- LNG-Preise in Deutschland bis +162 Prozent gestiegen
- 4,6 Mio. Tonnen Rohöl aus Golfstaaten importiert (2025)
- Bundesregierung hat keine Daten zu Branchenbelastungen
Hintergrund
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und ist eine der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten weltweit. Vor dem Konflikt liefen über sie rund 20 Prozent der globalen Öl- und LNG-Transporte. Seit Ausbruch des Konflikts ist die Durchfahrt erheblich eingeschränkt; nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am 25. August 2026 nur noch fünf Warenschiffe die Meerenge, gegenüber einem Zehn-Tage-Durchschnitt von 15 Schiffen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie übermittelte die Antwort am 8. Oktober 2026.
- +50 Prozent — Preissteigerung bei Rohöl seit Beginn des Konflikts laut Bundesregierung.
- bis +100 Prozent — Preissteigerung bei Diesel und Kerosin seit Beginn des Konflikts.
- bis +162 Prozent — Preissteigerung bei Gas und LNG seit Beginn des Konflikts.
- 4,6 Mio. Tonnen — Rohölimporte Deutschlands aus den Golfstaaten im Jahr 2025 (von 84,7 Mio. Tonnen gesamt).
- 7 Prozent — Anteil katarischen LNG an der europäischen LNG-Versorgung im Jahr 2025.
Im Detail
Seit Beginn des Konflikts sind die Preise für die genannten Energieträger deutlich gestiegen. Dabei fallen die Preissteigerungen für Diesel und Kerosin (z. T. +100 Prozent) deutlicher aus als für Rohöl (+50 Prozent) und für Gas/Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas oder LNG; z. T. +162 Prozent).
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8478, Frage 1
Diesel bis zu 100 Prozent teurer, LNG sogar bis zu 162 Prozent: Die Blockade der Straße von Hormus schlägt sich spürbar in den deutschen Energiepreisen nieder. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/8478) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion vom 8. Oktober 2026 hervor. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bestätigt erhebliche Preissteigerungen bei allen wesentlichen Energieträgern, verweist jedoch bei mehreren konkreten Folgefragen auf fehlende Daten oder die unternehmerische Eigenverantwortung.
Straße von Hormus: Preisschock bei Energie
Seit dem Beginn des Konflikts im Persischen Golf ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus massiv eingeschränkt. Laut Bundesregierung sind die Rohölpreise um rund 50 Prozent gestiegen, während Diesel und Kerosin mit bis zu 100 Prozent besonders stark zugelegt haben. Den stärksten Anstieg verzeichnet Flüssigerdgas (LNG): Hier beträgt die Preissteigerung nach Angaben der Bundesregierung bis zu 162 Prozent. Neben der Entwicklung im Persischen Golf spielen dabei auch weitere geopolitische Faktoren eine Rolle. Für detaillierte Preisentwicklungen verweist die Bundesregierung auf öffentlich zugängliche Marktdaten, etwa von Trading Economics oder der IATA.
Deutsche LNG-Versorgung: Kein direkter Ausfall aus Katar
Eine häufig diskutierte Sorge betrifft die LNG-Versorgung aus Katar. Die Bundesregierung stellt klar, dass Deutschland keine direkten LNG-Lieferungen aus Katar bezieht — direkte Versorgungsausfälle gab es daher nicht. Allerdings lieferte Katar 2025 rund 7 Prozent des in Europa verbrauchten LNG; indirekte Markteffekte über den europäischen Gasmarkt sind daher nicht ausgeschlossen. Wie stark ausgefallene katarische LNG-Lieferungen an andere europäische Terminals die deutsche Versorgung beeinflussen, lässt sich nach Angaben der Bundesregierung nicht nachvollziehen.
Bei Rohöl sieht die Lage anders aus: Im Jahr 2025 importierte Deutschland 4,6 Millionen Tonnen Rohöl aus den Golfstaaten — bei Gesamtimporten von 84,7 Millionen Tonnen entspricht das einem Anteil von rund 5,4 Prozent. Dabei stammen die Lieferungen aus dem Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten voraussichtlich aus Transporten über die Straße von Hormus, während Saudi-Arabien größtenteils über die Ost-West-Pipeline und das Rote Meer liefert.
Was gilt aktuell bei der Gasspeicherbefüllung?
Die Befüllung der deutschen Gasspeicher vor dem Winter 2026/2027 ist nach Einschätzung der Bundesregierung nicht direkt durch die Schließung der Meerenge gefährdet, da Erdgaslieferungen aus der Golfregion nach Europa generell gering sind. Indirekt beeinflusst die angespannte Lage jedoch die Preisstruktur auf dem internationalen Gasmarkt: Ein niedriger Sommer-/Winter-Spread mindert den wirtschaftlichen Anreiz für Gasspeicherunternehmen, Erdgas einzuspeichern. Die Speicherbefüllung liegt grundsätzlich in der Verantwortung der Gasversorger; die Bundesregierung überwacht lediglich, ob die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt.
Datenlücken bei Branchenbelastungen und Transportkosten
Zu den wirtschaftlichen Folgen für einzelne Branchen — etwa die chemische Industrie, die Automobilindustrie oder energieintensive Mittelständler — liegen der Bundesregierung keine konkreten Schadenssummen vor. Individuelle Betriebsstrukturen, Absicherungsgeschäfte und Vertragsdetails seien Geschäftsgeheimnisse. Ebenso erhebt die Bundesregierung keine Daten zu Frachtraten, Versicherungsprämien oder Kriegsrisikozuschlägen, da diese dem freien Markt unterliegen. Die Frage nach den Folgen einer erneuten vollständigen Schließung der Straße von Hormus beantwortet die Bundesregierung grundsätzlich nicht, da sie hypothetischer Natur sei.
Für Szenarien zu längerfristigen Energiepreisentwicklungen verweist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auf die Frühjahrsprojektion vom 22. April 2026 sowie auf Veröffentlichungen von Sachverständigenrat, Bundesbank, EZB, OECD und IWF. Als Gegenmaßnahmen nennt die Bundesregierung den weiteren Ausbau der LNG-Infrastruktur, die Diversifizierung der Bezugsquellen sowie diplomatisches Engagement auf EU-, G7- und IMO-Ebene für freie Schifffahrtswege. Die nationalen Erdölreserven nach dem Erdölbevorratungsgesetz werden laut Bundesregierung kontinuierlich vorgehalten und können bei Bedarf freigegeben werden. Über vergleichbare Risiken bei der Schifffahrt berichtete drucksachlich.de bereits in einem früheren Beitrag zu Schiffsunfällen auf Bundeswasserstraßen; die geopolitische Dimension der Energieversorgungssicherheit ist eng mit den im Beitrag zu den Zuständen in anderen europäischen Ländern diskutierten Fragen verknüpft.
Weiterlesen:
- Plastikmüll-Monitoring: Lücken bei Nord- und Ostsee
- Schriftliche Fragen KW40/2026: 227 Antworten der Bundesregierung
Unmittelbar betroffen sind Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, der chemischen Industrie, der Grundstoffproduktion sowie der Logistik- und Transportbranche, die auf günstige Energie- und Rohstoffimporte aus der Golfregion angewiesen sind. Mittelbar spüren Verbraucher die Preissteigerungen bei Kraftstoffen und Heizenergie.
Die Bundesregierung weicht bei mehreren Fragen aus: Zu Frachtraten, Versicherungsprämien und Kriegsrisikozuschlägen (Frage 5) verweist sie auf marktbasierte Preisbildung und erhebt keine Betriebsdaten. Die Frage nach Folgen einer erneuten vollständigen Schließung (Frage 14) lehnt sie als hypothetisch grundsätzlich ab. Zu Ersatzbeschaffungsmengen (Fragen 9/10) verweist sie auf unternehmerische Eigenverantwortung.
Die Anfrage ist mit der Antwort der Bundesregierung vom 8. Oktober 2026 abgeschlossen. Ein weiterer parlamentarischer Verfahrensschritt ist nicht vorgesehen; die Fraktionen können die Antworten in Debatten oder Folgeanfragen aufgreifen.
- LNG (Liquefied Natural Gas)
- Flüssigerdgas, das durch Abkühlung auf minus 162 Grad Celsius verflüssigt wird, um es per Schiff transportieren zu können.
- Sommer-/Winter-Spread
- Preisunterschied zwischen Sommer- und Wintergaspreisen; ein niedriger Spread mindert den finanziellen Anreiz für Gasspeicherunternehmen, Erdgas im Sommer einzuspeichern.
- ARA-Raum
- Das Hafendreieck Antwerpen-Rotterdam-Amsterdam, über das ein Großteil der europäischen Kraftstoffimporte abgewickelt wird.
Bezieht Deutschland LNG direkt aus Katar?
Nein. Laut Bundesregierung erhält Deutschland keine direkten LNG-Lieferungen aus Katar, weshalb es auch keine direkten Ausfälle gab. Katarisches LNG macht jedoch rund 7 Prozent der europäischen LNG-Versorgung aus.
Wie viel Rohöl kam 2025 aus den Golfstaaten?
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland 2025 insgesamt 4,6 Millionen Tonnen Rohöl aus den Golfstaaten, bei Gesamtimporten von 84,7 Millionen Tonnen.
Sind die deutschen Gasspeicher durch den Konflikt gefährdet?
Laut Bundesregierung gibt es keine direkten Auswirkungen auf die Gasspeicherbefüllung, da Erdgaslieferungen aus der Golfregion nach Europa gering sind. Indirekte Effekte entstehen aber über veränderte Preisstrukturen auf dem internationalen Gasmarkt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8478 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































