- Standmiete auf der gamescom stieg von 35.407 Euro (2016) auf 144.585 Euro (2025)
- 2025 wurden 722 Datensätze von Interessierten ab 17 Jahren erhoben
- Bundeswehr entwickelt keine eigenen Videospiele und plant das auch nicht
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7138 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundeswehr nimmt seit dem Jahr 2009 an der gamescom in Köln teil — der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele. Der Auftritt findet im abgetrennten Karrierebereich der Messe statt und richtet sich laut Bundesregierung gezielt an technologieaffine Interessierte, die für Berufe im Bereich Cyber-Operationen, Softwareentwicklung und elektronische Kampfführung gewonnen werden sollen. In der Vergangenheit gerieten Gaming-Slogans in der Bundeswehr-Werbung wie „Multiplayer at its best“ in die öffentliche Kritik. Die Fraktion Die Linke stellte dazu die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6775, die das Bundesministerium der Verteidigung am 13. Juli 2026 beantwortet hat.
- 144.585 Euro — Standmiete auf der gamescom 2025, gegenüber 35.407 Euro im Jahr 2016.
- 35.911 Euro — Logistikkosten auf der gamescom 2025.
- 74.355 Euro — Kosten für Werbematerial auf der gamescom 2025 (u. a. T-Shirts, Roll-ups, Digital-Out-of-Home-Kampagnen).
- 102.290 Euro — Gesamtkosten für Werbematerial in den Jahren 2018 und 2019 zusammen.
- 722 Datensätze — Zu Rekrutierungszwecken erhobene Kontaktdaten auf der gamescom 2025; alle Personen waren 17 Jahre oder älter.
Im Detail
Die Bundesregierung sieht für die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr und die Personalwerbung keinerlei Bedarf oder Zweckmäßigkeit für den Einsatz von Computer- oder Videospielen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7138, Antwort zu Frage 17
Seit 2009 ist die Bundeswehr jedes Jahr auf der gamescom in Köln vertreten — der weltgrößten Messe für Computer- und Videospiele. Was die Nachwuchsgewinnung auf der gamescom konkret kostet, welche Militärfahrzeuge präsentiert wurden und wie viele Datensätze Besucher hinterlassen haben, zeigt die Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7138) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke vom 13. Juli 2026.
Bundeswehr-Werbung auf der gamescom: steigende Kosten
Die Kosten für den gamescom-Auftritt der Bundeswehr sind seit 2016 deutlich gestiegen. Die Standmiete wuchs von 35.407 Euro im Jahr 2016 auf 144.585 Euro im Jahr 2025. Hinzu kommen Logistikkosten von 35.911 Euro sowie rund 74.355 Euro für Werbematerialien — darunter T-Shirts mit dem Aufdruck „BEREIT FÜR DAS NÄCHSTE LEVEL“, Roll-ups mit dem Slogan „LIMITIERTE LOOTBOX GEWINNEN!“ und Digital-Out-of-Home-Kampagnen mit Texten wie „KARRIERE UPLEVELN?“ oder „VERTEIDIGUNG HOCHFAHREN!“. Zum Vergleich: Für die Jahre 2018 und 2019 zusammen beliefen sich die Werbematerialkosten auf rund 102.290 Euro. Personalkosten speziell für die gamescom werden laut Bundesregierung statistisch nicht gesondert erfasst.
Militärfahrzeuge und Interaktionen: Von Fennek bis Drohne
Die Bundeswehr präsentierte auf der gamescom eine Reihe von Militärfahrzeugen. 2016 stand der Spähpanzer „Fennek“ im Mittelpunkt, 2017 folgten „Dingo II“ und „Wiesel II“. 2025 war ein Leichtes Luftlandefähiges Utility Terrain Vehicle ausgestellt, dazu eine Aufklärungsdrohne des Typs „Luna“, der Laufroboter „SPOT“ sowie ein Virtual Battlespace Simulator. Besucher konnten unter anderem Fliegerhelme anprobieren, Knotenkunde erlernen und sich an einer Reaktionswand messen. Karriereberatende standen in allen Jahren zur Verfügung.
722 Datensätze im Jahr 2025 — alle ab 17 Jahren
Für die Jahre 2016 bis 2024 liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Datensätze zu Rekrutierungszwecken vor, da die Daten nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen gelöscht wurden. Im Jahr 2025 wurden 722 Datensätze erhoben. Laut Bundesregierung waren alle erfassten Personen 17 Jahre oder älter — dem gesetzlichen Mindestalter für den freiwilligen Dienstantritt. Eine aktive Ansprache durch das Standpersonal erfolge nicht; Besucher kämen aus eigener Initiative auf den Stand zu. Die Konversionsrate — also wie viele Messekontakte tatsächlich zu einer Bewerbung oder Einstellung geführt haben — wird statistisch nicht erfasst.
Keine eigenen Videospiele, kein Kontakt zu Publishern
Auf mehrere Fragen zur Verflechtung von Bundeswehr und Videospielindustrie antwortete die Bundesregierung klar verneinend: Die Bundeswehr hat keine eigenen Videospiele entwickelt oder in Auftrag gegeben und plant dies auch nicht. Es gab in den letzten 20 Jahren auch keine Kontakte zu Videospiel-Herstellern oder Publishern. Spielproduktionen privater Unternehmen mit militärischem Bezug wurden und werden aus Bundesmitteln nicht gefördert. Im Echtbetrieb — etwa bei der Drohnensteuerung — setzt die Bundeswehr auf spezialisierte militärische Kontrollsysteme, keine handelsüblichen Gaming-Controller.
Zur Nutzung von Simulatoren in der Ausbildung (Frage 16) teilte die Bundesregierung mit, dass Fluggeräte-, Fahrzeug-, Panzer- und Schießsimulatoren eingesetzt werden. Eine vollständige Antwort verweigerte das Verteidigungsministerium jedoch unter Verweis auf das Staatswohl: Detaillierte Angaben würden Rückschlüsse auf militärische Szenarien ermöglichen und wurden deshalb als VS-NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH eingestuft.
Konzeption, Gestaltung und Durchführung der Messeauftritte erfolgten laut Bundesregierung grundsätzlich durch das Zentrale Messe- und Eventmarketing der Bundeswehr selbst — externe Agenturen wurden nicht mit der Gesamtkonzeption beauftragt. Zur Influencer-Zusammenarbeit verwies die Bundesregierung auf ältere Drucksachen aus der 19. und 21. Wahlperiode.
Die gamescom-Präsenz der Bundeswehr steht im Kontext einer breiteren Diskussion über staatliche Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit sowie die Frage, wie der Staat öffentliche Mittel für Nachwuchsgewinnung einsetzt. Parallel zur Debatte über Bundeswehr-Werbung diskutiert der Bundestag auch Themen wie Ausgabenkontrolle und Bürokratieabbau.
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Unmittelbar betroffen sind junge Menschen ab 17 Jahren, die die gamescom besuchen und dort auf Karriereberater der Bundeswehr treffen können. Mittelbar geht es um alle Steuerzahler, da die Kosten für Standmiete, Logistik und Werbematerial aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen vollständig beantwortet. Bei Frage 16 (Nutzung von Simulatoren in der Ausbildung) wurde eine vollständige Beantwortung unter Verweis auf das Staatswohl verweigert und ein eingestufter Anhang verwiesen. Zur Konversionsrate (Frage 10) teilte die Regierung mit, dass keine statistische Erfassung erfolgt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Bundeswehr-Werbung auf der Gamescom: 22 Fragen zur Rekrutierung →
- gamescom
- Die gamescom in Köln ist die weltgrößte Messe für Computer- und Videospiele. Sie findet jährlich statt und zieht Hunderttausende Besucher an, darunter viele Jugendliche.
- VS-NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH
- Eine Geheimhaltungsstufe für Behördendokumente in Deutschland. Informationen dieser Stufe dürfen nicht öffentlich gemacht werden, da ihre Bekanntgabe Interessen der Bundesrepublik schaden könnte.
- Konversionsrate
- Der Anteil von Messekontakten, die tatsächlich eine Bewerbung oder Einstellung bei der Bundeswehr nach sich ziehen. Diese Zahl wird laut Bundesregierung statistisch nicht erfasst.
Ab welchem Alter spricht die Bundeswehr Besucher auf der gamescom an?
Die Zielgruppe der Personalgewinnungsorganisation richtet sich auf Interessierte ab 17 Jahren aus, dem gesetzlichen Mindestalter für den freiwilligen Dienstantritt.
Hat die Bundeswehr eigene Videospiele entwickelt?
Nein. Die Bundeswehr hat keine Videospiele entwickelt oder in Auftrag gegeben und plant dies auch nicht.
Wie viele Datensätze wurden 2025 auf der gamescom gesammelt?
Im Jahr 2025 wurden 722 Datensätze erhoben. Alle erfassten Personen waren 17 Jahre oder älter.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7138 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































