- Bargeldlose Zahlungen dominieren erstmals den deutschen Alltag mit 55 Prozent
- USA verbieten digitalen Dollar bis 2030, China testet digitalen Yuan seit 2019
- Digitaler Euro frühestens 2029 einführbar, Trilogverhandlungen stehen noch aus
Digitaler Euro: Stand und Hintergrund
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einem aktuellen Begriff vom 17. Juli 2026 den Stand der Entwicklungen rund um den digitalen Euro zusammengefasst. Das Dokument beleuchtet den technologischen Wandel im Zahlungsverkehr, internationale Entwicklungen bei digitalen Zentralbankwährungen und den aktuellen Gesetzgebungsprozess in der Europäischen Union.
Veränderte Zahlungsgewohnheiten und außereuropäische Dominanz
Laut einer Zahlungsverhaltensstudie der Bundesbank stellten bargeldlose Zahlungen im Jahr 2025 mit 55 Prozent erstmals die Mehrheit der alltäglichen Einkäufe in Deutschland dar. Im Online-Handel dominierten Paypal und Klarna, bei mobilen Zahlungen haben Apple Pay und Google Pay starke Positionen erreicht. Im Euro-Währungsgebiet verlassen sich 13 der 21 Mitgliedstaaten beim bargeldlosen Zahlungsverkehr auf außereuropäische Kartenanbieter. Insgesamt werden fast zwei Drittel aller Kartenzahlungen über internationale Systeme wie Visa oder Mastercard abgewickelt.
Technologischer Wandel: Tokenisierung und Stablecoins
Der Finanzsektor befindet sich in einem tiefgreifenden Technologiewandel. Auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) lassen sich Geldbeträge als digitale Wertmarken abbilden. Sogenanntes tokenisiertes Geld enthält eingebettete Regeln über „Smart Contracts“, die Zahlungen automatisch und ohne Bankbeteiligung auslösen können. Stablecoins halten dabei einen stabilen Referenzwert zu bestehenden Währungen, meist dem US-Dollar. Bereits 2019 erhöhte die Ankündigung einer Facebook-eigenen Kryptowährung den Druck auf Zentralbanken weltweit, eigene digitale Währungen zu entwickeln.
Internationale Reaktionen: China, USA und die BIZ
China erprobt seit 2019 einen digitalen Yuan auf DLT-ähnlicher Infrastruktur. Die USA hingegen haben am 11. Juli 2026 ein gesetzliches Verbot der Ausgabe eines digitalen Dollars durch die Federal Reserve in Kraft gesetzt, das bis Ende 2030 gilt. Stattdessen soll der Wettbewerb Dollar-gestützter Stablecoins die internationale Währungsdominanz sichern. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich erforscht im Agorá-Projekt seit 2024 gemeinsam mit sieben Zentralbanken und über 40 privaten Instituten, wie Tokenisierung grenzüberschreitende Zahlungen verbessern kann.
Der digitale Euro: Design, Gesetzgebung und Zeitplan
Die Europäische Zentralbank untersucht seit Oktober 2021 die Ausgestaltung eines digitalen Euros. Er soll als ergänzende elektronische Form des Bargeldes über Geschäftsbanken und Zahlungsdienstleister nutzbar sein, unverzinst bleiben und ein Haltelimit zum Schutz vor Einlagenabflüssen erhalten. Basisdienste wie das Führen eines Zahlungskontos sollen kostenlos sein. Der Rat der EU legte seine Position im Dezember 2025 fest, das Europäische Parlament nahm am 9. Juli 2026 seine Verhandlungsposition an, die unter anderem eine Offline-Variante ohne zentralisierte Zahlungsabwicklung fordert. Nach den noch ausstehenden Trilogverhandlungen soll ein Pilotprojekt in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten. Eine Einführung wäre frühestens 2029 möglich.
Die Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes weist abschließend auf mögliche Risiken hin, darunter eine Verdrängung des Bargelds, Einlagenabflüsse aus dem privaten Bankensystem, stärkere staatliche Kontrolle des Zahlungsverkehrs sowie eine erleichterte Durchsetzung negativer Nominalzinsen.


































































