- 21,3 % der Frauen ab 65 Jahren gelten laut Paritätischem Armutsbericht als arm
- 79 % der Einkommen Älterer in Ostdeutschland stammen allein aus der gesetzlichen Rente
- Bundesregierung soll 19 Datenfragen zu Altersarmut in Sachsen beantworten
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7114 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Altersarmut ist in Deutschland ein wachsendes politisches Problem. Laut dem Paritätischen Armutsbericht stieg die Zahl der Armutsbetroffenen im Jahr 2025 auf über 13,3 Millionen Menschen. Für Sachsen und Ostdeutschland ist die Abhängigkeit von der gesetzlichen Rente besonders ausgeprägt: Laut Alterssicherungsbericht 2024 stammen dort 79 Prozent der Einkommen der über 65-Jährigen aus der GRV. Rentenkommissions-Vorschläge wie eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung oder die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte stehen im Raum — Maßnahmen, die nach Einschätzung der Fragesteller die Situation weiter verschärfen könnten.
- 13,3 Millionen — Menschen in Deutschland waren laut Paritätischem Armutsbericht 2025 von Armut betroffen.
- 21,3 % — Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren laut Paritätischem Armutsbericht.
- 17,3 % — Armutsquote von Männern ab 65 Jahren; beide Quoten entsprechen etwa jeder fünften Person ab 65.
- 79 % — Anteil der GRV-Leistungen an allen Einkommen der über 65-Jährigen in Ostdeutschland (Alterssicherungsbericht 2024, Tabelle BC.1).
- 19 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Renten, Grundsicherung und Altersarmut in Sachsen und Deutschland.
Im Detail
Der Anteil der GRV-Leistungen an allen Einkommen der über 65‑Jährigen lag hier laut Alterssicherungsbericht 2024 bei 79 Prozent.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7114
Etwa jede fünfte Person ab 65 Jahren in Deutschland lebt in Einkommensarmut — bei Frauen liegt die Armutsquote laut Paritätischem Armutsbericht 2025 bei 21,3 Prozent, bei Männern bei 17,3 Prozent. In Sachsen und Ostdeutschland ist die Lage besonders angespannt: Laut Alterssicherungsbericht 2024 stammen 79 Prozent der Einkommen der über 65-Jährigen in den neuen Bundesländern allein aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Rund drei Viertel der ostdeutschen Rentenbeziehenden haben keine betriebliche oder private Altersvorsorge als zweite Einkommenssäule.
Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion Die Linke am 13. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7114 eingereicht. Darin richtet sie 19 detaillierte Fragen zur Altersarmut in Sachsen an die Bundesregierung — mit der ausdrücklichen Bitte um vollständige Beantwortung ohne Verweis auf andere Drucksachen.
Altersarmut in Sachsen: Was die Kleine Anfrage konkret erfragt
Die Fragen decken das gesamte Spektrum der Rentensituation älterer Menschen ab. Die Fraktion fragt unter anderem nach der Entwicklung des Verhältnisses von Pflichtversicherten zu Rentenbeziehenden in Sachsen in den vergangenen zehn Jahren, nach der durchschnittlichen Rentenhöhe wegen Alters, Erwerbsminderung und Tod — jeweils für 2015 und 2025 sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
Ein besonderes Augenmerk legt die Anfrage auf langjährig Versicherte: Die Linke fragt, wie viele Rentnerinnen und Rentner trotz mindestens 40 oder 45 Versicherungsjahren eine Nettorente unterhalb von 1.446 Euro beziehen — dem Schwellenwert, der als relevant für die Grundsicherungsnähe gilt. Auch die Entwicklung der Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen und die Riester-Nutzung in Sachsen werden abgefragt.
Grundsicherung und Wohngeld im Fokus
Mehrere Fragen betreffen die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII: Die Fraktion fragt nach der Fallzahlentwicklung der vergangenen zehn Jahre, jeweils absolut und im Verhältnis zur Bevölkerungsgruppe — für Sachsen und im Ost-West-Vergleich, aufgeschlüsselt nach Geschlecht. Ebenso wird erfragt, wie viele ältere Menschen in Sachsen Wohngeld bezogen haben und welcher Anteil der ab 65-Jährigen ausschließlich auf GRV-Leistungen angewiesen ist.
Zudem fragt Die Linke nach der Erwerbstätigkeit älterer Menschen: Wie viele der 60- bis 65-Jährigen in Sachsen und Deutschland gehen ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach — ein Indikator für fehlende Absicherung kurz vor dem Rentenalter?
Was gilt aktuell?
Die gesetzliche Rente bleibt für die große Mehrheit der Ostdeutschen die einzige Einkommensquelle im Alter. Reformvorschläge der Rentenkommission — etwa eine Anhebung des Renteneintrittsalters entsprechend der steigenden Lebenserwartung oder die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte — sind derzeit politisch diskutiert, aber noch nicht beschlossen. Parallel dazu sieht die Fraktion Die Linke in Haushaltskürzungen bei Rente und Wohngeld ein zusätzliches Risiko für Altersarmut. Diese Einschätzung teilt aus Sicht der Fragesteller auch der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, der in seinem Armutsbericht 2026 konkreten Handlungsbedarf anmahnt.
Die abschließende Frage 19 der Anfrage richtet sich direkt an die Bundesregierung: Sieht sie ein überdurchschnittliches Armutsgefährdungsrisiko in Sachsen — und wenn ja, mit welchen Maßnahmen will sie Altersarmut dort konkret reduzieren? Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Die gesetzliche Antwortfrist läuft bis zum 3. August 2026.
Das Thema Altersarmut ist eng verknüpft mit der breiteren Diskussion über die finanzielle Absicherung im Alter. Ähnliche Fragen nach Datentransparenz und staatlichen Maßnahmen stellen sich auch beim Kampf gegen Steuerbetrug, der die Finanzierungsgrundlage sozialer Sicherungssysteme berührt.
Weiterlesen:
- Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen
- Mehr Konsequenz im Kampf gegen Steuerbetrug
- Begriff erklärt: Schriftliche Kleine Anfrage
Betroffen sind vor allem Rentnerinnen und Rentner in Sachsen und Ostdeutschland, insbesondere ältere Frauen, die mit einer Armutsquote von 21,3 Prozent überdurchschnittlich häufig in Einkommensarmut leben. Rund drei Viertel der ostdeutschen Rentenbeziehenden verfügen über keine weiteren Alterssicherungsschichten außer der gesetzlichen Rente.
Die Linke: Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen →
"Der Vorschlag der Rentenkommission ist ein Rezept für Altersarmut. Es sind gerade die hart arbeitenden Menschen mit zu geringer Entlohnung, die es nicht bis zur Rente schaffen. Um die, die heute oft schon mit Abschlägen in Frührente gehen, weil sie einfach nicht mehr können. Und für diese Menschen, die in… …
"Das ist keine Rentenreform, das ist ein Rentenkürzungsprogramm. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll künftig länger schuften, weniger Rente bekommen und darauf hoffen, dass die Börse gute Laune hat. Besonders dreist ist der Angriff auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Da reden wir über Menschen, die morgens um… …
Die Kleine Anfrage wurde am 13. Juli 2026 (BT-Drs. 21/7114) eingereicht. Die gesetzliche Antwortfrist für die Bundesregierung beträgt 21 Tage und läuft bis zum 3. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als separate Drucksache veröffentlicht.
- GRV
- Gesetzliche Rentenversicherung — das umlagefinanzierte Pflichtrentensystem in Deutschland, aus dem die meisten Arbeitnehmer ihre Altersrente beziehen.
- Armutsgefährdungsquote
- Anteil der Bevölkerung, deren Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) liegt; gilt als statistisches Maß für Einkommensarmut.
- Grundsicherung im Alter
- Steuerfinanzierte Sozialleistung für Menschen ab Rentenalter, deren Rente nicht zur Deckung des Existenzminimums ausreicht.
Wie hoch ist die Armutsquote bei älteren Frauen in Deutschland?
Laut dem Paritätischen Armutsbericht, auf den sich die Anfrage bezieht, liegt die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent — bei Männern derselben Altersgruppe bei 17,3 Prozent.
Warum ist Ostdeutschland besonders von Altersarmut bedroht?
Laut Alterssicherungsbericht 2024 stammen 79 Prozent der Einkommen Älterer in Ostdeutschland allein aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Rund drei Viertel der Rentner dort beziehen ausschließlich GRV-Leistungen ohne weitere Zusatzvorsorge.
Was fragt Die Linke die Bundesregierung konkret?
Die Fraktion stellt 19 Fragen zu Rentenhöhen, Grundsicherungsfällen, Armutsgefährdungsquoten, Wohngeld, Riester-Rente und Beschäftigung älterer Menschen — jeweils für Sachsen und im Ost-West-Vergleich, aufgeschlüsselt nach Geschlecht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7114 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































