- 67% der Containerkräne in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven stammen von ZPMC
- 70–80% der europäischen Solar-Wechselrichter kommen von chinesischen Herstellern
- Kein aggregiertes Lagebild zu chinesischen KRITIS-Komponenten in Deutschland vorhanden
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6433 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die erste nationale China-Strategie Deutschlands wurde im Juli 2023 unter der damaligen Bundesregierung veröffentlicht. Der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD sieht vor, die Strategie nach dem Prinzip des De-Riskings zu überarbeiten und eine jährlich berichtende Expertenkommission einzusetzen. Das KRITIS-Dachgesetz, das sektorübergreifende Mindeststandards für physische Resilienz festlegt, ist am 17. März 2026 in Kraft getreten. Die systematische Registrierung von KRITIS-Betreibern nach dem BSI-Gesetz (BSIG) hat seit März 2026 begonnen. Auf EU-Ebene trat im Oktober 2024 der Cyber Resilience Act in Kraft, der ab Ende 2027 Mindestsicherheitsstandards für vernetzte Produkte vorschreibt.
- 67 % (82 von 122) — Anteil von ZPMC-Kränen an Containerkränen in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven; in Wilhelmshaven sogar 80 %.
- 70–80 % — Geschätzter Marktanteil chinesischer Hersteller bei PV-Wechselrichtern in Europa, größter Anbieter ist Huawei.
- 10 Mrd. Euro (+47 %) — Anstieg chinesischer Direktinvestitionen (FDI) nach Europa und UK im Jahr 2024 gegenüber 2023, getrieben durch Elektrofahrzeuge und Batterietechnologie.
- 2029 — Vereinbarte Frist zum Ausbau kritischer Huawei-Komponenten aus deutschen 5G-Mobilfunknetzen.
- 17. März 2026 — Inkrafttreten des KRITIS-Dachgesetzes; Registrierung nach BSIG läuft seitdem.
Im Detail
Der Bundesregierung liegt kein aggregiertes Lagebild im Sinne der Fragestellung vor.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6433, zu Fragen 1 und 1a
Windräder mit Fernzugriffsmöglichkeit, Hafenkräne mit ungeklärten Kommunikationsmodulen, Solar-Wechselrichter aus China in fast jedem europäischen Energiepark: Die Bundesregierung bestätigt in BT-Drs. 21/6433 vom 10. Juni 2026, dass chinesische Technik tief in Deutschlands kritische Infrastruktur eingebettet ist — und dass ein systematischer Überblick darüber bislang fehlt.
Auf 58 Fragen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/5898) lautet die Kernantwort zu KRITIS-Komponenten schlicht: „Der Bundesregierung liegt kein aggregiertes Lagebild im Sinne der Fragestellung vor.“ Das gilt für chinesische Bauteile in Energieanlagen ebenso wie für chinesische Router in Behörden und Netzwerken kritischer Betreiber.
KRITIS-De-Risking: Wo Deutschland steht
Das am 17. März 2026 in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz schafft erstmals sektorübergreifende Mindeststandards für den physischen Schutz kritischer Infrastruktur und verpflichtet Betreiber zur Registrierung nach dem BSI-Gesetz (BSIG). Eine Regelung zu kritischen Komponenten nach Herkunftsland ist darin jedoch nicht enthalten. Die systematische Erfassung habe laut Bundesregierung gerade erst begonnen — eine vollständige Übersicht entstehe erst sukzessive.
Dass die Lücken erheblich sind, zeigen die Zahlen: In den drei größten deutschen Containerhäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven stammen 82 von rund 122 Containerkränen vom chinesischen Staatsunternehmen Shanghai Zhenhua Heavy Industries (ZPMC) — das entspricht etwa 67 Prozent. In Wilhelmshaven liegt der ZPMC-Anteil sogar bei 80 Prozent. ZPMC hält weltweit einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent, den das Unternehmen durch staatliche Subventionierungen über drei Jahrzehnte aufgebaut hat. Ein US-Kongressbericht von September 2024 dokumentierte, dass ZPMC mehrere US-Hafenbetreiber unter Druck gesetzt hatte, Fernzugriffe auf ihre Kräne zu erlauben.
Energieinfrastruktur: Wechselrichter und Windturbinen
Im Bereich KRITIS-De-Risking bei Energieanlagen bestätigt die Bundesregierung, dass chinesische Hersteller je nach Marktsegment etwa 70 bis 80 Prozent des europäischen Markts für PV-Wechselrichter kontrollieren. Huawei ist der größte Einzelanbieter — dessen Mobilfunk-Komponenten werden wegen Sicherheitsbedenken gleichzeitig aus deutschen 5G-Netzen ausgebaut. Die Europäische Investitionsbank hat bereits reagiert: Sie fördert künftig keine neuen Projekte mehr, die Wechselrichter aus China, Russland, Iran oder Nordkorea nutzen.
Zu einer vom Bundesverteidigungsministerium in Auftrag gegebenen Studie des Instituts für Verteidigung und Strategie (GIDS), die chinesische Windkraftanlagen als Sicherheitsrisiko einstuft, teilt die Bundesregierung mit: Eine Veröffentlichung sei nicht geplant, da die Studie „lediglich als Beitrag zur internen Positionsbestimmung“ diente. Die Analyse und Bewertung von Handlungsoptionen für den Energiebereich läuft derzeit ressortübergreifend zwischen BMWE, BMI, BSI und Bundesnetzagentur.
Vernetzte Autos: Fernzugriff technisch möglich
Bei vernetzten Fahrzeugen chinesischer Hersteller bestätigt die Bundesregierung strukturelle Risiken. Chinesisches Recht verpflichte Unternehmen zur Kooperation mit staatlichen Stellen und gewähre diesen weitreichende Einsicht in IT-Systeme. Fahrzeugdaten könnten daher an staatliche chinesische Stellen abfließen. Eine rechtliche Möglichkeit, Fernzugriffe gezielt für bestimmte Hersteller zu unterbinden, bestehe derzeit nicht. In den Fuhrparks von Bundesministerien und Bundeswehr werden jedoch keine chinesischen Fahrzeuge eingesetzt. Das BSI-Projekt zur Sicherheit fahrzeuggenerierter Daten aus dem Jahr 2025 zeigte laut Bundesregierung den „großen Umfang an Fahrzeugnutzungsdaten“, auf den Hersteller Zugriff haben — darunter Fahrverhalten, Standortdaten und Fahrzeugstatus.
Zu den Ergebnissen des gemeinsamen BfV/ZITiS-Projekts, bei dem Fahrzeuge chinesischer Hersteller auf Datenabflüsse untersucht wurden, verweigerte die Bundesregierung jede Auskunft — nicht einmal in eingestufter Form. Sie begründete dies damit, dass eine Antwort Rückschlüsse auf die Arbeitsweise der Sicherheitsbehörden ermöglichen und deren künftige Aufgabenerfüllung beeinträchtigen würde.
5G-Netze und Investitionsprüfung
Im Mobilfunkbereich geht die Bundesregierung davon aus, dass die mit Telekommunikationsunternehmen vereinbarte Frist zum Abbau kritischer Huawei-Komponenten bis 2029 eingehalten wird. Das Mobilfunkförderprogramm des Bundes ist Ende 2024 ausgelaufen. Für ein eigenständiges Investitionsprüfungsgesetz (IPG), das die Investitionsprüfung aus dem Außenwirtschaftsgesetz herauslöst, strebt das BMWE einen Kabinettsbeschluss in der zweiten Jahreshälfte 2026 an. Die Prüfschwelle für Beteiligungen an KRITIS-Betreibern liegt nach geltendem Recht bereits bei zehn Prozent.
Weitere Informationen zu aktuellen Debatten rund um Sicherheit und Versorgungsinfrastruktur finden sich auch im täglichen Überblick auf drucksachlich.de.
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Betroffen sind Betreiber kritischer Infrastruktur in den Bereichen Energie (Wind- und Solarparks, Netztransformatoren), Häfen und Logistik sowie Telekommunikation. Auch Verbraucher, die chinesische Router oder Fahrzeuge nutzen, sind indirekt betroffen, da die Bundesregierung strukturelle Spionage- und Fernzugriffsrisiken durch chinesisches Recht bestätigt. Behörden und die Bundeswehr sind laut Regierungsangaben von chinesischen Fahrzeugen im Dienstbetrieb ausgenommen.
Die Bundesregierung verweigerte die Antwort auf Frage 29 (BfV/ZITiS-Projekt zu Fahrzeugdaten chinesischer Hersteller) vollständig — auch nicht eingestuft — und begründete dies mit überwiegenden Staatswohl-Interessen. Bei zahlreichen weiteren Fragen verwies sie auf laufende ressortübergreifende Arbeitsprozesse, ohne konkrete Zeitpläne oder Ergebnisse zu nennen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 10.06.2026) Grüne warnen vor chinesischen Sicherheitsrisiken in Deutschland →
- De-Risking
- Strategie zur Verringerung einseitiger Abhängigkeiten von bestimmten Staaten oder Lieferanten in wirtschaftlich und sicherheitspolitisch sensiblen Bereichen — ohne vollständige wirtschaftliche Entkopplung.
- KRITIS
- Kritische Infrastrukturen: Anlagen und Systeme, deren Ausfall oder Beeinträchtigung erhebliche Versorgungsengpässe oder Gefährdungen für die öffentliche Sicherheit verursachen würde, z. B. Energieversorgung, Wasserversorgung, Transport.
- Cyber Resilience Act (CRA)
- EU-Verordnung (EU) 2024/2847, die ab Ende 2027 verpflichtende Cybersicherheitsanforderungen für vernetzte Produkte auf dem EU-Binnenmarkt einführt, darunter Mindeststandards für Router, Kameras und industrielle Steuerungssysteme.
Wie hoch ist der Anteil chinesischer Hafenkräne in Deutschland?
Laut Bundesregierung stammen 82 von insgesamt rund 122 Containerkränen in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven vom chinesischen Staatsunternehmen ZPMC — das entspricht etwa 67 Prozent. In Wilhelmshaven liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent.
Gibt es chinesische Fahrzeuge in Bundesbehörden oder der Bundeswehr?
Nein. Laut Bundesregierung befinden sich in den Fuhrparks der Bundesministerien und der Bundeswehr keine Kraftfahrzeuge chinesischer Hersteller im Einsatz.
Wann gilt der EU Cyber Resilience Act für Wechselrichter?
Der EU Cyber Resilience Act tritt Ende 2027 in Kraft. Wechselrichter und Netztransformatoren sind bislang nicht als 'wichtige' oder 'kritische' Produkte in den Anhängen III und IV der Verordnung (EU) 2024/2847 gelistet. Die Bundesregierung prüft, ob eine Änderung geboten ist.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6433 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































