- Erhöhte Verteidigungsausgaben steigern BIP nur moderat um bis zu 0,9 Prozent
- Rüstungsindustrie stark in westdeutschen Bundesländern konzentriert
- Ostdeutschland profitiert kaum von steigenden Rüstungsausgaben
Wirtschaftliche Folgen höherer Verteidigungsausgaben in Deutschland
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Analyse (WD 5 – 3000 – 089/26, Stand: September 2026) untersucht, welche Auswirkungen die deutlich gestiegenen öffentlichen Verteidigungsausgaben auf die Wirtschaftsleistung in Deutschland haben könnten. Hintergrund ist die seit März 2025 geltende sogenannte Bereichsausnahme, die Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von der Schuldenbremse ausnimmt. Infolge internationaler NATO-Verpflichtungen und des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine steigt die NATO-Quote Deutschlands von 2,4 Prozent des BIP im Jahr 2025 auf rund 2,7 Prozent im Jahr 2026 und soll bis 2030 weiter anwachsen.
Moderate Wachstumseffekte für Deutschland insgesamt
Die im Dokument ausgewerteten Studien kommen zu unterschiedlichen, insgesamt aber eher verhaltenen Einschätzungen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass das preisbereinigte BIP in den Jahren 2026 und 2027 um rund 0,7 beziehungsweise 0,9 Prozent höher ausfallen dürfte als ohne den Anstieg der Verteidigungsausgaben. Der Fiskalmultiplikator – also der BIP-Effekt je zusätzlich ausgegebenem Euro – wird dabei auf etwas über 1 geschätzt. Längerfristig könnten höhere Wirkungen eintreten, wenn Rüstungsausgaben technologische Innovationen anstoßen, etwa in der Luft- und Raumfahrt oder der IT-Branche.
Krebs und Kaczmarczyk (2025) hingegen schätzen den kurzfristigen Fiskalmultiplikator für Militärausgaben auf höchstens 0,5, möglicherweise sogar auf null. Als Begründung nennen sie die bereits stark ausgelasteten Kapazitäten der deutschen Rüstungsindustrie sowie intransparente Vergabepraktiken und geringe Wettbewerbsintensität im Sektor. Zusätzliche staatliche Mittel dürften demnach vor allem Preise und Gewinne der Rüstungsunternehmen steigern, nicht aber die gesamtwirtschaftliche Produktion. Zum Vergleich: Für öffentliche Infrastrukturinvestitionen wird ein Multiplikator von 2, für Investitionen in Kitas und Schulen sogar von 3 angesetzt.
Eine im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie (Bonaiuti et al., 2023) errechnete für den Zeitraum 2013–2023 einen Multiplikator von 1,23 für Rüstungsausgaben in Deutschland. Verglichen mit Ausgaben für Umwelt, Bildung oder Gesundheit erzielen Militärausgaben jedoch geringere Produktions- und Beschäftigungseffekte, auch weil ein vergleichsweise hoher Importanteil anfällt.
Ostdeutschland profitiert kaum
Für Ostdeutschland zeichnen die ausgewerteten Quellen ein ernüchterndes Bild. Die Bundesregierung erklärte im August 2026, dass keine belastbaren regionalisierten Daten oder Prognosen zur Entwicklung der Verteidigungsindustrie in Ostdeutschland vorlägen. Das IW stellt fest, dass fast 78 Prozent der offenen Stellen im deutschen Rüstungsbereich auf Niedersachsen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg entfallen; einschließlich Saarland und Schleswig-Holstein sogar 90 Prozent. Das ifo Institut Dresden kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der geplanten Rüstungsausgaben vornehmlich in den westdeutschen Bundesländern wirksam werden dürfte.
Einzelne neue Rüstungsstandorte in Ostdeutschland – etwa in Görlitz, Leipzig oder Wismar – sind zwar entstanden, ändern aber am Gesamtbild wenig. Der Wissenschaftliche Dienst weist abschließend darauf hin, dass das primäre Ziel erhöhter Verteidigungsausgaben die äußere Sicherheit ist; begrenzte wirtschaftliche Impulse sprächen daher nicht grundsätzlich gegen eine Stärkung der Bundeswehr.
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