- Rechenkapazität soll bis 2030 verdoppelt, KI-Kapazität vervierfacht werden
- Aktuelle IT-Anschlussleistung beträgt knapp 3 Megawatt laut Strategie
- Linke fragt nach Messgrößen, Klimafolgen und staatlichen Fördermitteln
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7213 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung hat am 18. März 2026 ihre Rechenzentrumsstrategie beschlossen, die Deutschland bis 2030 zu einem führenden Standort für digitale Infrastruktur machen soll. Als Ausgangsgröße nennt die Strategie eine IT-Anschlussleistung von knapp 3 Megawatt. Parallel dazu hat die Bundesregierung am 24. Juni 2026 einen Gesetzentwurf zur Beschleunigung der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie beschlossen, der nach Einschätzung der Fragesteller Informationsrechte der Öffentlichkeit zu Rechenzentren einschränkt.
- 18. März 2026 — Datum der Verabschiedung der Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung
- knapp 3 Megawatt — Aktuelle IT-Anschlussleistung laut Strategie als Ausgangsgröße
- Verdoppelung bis 2030 — Ziel für die gesamte Rechenkapazität in Deutschland
- Vervierfachung bis 2030 — Ziel speziell für KI-Rechenkapazitäten
- 24. Juni 2026 — Kabinettsbeschluss zum Entwurf des Gesetzes zur Beschleunigung der Energieeffizienzrichtlinie
Im Detail
Eine Kenngröße für die tatsächliche Rechenkapazität benennt die Strategie nicht, die Ist-Beschreibung bezieht sich im Wesentlichen auf die IT-Anschlussleistung, die ausweislich der Strategie mit knapp 3 Megawatt beziffert wird.
— Vorbemerkung, BT-Drs. 21/7213
Deutschland will bis 2030 zur europäischen Spitze bei digitaler Infrastruktur aufschließen: Die Rechenkapazität soll verdoppelt, die KI-Rechenkapazität sogar vervierfacht werden. Doch wie dieser Fortschritt gemessen werden soll und welche Folgen der massive Ausbau für Strom, Wasser und Klima hat, bleibt laut der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7213 vom 17. Juli 2026 bisher unklar. Die Fraktion Die Linke richtet zwölf detaillierte Fragen an die Bundesregierung.
Rechenzentrumsstrategie ohne klare Messgröße
Die Bundesregierung hat am 18. März 2026 ihre Rechenzentrumsstrategie vorgelegt. Als Ausgangsgröße nennt die Strategie lediglich die IT-Anschlussleistung von knapp 3 Megawatt — eine Kenngröße, die den verfügbaren Strom beschreibt, nicht die tatsächliche Rechenleistung. Die Fraktion bemängelt, dass die Strategie keine eigentliche Kenngröße für die tatsächliche Rechenkapazität definiert. Ohne eine solche Messgröße lässt sich laut Anfrage nicht objektiv feststellen, ob das Verdoppelungsziel bis 2030 erreicht wird. Die Anfrage fragt deshalb, welche Indikatoren die Bundesregierung ergänzend zur IT-Anschlussleistung einsetzt und auf welcher Datengrundlage sie den Fortschritt in den kommenden vier Jahren überprüft.
Strombedarf und Klimafolgen des Rechenzentrums-Booms
Eine Verdoppelung der Rechenkapazität erfordert nach Einschätzung der Fragesteller eine Vielzahl neuer Rechenzentren — mit erheblichen Folgen für Strom-, Wasser- und Flächenverbrauch. Die Anfrage stellt konkret die Frage, wie hoch der zusätzliche Strombedarf durch neue Rechenzentren in den Jahren 2030 und 2040 im Vergleich zu 2025 prognostiziert wird. Zudem fragt Die Linke, ob und in welchen Planwerken — etwa dem Netzentwicklungsplan, der Systementwicklungsstrategie oder den Langfristszenarien — dieser Mehrbedarf bereits berücksichtigt ist. Besonderes Interesse gilt auch der Frage, welche Maßnahmen die Bundesregierung plant, um Rechenzentren zu einem sparsameren Hardware-Stromverbrauch zu bewegen. Hintergrund: Der gängige PUE-Wert misst nur das Verhältnis von Hardware- zu Kühlungsstrom — ein hoher Hardware-Verbrauch verbessert den PUE-Wert, ohne den Gesamtverbrauch zu senken.
Was gilt aktuell?
Derzeit unterliegen Rechenzentren ab einer bestimmten Größe Berichtspflichten nach dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG). Mit dem am 24. Juni 2026 vom Kabinett beschlossenen Entwurf zur Beschleunigung der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie — insbesondere § 13 EnEfG — plant die Bundesregierung nach Auffassung der Fragesteller, die Öffentlichkeit von wesentlichen Informationen zu Rechenzentren auszuschließen. Die Anfrage kritisiert, dass damit eine transparente Datengrundlage für die Bewertung von Umwelt- und Klimaauswirkungen gefährdet werde. Ein entsprechender Artikel auf drucksachlich.de zu Energieinfrastruktur zeigt, wie komplex staatliche Steuerung von Versorgungsinfrastruktur ist.
Staatliche Förderung für private Rechenzentren
Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die finanzielle Unterstützung privater Unternehmen beim Rechenzentrumsausbau. Die Linke fragt, welche Unternehmen seit Amtsantritt der aktuellen Bundesregierung bereits Fördergelder erhalten haben — mit Angabe von Standort und Fördersumme. Außerdem will die Fraktion wissen, welche Haushaltsmittel 2026 noch zur Verfügung stehen, nach welchen Förderkriterien vergeben wird und welche Mittel der Regierungsentwurf zum Haushalt 2027 für Neubauten und Ausbauten privater Rechenzentren vorsieht. Die Fragen berühren damit auch den Bereich staatlicher Transparenz bei der Vergabe von Subventionen — ein Aspekt, der auch in anderen Bereichen der Digitalförderung diskutiert wird, wie etwa bei der Phagentherapie-Förderung von 18 Mio. Euro, wo Erfolgskontrolle ebenfalls ein zentrales Thema ist.
Monitoring des Rechenzentrumausbaus als politisches Streitthema
Die zwölf Fragen richten sich an grundlegende Steuerungsfragen der Digitalpolitik: Kann die Bundesregierung belegen, dass ihre Strategie wirkt? Sind die Umweltfolgen ausreichend bewertet? Und fließen öffentliche Mittel transparent und zielgerichtet? Die Anfrage ist am 3. Juli 2026 unterzeichnet von Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und der Fraktion Die Linke und beim Bundestag am 17. Juli 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat bis zum 7. August 2026 Zeit zur Beantwortung. Zum Thema Transparenz staatlicher Behörden und Informationspflichten bietet auch der Beitrag zu ArgonOS und verweigerten Details interessante Parallelen. Wer sich für den gesellschaftlichen Kontext von KI-Infrastruktur interessiert, findet auf drucksachlich.de weitere Einordnungen zu staatlicher Kontrolle in Wachstumsmärkten.
Weiterlesen:
- PCK Schwedt: Rosneft-Treuhand und Ölversorgung nach Druschba-Stopp
- Verfassungsschutz kauft ArgonOS: Bundesregierung verweigert Details
- Phagentherapie: 18 Mio. Euro Förderung, keine Zulassung in Sicht
Betroffen sind Stromverbraucher und Steuerzahler, da der Ausbau von Rechenzentren den Strombedarf und den Bedarf an öffentlichen Fördermitteln erhöht. Auch Kommunen und Regionen, in denen neue Rechenzentren entstehen sollen, sind durch erhöhten Flächen- und Wasserverbrauch betroffen.
Die Kleine Anfrage wurde am 17. Juli 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat gemäß parlamentarischer Praxis 21 Tage Zeit zur Beantwortung; die Antwortfrist läuft bis zum 7. August 2026.
- PUE-Wert
- Power Usage Effectiveness: Kennzahl für die Energieeffizienz von Rechenzentren. Sie misst das Verhältnis des gesamten Stromverbrauchs zum Stromverbrauch der eigentlichen IT-Hardware.
- IT-Anschlussleistung
- Die maximal verfügbare elektrische Leistung für IT-Infrastruktur in einem Rechenzentrum, gemessen in Megawatt (MW). Sie dient als Proxy-Größe für die Rechenkapazität.
- EnEfG
- Energieeffizienzgesetz: Deutsches Bundesgesetz zur Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie, das unter anderem Berichtspflichten für Rechenzentren regelt.
Was ist die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung?
Die Bundesregierung hat am 18. März 2026 eine Strategie vorgelegt, die bis 2030 eine Verdoppelung der gesamten Rechenkapazität und eine Vervierfachung der KI-Rechenkapazität in Deutschland anstrebt.
Was ist der PUE-Wert und warum ist er umstritten?
Der PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) misst das Verhältnis von Hardware-Stromverbrauch zu Kühlungs-Stromverbrauch. Die Anfrage weist darauf hin, dass ein hoher Hardware-Stromverbrauch den PUE-Wert verbessert, obwohl mehr Strom verbraucht wird.
Welche Umweltfolgen werden durch den Rechenzentrumsausbau befürchtet?
Laut der Anfrage sind erhöhter Strom-, Wasser- und Flächenverbrauch die zentralen Folgen, die mit dem Bau einer Vielzahl neuer Rechenzentren verbunden wären.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7213 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.






























































