- 93.500 Tonnen Alaska-Seelachs im Wert von 228 Mio. Euro importierte Deutschland 2025 aus Russland
- EU-Sanktionen sollen Russland-Importe schrittweise auf 50 Prozent senken
- Thünen-Institut warnt vor Fischstäbchenkrise und Jobverlusten in der Fischindustrie
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7206 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die EU-Kommission hat im Rahmen ihres 21. Sanktionspakets gegen Russland erhebliche Einfuhrbeschränkungen für russische Fischereierzeugnisse angekündigt. Für Alaska-Seelachs sollen die Importmengen innerhalb von zwei Jahren auf 50 Prozent des Durchschnittswerts der Jahre 2023 bis 2025 abgesenkt werden; für russischen Kabeljau ist laut Diplomatenkreisen ab 2028 ein vollständiges Importverbot vorgesehen. Das Thünen-Institut, das staatliche Forschungsinstitut für Fischerei und Landwirtschaft, hat in einem Dossier vor einer möglichen Fischstäbchenkrise gewarnt. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) prüft laut Ministeriumssprecher derzeit gemeinsam mit Wirtschaftsbeteiligten und der Wissenschaft die möglichen Folgen des Kommissionsvorschlags.
- 93.500 Tonnen — gefrorene Alaska-Seelachs-Filets importierte Deutschland 2025 aus Russland.
- 228 Mio. Euro — Wert dieser Importe im Jahr 2025 laut Drucksache.
- 45 Prozent — russischer Anteil an deutschen Alaska-Seelachsfilet-Importen im Jahr 2024 (2020: 15 Prozent).
- 50 Prozent — auf diesen Wert sollen die Russland-Importe nach zwei Jahren abgesenkt werden.
- 2028 — ab diesem Jahr soll laut Diplomatenkreisen ein vollständiges Importverbot für russischen Kabeljau gelten.
Im Detail
„Droht eine Fischstäbchenkrise?“ — so lautet der Titel eines Dossiers des Thünen-Instituts, das vor steigenden Preisen, Engpässen bei Fischstäbchen und Arbeitsplatzverlusten in der deutschen fischverarbeitenden Industrie warnt.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7206
Fischstäbchen gehören zu den meistverkauften Tiefkühlprodukten in Deutschland — doch ihre wichtigste Zutat steht unter Druck. Das geplante 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland sieht erhebliche Einfuhrbeschränkungen für Alaska-Seelachs vor, dem zentralen Rohstoff der deutschen Fischindustrie. Die AfD-Fraktion hat dazu am 17. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7206 eingereicht und stellt der Bundesregierung 18 detaillierte Fragen zu wirtschaftlichen Folgen, Versorgungssicherheit und möglichen Ersatzlieferquellen.
Alaska-Seelachs: Russland dominiert den deutschen Markt
Die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Alaska-Seelachs ist in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Laut Drucksache stieg der russische Anteil an den deutschen Alaska-Seelachsfilet-Importen zwischen 2020 und 2024 von 15 auf 45 Prozent. Im vergangenen Jahr importierte die Bundesrepublik 93.500 Tonnen gefrorene Filets im Wert von rund 228 Mio. Euro. Das Thünen-Institut, die zuständige Bundesforschungsbehörde, bezeichnet Deutschland als größten Abnehmer für Alaska-Seelachs in der gesamten EU. In Deutschland stehen nach Angaben des Instituts die größten Fischstäbchenfabriken der Welt.
Was das EU-Sanktionspaket vorsieht
Die EU-Kommission plant im Rahmen ihres 21. Sanktionspakets gegen Russland, die Einfuhr von russischem Alaska-Seelachs schrittweise zu begrenzen. Unmittelbar nach Inkrafttreten soll die Importmenge auf den Durchschnittswert der Jahre 2023 bis 2025 gedeckelt werden. Nach einem Jahr dürfen laut Medienberichten, auf die die Anfrage verweist, nur noch 75 Prozent dieser Menge eingeführt werden, nach zwei Jahren nur noch 50 Prozent. Für russischen Kabeljau sieht das Paket laut Diplomatenkreisen ab 2028 ein vollständiges Importverbot vor. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte bei der Vorstellung des Pakets „erhebliche Einfuhrbeschränkungen für einige Fischerzeugnisse und ein vollständiges Verbot für andere, einschließlich Kabeljau“ angekündigt.
Fischstäbchenkrise: Was das Thünen-Institut warnt
Das staatliche Thünen-Institut hat die möglichen Folgen in einem Dossier mit dem Titel „Droht eine Fischstäbchenkrise?“ analysiert. Die Forscher warnen vor steigenden Preisen, Engpässen bei Fischstäbchen und Arbeitsplatzverlusten in der deutschen fischverarbeitenden Industrie. Besonders kritisch ist die Frage nach alternativen Lieferquellen: Ob Alaska, Norwegen oder andere Fangregionen die russischen Mengen kurzfristig mengen- und preislich ausgleichen können, ist nach derzeitigem Stand offen. Die Anfrage thematisiert ausdrücklich die Gefahr, dass russischer Alaska-Seelachs, der nicht mehr in die EU exportiert werden darf, dauerhaft in andere Weltmärkte abfließt und die europäische Versorgung langfristig verschlechtert.
18 Fragen an die Bundesregierung
Die AfD-Fraktion will von der Bundesregierung unter anderem wissen, ob ihr der genaue Inhalt des 21. Sanktionspakets für den Fischereisektor bekannt ist und welche Übergangsfristen oder Ausnahmeregelungen vorgesehen sind. Weitere Fragen betreffen mögliche Produktionsverlagerungen der deutschen Fischindustrie ins Ausland, die sozialen Folgen für Beschäftigte sowie konkrete Preisprognosen für Fischstäbchen und Schlemmerfilets im Einzelhandel. Die Fragesteller erkundigen sich auch nach möglichen Reaktionen großer Hersteller wie Iglo oder Frosta sowie des Bundesverbands der deutschen Fischindustrie. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) prüft laut einem Ministeriumssprecher derzeit gemeinsam mit Wirtschaftsbeteiligten und der Wissenschaft die möglichen Auswirkungen des Kommissionsvorschlags — konkrete Ergebnisse dieser Prüfung sind öffentlich noch nicht bekannt.
Thematisch ähnlich gelagert ist die Diskussion um die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Energierohstoffen, wie sie etwa beim PCK Schwedt und dem Druschba-Stopp sichtbar wurde: Auch dort stellte sich die Frage, wie schnell Importabhängigkeiten durch alternative Lieferquellen ausgeglichen werden können. Die Frage nach staatlicher Kontrolle und Transparenz bei wirtschaftlich relevanten Abhängigkeiten zeigt sich ebenso im Bereich IGeL-Leistungen mit 2,4 Mrd. Euro Marktvolumen.
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Unmittelbar betroffen sind fischverarbeitende Betriebe in Deutschland, in denen laut Thünen-Institut die größten Fischstäbchenfabriken der Welt stehen. Deren Beschäftigte könnten bei Produktionsverlagerungen ins Ausland ihre Arbeitsplätze verlieren. Darüber hinaus sind Verbraucherinnen und Verbraucher betroffen, die mit steigenden Preisen für Fischstäbchen, Schlemmerfilets und ähnliche Produkte rechnen müssen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7206) ist am 17. Juli 2026 im Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die 18 Fragen schriftlich zu beantworten — die Antwortfrist läuft bis zum 7. August 2026. Ein parlamentarisches Abstimmungsverfahren ist bei Kleinen Anfragen nicht vorgesehen.
- Alaska-Seelachs
- Pollock (Theragra chalcogramma), ein weißfleischiger Meeresfisch, der als Hauptrohstoff für Fischstäbchen und Schlemmerfilets gilt und vor allem aus russischen Fanggebieten importiert wird.
- Thünen-Institut
- Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei — zuständige wissenschaftliche Behörde unter dem Bundeslandwirtschaftsministerium.
- 21. Sanktionspaket
- Das 21. Maßnahmenpaket der EU gegen Russland als Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine; enthält erstmals weitreichende Einschränkungen für Fischereiimporte.
Was plant die EU beim 21. Sanktionspaket für Fisch?
Laut Drucksache sollen Einfuhren von russischem Alaska-Seelachs schrittweise auf 50 Prozent des bisherigen Durchschnittswerts reduziert werden; für russischen Kabeljau ist ab 2028 ein vollständiges Importverbot geplant.
Warum ist Deutschland besonders betroffen?
Deutschland ist laut Thünen-Institut der größte Abnehmer für Alaska-Seelachs in der EU. Der russische Anteil an deutschen Filet-Importen stieg zwischen 2020 und 2024 von 15 auf 45 Prozent.
Welche Produkte könnten teurer werden?
Vor allem Fischstäbchen und Schlemmerfilets, die überwiegend aus Alaska-Seelachs hergestellt werden, könnten durch Importbeschränkungen knapper und teurer werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7206 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



























































