Würdigung eines Richters der Finanzgerichtsbarkeit: Wolfgang Spindler zum 80. Geburtstag
Der Bundesfinanzhof (BFH) würdigt am 30. März 2026 seinen ehemaligen Präsidenten Dr. h.c. Wolfgang Spindler, der seinen 80. Geburtstag vollendet. Die Pressemitteilung dokumentiert eine bemerkenswerte Karriere im deutschen Steuerrecht und hebt die grundsätzliche Bedeutung der Finanzgerichtsbarkeit als Kontrollinstanz hervor.
Karriere und institutionelle Bedeutung
Spindler begann seine berufliche Laufbahn 1975 in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalens, wechselte zum Finanzgericht Düsseldorf und wurde 1991 zum Richter am Bundesfinanzhof ernannt. Von 2005 bis 2011 leitete er das höchste deutsche Gericht im Bereich der Steuergerichtsbarkeit als Präsident. Seine Amtszeit war geprägt durch das Engagement für den Steuerrechtsschutz der Bürgerinnen und Bürger sowie die Stärkung der Stellung der Finanzgerichtsbarkeit als bindende Interpretin der Steuergesetze.
Diese Ausrichtung betrifft unmittelbar die Anwendung zahlreicher bundesgesetzlicher Regelungen, insbesondere der Abgabenordnung (AO), des Einkommensteuergesetzes (EStG) und des Körperschaftsteuergesetzes (KStG). Der BFH trägt durch seine Rechtsprechung wesentlich dazu bei, wie diese Gesetze in der Praxis umgesetzt werden.
Praktische Bedeutung für Bürgerinnen und Bürger
Die Stärkung der Finanzgerichtsbarkeit, die Spindler anstrebte, hat unmittelbare Auswirkungen auf den Rechtsschutz von Steuerzahlern. Durch unabhängige Gerichte und eine eigenständige Auslegung des Steuerrechts können Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sich gegen fehlerhafte Steuerfeststellungen wehren. Die Finanzgerichtsbarkeit fungiert damit als wichtiges Korrektiv gegenüber der Finanzverwaltung und schützt vor Willkürlichkeit.
Besonders relevant ist dabei die Kontrollinstanzfunktion: Richter prüfen, ob Finanzbehörden Gesetze korrekt angewendet haben und ob sie die Grenzen ihrer Ermessensspielräume einhalten. Dies ist fundamental für einen Rechtsstaat, in dem auch gegenüber Staatsgewalt Rechtsschutz gewährleistet sein muss.
Wissenschaftliche und gesellschaftliche Anerkennung
Die Ehrung Spindlers durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena (Ehrendoktorwürde 2004) und die Festschrift „Steuerrecht im Rechtstaat“ unterstreichen seinen wissenschaftlichen Einfluss. Nach seinem Ausscheiden vom BFH leitete er zudem für fünf Jahre die Abschlussprüferaufsichtskommission und trug damit zur Beaufsichtigung der Wirtschaftsprüfer in Deutschland bei.
Perspektive für die Steuergerichtsbarkeit
Spindlers Amtszeit fällt in eine Phase, in der die Digitalisierung und Komplexität des Steuerrechts kontinuierlich wuchsen. Die Bedeutung unabhängiger Finanzgerichte, die Spindler betonte, bleibt für zukünftige steuergesetzliche Regelungen grundsätzlich relevant. Ein gestärkter Rechtsschutz in Steuersachen trägt zur Akzeptanz von Steuerlastverteilung in der Gesellschaft bei.

































































