- Lesestart 1-2-3 läuft Ende 2026 aus – Fortführung beantragt
- Seit 2011 wurden 43,8 Mio. Euro in das Programm investiert
- Nur 60 % der 15-Jährigen erreichen Mindestlesekompetenz laut UNICEF
Hintergrund
Das Programm „Lesestart 1-2-3“ wird seit 2011 von der Stiftung Lesen mit Unterstützung des Bundesbildungsministeriums umgesetzt. Es erreicht Familien über zwei Kanäle: über U6- und U7-Vorsorgeuntersuchungen in rund 6.000 Kinderarztpraxen sowie über rund 5.500 Bibliotheken, die jährlich etwa 750.000 Lesestartsets an Dreijährige ausgeben. Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ stellt anhaltend starke herkunftsbedingte Ungleichheiten fest, die sich bereits vor dem Schulbesuch entwickeln. Die UNICEF-Studie 2026 weist aus, dass Kinder aus benachteiligten Familien nur zu 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen erreichen, gegenüber 90 Prozent bei bildungsnahen Familien.
- 43,8 Mio. Euro — Gesamtförderung des Programms „Lesestart 1-2-3“ seit 2011
- 750.000 Sets/Jahr — Umfang der Lesestartsets, die 2025 über rund 5.500 Bibliotheken und 6.000 Arztpraxen verteilt wurden
- 60 % — Anteil der Fünfzehnjährigen, die laut UNICEF-Studie 2026 die Mindestkompetenz in Lesen und Mathematik erreichen
- 46 % vs. 90 % — Grundlegende Kompetenzen bei Kindern aus benachteiligten gegenüber bildungsnahen Familien (UNICEF 2026)
- 3,8 Mio. Euro — Förderung des Programms im Jahr 2025
Im Detail
„Wir sehen gerade bei bildungsfernen Familien, dass das Buch, das wir verteilen, häufig das erste Buch des Kindes ist.“
— Berliner Kinderarzt, zitiert in: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2026, S. 10 – wiedergegeben in BT-Drs. 21/8561
Frühkindliche Sprachförderung steht im Mittelpunkt eines Antrags der AfD-Fraktion, der am 13. Oktober 2026 als BT-Drs. 21/8561 in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde. Die Fraktion fordert die Bundesregierung auf, das Leseförderprogramm „Lesestart 1-2-3“ ab dem 1. Januar 2027 für mindestens fünf weitere Jahre fortzuführen – oder ein gleichwertiges Nachfolgeprogramm aufzulegen. Hintergrund ist die Entscheidung von Bundesbildungsministerin Prien, das Programm zum Ende des Jahres 2026 auslaufen zu lassen.
Was ist Lesestart 1-2-3?
Das Programm „Lesestart 1-2-3“ verteilt seit 2011 Buchgeschenke und mehrsprachige Broschüren zum Vorlesen in sogenannten Lesestarttaschen. Die Ausgabe erfolgt über zwei Kanäle: Eltern erhalten die Materialien während der U6- und U7-Vorsorgeuntersuchungen in rund 6.000 Kinderarztpraxen sowie über rund 5.500 Bibliotheken, die mit Sets für Dreijährige ausgestattet werden. Im Jahr 2025 wurden auf diesem Weg insgesamt 750.000 Lesestartsets verteilt. Seit dem Start im Jahr 2011 hat der Bund insgesamt 43,8 Millionen Euro in das Programm investiert; 2024 betrug die Jahresförderung 4,1 Millionen Euro, 2025 waren es 3,8 Millionen Euro.
Warum ist Lesestart 1-2-3 bildungspolitisch relevant?
Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ stellt anhaltend starke herkunftsbedingte Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem fest, die sich bereits vor dem Schulbesuch entwickeln. Besonders deutlich zeigt sich das in einer aktuellen UNICEF-Studie: Demnach erreichen nur 60 Prozent der Fünfzehnjährigen die Mindestkompetenz in Lesen und Mathematik. Im Gesamtvergleich akademischer und sozialer Kompetenzen liegt Deutschland auf Platz 34 von 41 untersuchten Ländern. Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien erreichen nur zu 46 Prozent grundlegende Kompetenzen – bei Kindern aus bildungsnahen Haushalten sind es 90 Prozent. Laut Antrag sind Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund in der Kindertagesbetreuung und frühen Förderung unterrepräsentiert; der frühe Erwerb der deutschen Sprache sei für den Bildungserfolg ausschlaggebend.
Was gilt aktuell?
Das Programm läuft auf Grundlage der bisherigen Bundesförderung noch bis zum 31. Dezember 2026. Eine Nachfolgefinanzierung ist nach dem Beschluss von Bundesministerin Prien bislang nicht vorgesehen. Fachverbände, darunter der Deutsche Bibliotheksverband und Vertreter der Kinder- und Jugendärzte, kritisieren das geplante Auslaufen und fordern eine Verstetigung, um die etablierten Strukturen zwischen Kinderärzten, Bibliotheken und Familien zu erhalten. Der Antrag verweist darauf, dass die Bundesregierung sich im Koalitionsvertrag zur Stärkung frühkindlicher Bildung verpflichtet hat.
Die AfD-Fraktion fordert in ihrem Antrag konkret, die bestehende Ausgabestruktur beizubehalten und jährlich mindestens 750.000 Sets auszugeben. Mehrsprachige Elternmaterialien sollen ausgebaut werden, mit klarem Schwerpunkt auf dem deutschen Spracherwerb. Kommunen sollen dabei unterstützt werden, Bibliotheken insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Räumen als Programmpartner zu stärken. Außerdem soll bis zum 31. Dezember 2029 eine unabhängige wissenschaftliche Evaluation vorgelegt werden, die Wirkungen auf das Vorleseverhalten und sprachliche Frühförderindikatoren differenziert nach Soziallage und Migrationshintergrund untersucht; ein Zwischenbericht soll bereits bis Ende 2028 vorliegen.
Der Vorlesemonitor 2024 der Stiftung Lesen zeigt laut Antragsbegründung, dass regelmäßiges Vorlesen die sprachliche Entwicklung von Kindern fördert, den Zugang zum eigenen Lesen erleichtert und die Grundlage für schulischen Erfolg in den meisten Fächern legt. Zugleich stärke Vorlesen die sozio-emotionalen Kompetenzen und steigere langfristige Bildungschancen. Für Debatten zur strukturellen Stärkung von Bildung und Wirtschaft sowie zu bildungsbezogenen Integrationsthemen bildet diese Diskussion einen wichtigen Referenzpunkt.
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Direkt betroffen sind Eltern und Kinder im Alter von einem bis drei Jahren, die Lesestartmaterialien über Kinderarztpraxen und Bibliotheken erhalten. Besonders ins Gewicht fällt das Programm für Familien mit Migrationshintergrund und sozioökonomisch benachteiligte Haushalte, die laut Drucksache in der frühkindlichen Betreuung und Förderung unterrepräsentiert sind. Mittelbar betroffen sind auch rund 5.500 Bibliotheken und 6.000 Arztpraxen, die als Programmpartner fungieren.
Der Antrag (BT-Drs. 21/8561) wurde am 13. Oktober 2026 eingebracht und wird zunächst an die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Nach Abschluss der Ausschussberatungen folgt die Abstimmung im Plenum des Deutschen Bundestages. Das Programm läuft laut Antrag zum 31. Dezember 2026 aus; eine Entscheidung über eine Fortführung ab dem 1. Januar 2027 steht noch aus.
- U6/U7-Vorsorgeuntersuchung
- Gesetzlich vorgesehene Früherkennungsuntersuchungen für Kinder im Alter von etwa 10–12 Monaten (U6) und 21–24 Monaten (U7), bei denen im Rahmen von Lesestart Buchgeschenke verteilt werden.
- Stiftung Lesen
- Gemeinnützige Stiftung, die im Auftrag des Bundesbildungsministeriums das Programm Lesestart 1-2-3 koordiniert und umsetzt.
- Lesesozialisation
- Prozess, durch den Kinder in frühen Lebensjahren an Bücher, Sprache und Vorlesen herangeführt werden und so die Grundlage für spätere Lesekompetenz gelegt wird.
Was ist das Programm Lesestart 1-2-3?
Lesestart 1-2-3 ist ein seit 2011 laufendes Bundesförderprogramm, das Eltern von Kindern zwischen einem und drei Jahren Bücher und mehrsprachige Vorlesematerialien über Kinderarztpraxen (U6/U7) und Bibliotheken kostenlos zur Verfügung stellt.
Wie viel Geld fließt in das Programm?
Seit 2011 wurden insgesamt 43,8 Millionen Euro in das Programm investiert. Im Jahr 2024 betrug die Förderung 4,1 Millionen Euro, 2025 waren es 3,8 Millionen Euro.
Warum soll das Programm auslaufen?
Laut Drucksache hat Bundesministerin Prien entschieden, das Programm zum Ende des Jahres 2026 auslaufen zu lassen. Eine nähere Begründung nennt die Drucksache nicht; die AfD-Fraktion bezeichnet dies als widersprüchlich gegenüber dem Koalitionsvertrag.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8561 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































