- 75 Prozent des Welt-Kobalts stammen aus der DR Kongo
- Kobalt-Direktimporte aus der DR Kongo: 2016 rund 5,2 Tonnen, 2017 etwa 1 Tonne; danach keine verzeichnet
- Bundesregierung kennt keine deutschen Unternehmen im Kobaltabbau vor Ort
Hintergrund
Die DR Kongo produziert laut US Geological Survey rund 75 Prozent des weltweiten Kobalts, das für Lithium-Ionen-Batterien unverzichtbar ist. Gleichzeitig gehört das Land zu den ärmsten der Welt und ist seit Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten geprägt, vor allem im Osten. Die Rebellengruppe M23/AFC, die nach Regierungsangaben von Ruanda unterstützt wird, sowie die IS-affiliierte ADF begehen dort schwere Menschenrechtsverletzungen. Das Norwegian Refugee Council listete die DRK seit zehn Jahren als vergessene Krise; rund 18 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, knapp die Hälfte wird laut UN-Angaben nicht erreicht.
- 75 % — Anteil der DR Kongo an der globalen Kobaltproduktion (Quelle: US Geological Survey)
- 5,2 Tonnen — Direktimporte von Kobalt aus der DRK nach Deutschland im Jahr 2016 laut Statistischem Bundesamt; 2017 rund 1 Tonne, danach keine Direktimporte mehr
- 18 Millionen — Menschen in der DRK, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, davon fast die Hälfte ohne Versorgung
- Ab August 2027 — EU-Batterieverordnung tritt für größere Unternehmen in Kraft und verpflichtet zur Rückverfolgbarkeit von Kobalt, Nickel, Grafit und Lithium
- ca. 5 % — jährliches BIP-Wachstum der DRK trotz anhaltender Armut und instabiler Lage
Im Detail
Die Menschenrechtslage ist insbesondere im vom jahrzehntelangen Konflikt betroffenen Osten des Landes kritisch.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8310, S. 2
Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) steckt in den Batterien von Elektrofahrzeugen und Smartphones weltweit. Rund 75 Prozent der globalen Kobaltproduktion stammen aus dem zentralafrikanischen Land — doch der Abbau ist mit Kinderarbeit, unsicheren Arbeitsbedingungen und bewaffneten Konflikten verbunden. Die Bundesregierung hat nun auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7832) geantwortet und dabei ihren Kenntnisstand zur politischen und menschenrechtlichen Lage in der DRK offengelegt (BT-Drs. 21/8310, Antwort vom 1. Oktober 2026).
Kobalt-Lieferketten: Was die Bundesregierung weiß
Laut Statistischem Bundesamt importierte Deutschland 2016 rund 5,2 Tonnen und 2017 etwa eine Tonne Kobalt direkt aus der DRK. Für die Folgejahre sind nach Angaben der Bundesregierung keine Direktimporte verzeichnet. Über Importe über Drittstaaten — etwa über China, wo ein Großteil der Weiterverarbeitung stattfindet — liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Deutschen Unternehmen, die direkt am Kobaltabbau oder der Verarbeitung vor Ort beteiligt sind, sind der Bundesregierung nicht bekannt. Systematische Lieferkettendaten fehlen bislang. Ab August 2027 greift die EU-Batterieverordnung: Größere Unternehmen, die Batterien in Verkehr bringen, müssen dann Sorgfaltspflichten erfüllen und die Herkunft von Kobalt, Nickel, Grafit und Lithium rückverfolgbar machen.
Menschenrechtslage im Kongo: Kritische Bilanz
Die Bundesregierung bewertet die Menschenrechtslage — insbesondere im Osten der DRK — als kritisch. Diverse Konfliktparteien begehen dort sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder, setzen Kindersoldaten ein und greifen Zivilbevölkerung an. Die Rebellengruppe M23/AFC, nach Regierungsangaben von Ruanda unterstützt, schränkt politische und zivilgesellschaftliche Freiheiten in den von ihr besetzten Gebieten erheblich ein. Die IS-affiliierte Terrorgruppe ADF (Allied Democratic Forces) breitet sich ebenfalls aus und begeht schwerste Menschenrechtsverletzungen. Staatliche Institutionen sind kaum präsent, weshalb Täter selten zur Verantwortung gezogen werden. Rund 18 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen; fast die Hälfte wird derzeit nicht erreicht.
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Lars Castellucci, reiste vom 26. April bis 2. Mai 2026 in die DRK. Er traf Vertreterinnen und Vertreter der kongolesischen Regierung, der Vereinten Nationen, humanitärer Organisationen sowie Binnenvertriebene und von Gewalt betroffene Menschen im Osten des Landes. Die Reise bestätigte laut Bundesregierung die schwierige Lage: Binnenvertriebene sind teilweise wiederholt von Vertreibung betroffen, und sexuelle Gewalt wird als Kriegswaffe eingesetzt. Auch Rohstoffabbau, Schmuggel und Arbeitsbedingungen waren Gesprächsthema, unter anderem mit Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern.
China-Dominanz bei Kobalt als strategisches Risiko
Während ein Großteil der weltweiten Kobaltförderung aus der DRK stammt, konzentriert sich die Weiterverarbeitung erheblich auf China. Die Bundesregierung bewertet diese Abhängigkeit als Risiko für die wirtschaftliche Sicherheit Deutschlands und der EU. Sie verfolgt daher einen De-Risking-Ansatz: Bestehende kritische Abhängigkeiten sollen verringert, neue vermieden und Lieferketten diversifiziert werden. Fragen der Rohstoffversorgung und chinesischer Exportbeschränkungen werden laut Bundesregierung regelmäßig sowohl bilateral als auch im europäischen Kontext gegenüber der chinesischen Regierung thematisiert. Die EU-Konfliktmineralien-Verordnung (EU) 2017/821, die Sorgfaltspflichten für Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold vorsieht, hält die Bundesregierung für ausreichend — eine Erweiterung auf Kobalt lehnt sie ab. Auch Projekte zur Verlagerung der gesamten Kobalt-Wertschöpfungskette in die DRK unterstützt die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht. Für Details zur Entwicklungszusammenarbeit seit 2020 verweist sie pauschal auf das BMZ-Transparenzportal, ohne eigene Zahlen zu nennen.
Zur Frage, ob koloniale Verbrechen in Gesprächen mit Belgien thematisiert werden, beruft sich die Bundesregierung auf die Vertraulichkeit diplomatischer Gespräche. Das Strafverfahren gegen den zwischenzeitlich verstorbenen belgischen Diplomaten Étienne Davignon wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an der Ermordung Patrice Lumumbas ist ihr bekannt; das Verfahren wurde nicht abgeschlossen. Weiterführende Schlussfolgerungen für den Umgang mit deutschen Kolonialverbrechen zieht die Bundesregierung in ihrer Antwort nicht.
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Unmittelbar betroffen sind die rund 112 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der DR Kongo — insbesondere Binnenvertriebene, Frauen und Kinder im Osten des Landes, die Opfer sexualisierter Gewalt und unsicherer Arbeitsbedingungen im Bergbau werden. Mittelbar betroffen sind auch Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland und Europa, deren Elektrogeräte und Elektrofahrzeuge auf Kobalt aus der Region angewiesen sind, sowie Unternehmen, die ab August 2027 unter die neue EU-Batterieverordnung fallen.
Bei Frage 8 zu Entwicklungszusammenarbeit verweist die Bundesregierung pauschal auf das BMZ-Transparenzportal, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Zu Frage 18 über koloniale Verbrechen in deutsch-belgischen Gesprächen beruft sie sich auf die Vertraulichkeit der Gespräche. Bei Frage 7 fehlen konkrete Terminangaben zu Gesprächen über Menschenrechtsverletzungen im Bergbau.
Die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7832) ist mit der vorliegenden Antwort des Auswärtigen Amts vom 1. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8310) abgeschlossen. Ein weiteres parlamentarisches Verfahren ist nicht vorgesehen. Offene Punkte — etwa konkrete Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit oder Details zu Gesprächen über Kolonialverbrechen — könnten Gegenstand weiterer parlamentarischer Anfragen werden.
- Artisanaler Kleinbergbau
- Informeller, meist handwerklicher Rohstoffabbau durch Einzelpersonen oder kleine Gruppen ohne industrielle Ausrüstung — in der DRK häufig mit Kinderarbeit und unsicheren Bedingungen verbunden.
- De-Risking
- Strategie zur Verringerung kritischer wirtschaftlicher Abhängigkeiten, etwa von einzelnen Lieferländern für Rohstoffe, ohne vollständige Abkopplung.
- EU-Konfliktmineralien-Verordnung
- EU-Verordnung (2017/821), die Sorgfaltspflichten für Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konfliktgebieten festlegt. Kobalt ist nicht einbezogen.
Wie viel Kobalt importiert Deutschland aus dem Kongo?
Laut Statistischem Bundesamt importierte Deutschland 2016 rund 5,2 Tonnen und 2017 etwa eine Tonne Kobalt direkt aus der DR Kongo. Für die Folgejahre sind keine Direktimporte verzeichnet.
Sind deutsche Unternehmen am Kobaltabbau im Kongo beteiligt?
Der Bundesregierung sind keine deutschen Unternehmen bekannt, die am Abbau und der Verarbeitung von Kobalt in der DR Kongo beteiligt sind. Systematische Lieferkettendaten liegen ihr nicht vor.
Was gilt ab August 2027 für Kobalt-Lieferketten?
Die EU-Batterieverordnung verpflichtet ab August 2027 größere Unternehmen, die Batterien in Verkehr bringen, zur Einhaltung von Sorgfaltspflichten — inklusive Rückverfolgbarkeit des Kobalt-Ursprungslandes.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8310 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































