- Rund 2.500 Moscheen in Deutschland, meist als eingetragener Verein organisiert
- DITIB mit 960 Gemeinden groesster islamischer Dachverband, aber umstrittene Tuerkei-Abhaengigkeit
- Islamistische Radikalisierung verlagert sich zunehmend in digitale Raeume
Moscheen in Deutschland: Struktur, Organisation und Sicherheit
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat eine umfassende Analyse zu Moscheen in Deutschland vorgelegt (WD 1 – 3000 – 013/26, Stand Juni 2026). Das Dokument beleuchtet rechtliche Grundlagen, organisatorische Strukturen, Finanzierung sowie sicherheitsrelevante Aspekte islamischer Gemeinden in Deutschland.
Anzahl und rechtliche Grundlagen
Die genaue Zahl der Moscheen in Deutschland laesst sich nicht exakt bestimmen. Schätzungen gehen von rund 2.500 Moscheen aus, hinzu kommen etwa 100 alevitische Cem-Haeuser. Die meisten Gemeinden betreiben ihre Gebetsraeume in umgenutzten Gebaeuden wie ehemaligen Fabriken oder Ladengeschaeften. Mindestens 128 Moscheen verfügen über ein Minarett. Die Einfuehrung eines amtlichen Moscheeregisters ist rechtlich und politisch umstritten.
Rechtlich sind die meisten islamischen Gemeinden als eingetragener Verein nach dem Buergerlichen Gesetzbuch organisiert. Nur wenige islamische Gemeinschaften besitzen den Status einer Koerperschaft des öffentlichen Rechts, der unter anderem Voraussetzung für die Erhebung einer Kirchensteuer-analogen Abgabe wäre. Auch eine sogenannte Moscheesteuer scheitert derzeit an rechtlichen und organisatorischen Huenden sowie an grundsätzlicher Ablehnung innerhalb islamischer Organisationen.
Dachverbaende und Gemeindestruktur
Die Tuerkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) ist mit rund 960 Ortsgemeinden der groesste islamische Dachverband in Deutschland. Ihre enge satzungsmaessige Anbindung an die tuerkische Religionsbehoerde Diyanet wird kritisch bewertet. Im Dezember 2023 vereinbarten Bundesinnenministerium, Diyanet und DITIB eine schrittweise Beendigung der Imam-Entsendung aus der Tuerkei; künftig sollen jaehrlich 100 Imame in Deutschland ausgebildet werden.
Neben DITIB existieren weitere Verbaende wie der Islamrat (ca. 400 Gemeinden), der VIKZ (ca. 300) und der Zentralrat der Muslime (ca. 300). Rund 86 Prozent aller Gemeinden sind als eingetragener Verein organisiert. Die Studie zeigt, dass Neuzugewanderte und Gefluechtete sich überwiegend bestehenden Gemeinden anschließen, statt neue zu gründen.
Angebote und Finanzierung
Moscheen fungieren weit über das Gebet hinaus als soziale Zentren. Nahezu alle Gemeinden bieten Korankurse an, viele zusätzlich Hausaufgabenhilfe, Sozialberatung, Deutschkurse und Unterstuetzung für Gefluechtete. Rund 90 Prozent der muslimischen Gemeinden verfügen über einen hauptamtlichen Imam. Die auslaendische Finanzierung von Moscheen gilt als schwer kontrollierbar; verlassliche Gesamtzahlen liegen nicht vor.
Sicherheitsrelevante Aspekte
Der Verfassungsschutzbericht 2024 stellt fest, dass islamistische Radikalisierung sich zunehmend in digitale Raeume verlagert. Salafistische Prediger erreichen über Plattformen wie TikTok und Instagram Hunderttausende junger Menschen. Als bedeutsames Ereignis wertet der Bericht das Verbot des Islamischen Zentrums Hamburg im Juli 2024. Moscheen sind zudem regelmaessig Ziel antimuslimisch motivierter Angriffe: 2024 zaehlte die Polizei 79 solcher Straftaten, 2025 waren es vorlaeutig 66.



































































