- 13.253 Grundwassermessstellen für WRRL-Überwachung in Deutschland erfasst
- Anfang September 2026 weisen GRUVO-Vorhersagen für nahezu alle Regionen niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände aus
- 62,5 Prozent des deutschen Trinkwassers stammen aus Grundwasser
Hintergrund
Grundwasser deckt 62,5 Prozent der deutschen Trinkwasserversorgung. Die Drucksache wurde vor dem Hintergrund der anhaltenden Trockenperioden seit 2018 und zunehmender Nutzungskonkurrenzen zwischen Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Industrie gestellt. Die vierte WRRL-Bestandsaufnahme wird erst 2027 veröffentlicht, weshalb aktuelle Zustandsdaten auf dem Stand von 2021 basieren. Seit April 2024 steht mit GRUVO erstmals ein bundesweites amtliches Portal für Grundwasserstand-Vorhersagen bereit; im Sommer 2026 folgte das Niedrigwasserinformationssystem NIWIS der Bundesanstalt für Gewässerkunde.
- 13.253 — Grundwassermessstellen, die Deutschland für die WRRL-Berichterstattung an die EU nutzt (Stand 2021/2026)
- 62 von 1.291 — Grundwasserkörper verfehlen den guten mengenmäßigen Zustand (4,8 Prozent), vor allem durch Salzwasserintrusionen und Bergbaufolgen
- 3,33 Mrd. m³ — Grundwasserentnahme für die öffentliche Trinkwasserversorgung im Jahr 2022
- 126 Liter — durchschnittlicher Pro-Kopf-Wasserverbrauch pro Tag im Jahr 2022 (1991: 144 Liter)
- 21 Mio. Euro — Fördersumme der BMFTR-Maßnahme LURCH zur nachhaltigen Grundwasserbewirtschaftung
Im Detail
Anfang September 2026 weisen die bundesweiten Vorhersagen, u. a. das GRUVO-Portal der BGR für nahezu alle Regionen niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände aus.
— BT-Drs. 21/8449, Antwort zu Frage 8/8a
Deutschlands Grundwasser steht unter wachsendem Druck. Anfang September 2026 weisen die bundesweiten Vorhersagen des GRUVO-Portals der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) für nahezu alle Regionen niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände aus — ein alarmierendes Signal für die wichtigste Trinkwasserquelle des Landes. Im Jahr 2022 stammten rund 3,33 Milliarden Kubikmeter und damit 62,5 Prozent der gesamten öffentlichen Wasserversorgung aus Grundwasser.
Grundwasser-Messnetz: 13.253 WRRL-Messstellen bundesweit
Die Bundesregierung hat am 7. Oktober 2026 die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7646) beantwortet. Die umfangreiche Drucksache 21/8449 dokumentiert erstmals detailliert den Umfang des deutschen Grundwassermessnetzes: Für die Berichterstattung nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) werden bundesweit 13.253 Messstellen genutzt, davon 7.915 für die chemische und 8.226 für die mengenmäßige Überwachung. Der öffentlich bekannte Gesamtbestand liegt laut dem Portal umwelt.info mit rund 97.000 Messstellen deutlich höher — dieser schließt allerdings auch Messstellen aus Forschung, Privatwirtschaft und Kommunen ohne einheitlichen fachlichen Kontext ein.
Das Messnetz ist föderalistisch organisiert: Auswahl, Verteilung und Eignungsprüfung der Messstellen obliegen den Bundesländern. Der Bund arbeitet für Berichtszwecke ausschließlich mit Daten aktiver Messstellen. Das EUA-Grundwassermessnetz umfasst 1.206, das EU-Nitratmessnetz 678 Messstellen (Stand 2026). Das AVV-Ausweisungsmessnetz für Nitratgebiete umfasst 8.937 Messstellen.
Grundwasserzustand: Mehrheit gut, aber Trockenheit noch nicht bewertet
Von 1.291 Grundwasserkörpern in Deutschland verfehlen aktuell 62 den guten mengenmäßigen Zustand (4,8 Prozent). Die Bundesregierung weist jedoch darauf hin, dass die extremen Trockenjahre 2018 bis 2020 in der letzten offiziellen Bewertung noch nicht vollständig abgebildet sind. Die nächste WRRL-Bestandsaufnahme wird erst 2027 veröffentlicht. Die Bundesregierung erwartet, dass die Auswirkungen des Klimawandels dann deutlicher sichtbar werden.
Laut der UBA-Studie WADKlim war die Grundwasserneubildung in der Dekade 2011 bis 2020 in vielen Regionen unterdurchschnittlich. Das niederschlagsreiche Winterhalbjahr 2023/2024 brachte zwar kurzfristige Erholung, war jedoch nicht nachhaltig. Die Jahre 2025 und 2026 waren erneut durch geringe Niederschläge geprägt. Besonders gefährdet sind laut WADKlim der Oberrheingraben, das Rhein-Main-Gebiet, das mitteldeutsche und Lausitzer Revier, weite Teile Brandenburgs sowie küstennahe Regionen Mecklenburg-Vorpommerns.
Was gilt aktuell? GRUVO und NIWIS als neue Informationssysteme
Vor dem Start des GRUVO-Portals im April 2024 gab es kein bundesweites amtliches System, das Grundwasserstände nach einheitlicher Methodik auswertete und vorhersagte. GRUVO basiert auf 120 Referenzmessstellen und über 4.200 Clustermessstellen und erstellt Prognosen bis zum Jahr 2100 auf Basis dreier Klimaszenarien (RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5). Im Sommer 2026 kam das Niedrigwasserinformationssystem NIWIS der Bundesanstalt für Gewässerkunde hinzu, das Messdaten ab 1991 flächendeckend und methodisch einheitlich bündelt.
Die Bundesregierung fördert darüber hinaus Forschungsprojekte zur Verbesserung der Datenlage: Das Projekt MENTOR zur Machine-Learning-basierten Grundwasserstandsvorhersage (BGR, KIT) läuft bis August 2027 mit rund 630.000 Euro Sachmitteln. Die BMFTR-Fördermaßnahme LURCH zur nachhaltigen Grundwasserbewirtschaftung hat ein Volumen von rund 21 Millionen Euro.
Nitrat, PFAS und neue EU-Regelungen
Der chemische Zustand der Grundwasserkörper ist regional sehr unterschiedlich. Nitratbelastungen sind in Teilen Deutschlands ein bekanntes Problem — rechtsverbindliche „Rote Gebiete“ existieren derzeit nicht, da die bisherige Rechtsgrundlage weggefallen ist. Für PFAS, Arzneimittelrückstände und Mikroplastik fehlten bislang EU-Qualitätsnormen im Grundwasser. Die EU-WRRL-Novelle vom 30. März 2026 (Richtlinie EU 2026/805) legt erstmals Qualitätsziele für diese Stoffe fest, die in künftigen Zustandsbewertungen Anwendung finden werden. Eine entsprechende WHG-Änderung und Bundesverordnung befinden sich noch im Gesetzgebungsprozess.
Der Wasserverbrauch pro Kopf ist langfristig gesunken: 2022 verbrauchte jede Person täglich 126 Liter — 18 Liter weniger als 1991. Regional variiert der Verbrauch erheblich: In NRW, Bayern und Niedersachsen sind es rund 135 Liter täglich, in Thüringen und Sachsen nur 96 Liter. Die landwirtschaftliche Bewässerung hat seit 2010 deutlich zugenommen und hat sich mengenmäßig mehr als verdoppelt — ein Trend, der sich bei steigenden Temperaturen weiter verstärken wird, wie mehrere vom Bund geförderte Forschungsprojekte zeigen.
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Alle Haushalte in Deutschland sind als Trinkwassernutzer betroffen, besonders in Regionen mit strukturellen Wasserknappheiten wie Brandenburg, dem Rhein-Main-Gebiet und dem mitteldeutschen Revier. Landwirte, insbesondere in Niedersachsen (47 % der bewässerbaren Flächen), benötigen zunehmend mehr Bewässerungswasser. Gemeinden und Wasserversorger stehen vor steigenden Investitionsbedarfen zur Klimaanpassung ihrer Infrastruktur.
Die Bundesregierung beantwortet die Kernfragen zu Messstellenzahlen und Zustandsbewertungen vollständig. Bei Detailfragen zu Zeitreihenqualität, Messstellenmängeln und regionalen Entnahmebeschränkungen verweist sie regelmäßig auf Länderzuständigkeiten und kündigt noch ausstehende Bestandsaufnahmen für 2027 an. Zu PFAS-Einträgen aus Windenergieanlagen erklärt sie, keine Informationen zu haben.
Die Anfrage ist beantwortet. Die vierte WRRL-Bestandsaufnahme wird 2027 veröffentlicht und wird aktuellere Daten zum Zustand der Grundwasserkörper liefern. Ein bundesweites Grundwasser-Echtzeitentnahmemonitoring soll laut Nationaler Wasserstrategie ab 2027 entwickelt werden. Die geplante WHG-Änderung zur Wasserwiederverwendung befindet sich noch im Gesetzgebungsprozess.
- WRRL (Wasserrahmenrichtlinie)
- EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000, die Bewirtschaftungsziele für Gewässer in Europa festlegt und regelmäßige Bestandsaufnahmen und Zustandsbewertungen vorschreibt.
- Grundwasserkörper
- Bewertungs- und Berichtseinheit der WRRL: ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter; Deutschland hat 1.291 solcher Körper.
- PFAS
- Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen — persistente Industriechemikalien, die im Grundwasser nachgewiesen werden und erst durch die EU-WRRL-Novelle 2026 neue Qualitätsziele erhalten haben.
Wie viele Grundwassermessstellen gibt es in Deutschland?
Für die WRRL-Berichterstattung nutzt der Bund 13.253 Messstellen; öffentlich bekannt sind laut umwelt.info rund 97.000 Messstellen insgesamt, wobei Zweck und Datenqualität stark variieren.
Wie viel des deutschen Trinkwassers stammt aus Grundwasser?
Im Jahr 2022 wurden rund 3,33 Milliarden Kubikmeter Grundwasser für die öffentliche Wasserversorgung entnommen, das entspricht 62,5 Prozent der gesamten öffentlichen Wassergewinnung.
Sind die Grundwasserstände in Deutschland aktuell niedrig?
Laut GRUVO-Portal der BGR weisen Anfang September 2026 nahezu alle Regionen niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände auf. Die Trockenjahre 2018–2020 sowie erneut 2025/2026 haben zu einem deutlichen Rückgang geführt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8449 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































