025 auf 70 Kategorien ausgeweitet wurden. Die Maßnahmen umfassen Grundnahrungsmittel wie Milch, Öl, Zucker, Fleisch und Gemüse.
Unterschiedliche Ansätze in anderen EU-Ländern
In Zypern gilt eine Preisobergrenze von 0,60 Euro für 0,5-Liter-Wasserflaschen an speziellen Verkaufsstätten wie Flughäfen und Sportstätten. Griechenland hat dauerhafte Preisgrenzen für Wasser, Sandwiches und Kaffee an öffentlichen Einrichtungen eingeführt und große Supermarktketten zur Anzeige von Preissteigerungen verpflichtet.
Ungarn beschränkt seit März 2025 die Gewinnmargen für 43 Grundnahrungsmittel auf zehn Prozent – allerdings hat die EU-Kommission deswegen Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, da die Regelung hauptsächlich ausländische Unternehmen benachteilige.
Freiwillige Vereinbarungen und Margenbegrenzungen
Lettland setzt auf eine freiwillige Vereinbarung zwischen Regierung und Handelsketten für einen „Niedrigpreis-Warenkorb“ mit zehn Grundnahrungsmittel-Kategorien. Rumänien begrenzt bis Juni 2026 die Gewinnspannen für 17 Lebensmittel: Verarbeitende Betriebe dürfen maximal 20 Prozent auf Produktionskosten aufschlagen, Einzelhändler ebenfalls 20 Prozent plus Betriebskosten.
Polen verfügt über gesetzliche Möglichkeiten für Preisdeckel, nutzt diese aber aktuell nicht und behält sie als Instrument für Notfallsituationen vor.
Die Analyse zeigt, dass die meisten Maßnahmen zeitlich begrenzt sind und als Reaktion auf Krisen wie die COVID-19-Pandemie, Euro-Einführungen oder starke Inflation eingeführt wurden. Während einige Länder auf bindende Preisobergrenzen setzen, bevorzugen andere freiwillige Vereinbarungen oder Margenbegrenzungen.


































































