- Selbstversorgungsgrad bei Fisch sank 2025 auf nur 17,3 Prozent
- 349 Aquakulturbetriebe weniger seit 2020, Produktion um 6,3 % zurück
- Deutschland importiert rund 90 % seines Fisch- und Meeresfrüchtebedarfs
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7713 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Statistische Bundesamt meldete im Juni 2026, dass die Fischerzeugung in deutschen Aquakulturbetrieben im Jahr 2025 auf rund 16.600 Tonnen sank — ein Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2020 gaben 349 Betriebe auf, und die Produktionsmenge liegt rund 6,3 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Landwirtschaftliche Rentenbank veröffentlichte am 7. Mai 2026 gemeinsam mit der Unternehmensberatung Hatch Blue eine Studie, die erhebliches ungenutztes Potenzial für die deutsche Aquakultur diagnostiziert und unter anderem einheitliche Genehmigungsverfahren, zinsgünstige Darlehen sowie bessere Verknüpfung von Forschung und Wirtschaft empfiehlt.
- 16.600 Tonnen — Fischerzeugung deutscher Aquakulturbetriebe im Jahr 2025, laut Statistischem Bundesamt.
- −1,2 % / −200 Tonnen — Rückgang der Erzeugung gegenüber dem Vorjahr 2024.
- −6,3 % / −1.100 Tonnen — Rückgang der Produktionsmenge gegenüber dem Fünfjahresdurchschnitt seit 2020.
- −349 Betriebe — Zahl der Aquakulturbetriebe ist seit 2020 um 349 gesunken.
- 17,3 % — Selbstversorgungsgrad bei Fisch im Jahr 2025, gesunken um 3,4 Prozentpunkte gegenüber 2024.
Im Detail
Deutschland importiert rund 90 Prozent seines Bedarfs an Fisch und Meeresfrüchten, obwohl das Land zu den größten Verbrauchern dieser Erzeugnisse in Europa zählt.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7713, unter Verweis auf Rentenbank-Studie
Deutschland zählt zu den größten Fischkonsumenten in Europa — und erzeugt dennoch nur einen Bruchteil seines Bedarfs selbst. Im Jahr 2025 lag der Selbstversorgungsgrad bei Fisch bei gerade einmal 17,3 Prozent, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in seiner Versorgungsbilanz ausweist. Rund 90 Prozent des Fisch- und Meeresfrüchtebedarfs werden importiert. Vor diesem Hintergrund hat die AfD-Fraktion am 25. August 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7713 eingereicht und die Bundesregierung mit 17 Einzelfragen zur Lage und Strategie der deutschen Aquakultur konfrontiert.
Aquakultur in Deutschland: anhaltender Abwärtstrend
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeichnen ein klares Bild: Die Fischerzeugung in deutschen Aquakulturbetrieben sank im Jahr 2025 auf rund 16.600 Tonnen — ein Minus von 1,2 Prozent oder 200 Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Verglichen mit dem Fünfjahresdurchschnitt ab 2020 beträgt der Rückgang sogar rund 1.100 Tonnen oder 6,3 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe seit 2020 um 349 zurückgegangen. Der Selbstversorgungsgrad bei Fisch sank allein von 2024 auf 2025 um 3,4 Prozentpunkte.
Was gilt aktuell?
Aquakultur ist in Deutschland Ländersache. Genehmigungsverfahren für Fischzuchtanlagen unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich, was nach Einschätzung von Branchenvertretern und Studienautoren zu langen Planungszeiten und Investitionsunsicherheit führt. Eine bundeseinheitliche Regelung existiert nicht. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD aus dem Jahr 2025 findet sich auf Seite 40 das Ziel, Binnenfischerei und Teichwirtschaft zu unterstützen — konkrete Gesetzesvorhaben oder Förderprogramme sind bislang öffentlich nicht bekannt.
Rentenbank-Studie diagnostiziert ungenutztes Potenzial
Am 7. Mai 2026 stellte die Landwirtschaftliche Rentenbank in Frankfurt eine Studie vor, die die Unternehmensberatung Hatch Blue im Auftrag der Förderbank erarbeitet hat. Dem Titel „Die blaue Zukunft gestalten: Deutschlands Rolle in der europäischen Aquakultur-Technologie“ zufolge verfügt Deutschland über eine starke Forschungslandschaft und technologische Expertise, die bislang nicht ausreichend genutzt wird. Als Haupthindernisse für den Ausbau des Sektors nennt die Studie hohe Energiekosten, komplexe Regulierung und Fachkräftemangel. Die Empfehlungen umfassen zinsgünstige Darlehen, staatlich abgesicherte Garantien, einheitliche Genehmigungsverfahren sowie eine bessere Vernetzung von Hochschulen und Privatwirtschaft. Ob und wie die Bundesregierung diese Empfehlungen aufgreift, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage.
17 Fragen an die Bundesregierung
Die Anfrage deckt ein breites Themenspektrum ab. Die Fragesteller wollen unter anderem wissen, ob der Bundesregierung aktuelle Quartalsdaten zur Betriebszahl vorliegen, welche Maßnahmen sie zur Standardisierung von Genehmigungsverfahren plant und wie sie den hohen Energiekostennachteil gegenüber europäischen Konkurrenten abfedern will. Darüber hinaus fragen sie nach Qualifizierungsprogrammen für Fachkräfte, möglichen Förderfonds für Aquakultur-Start-ups sowie nach der strategischen Bedeutung der Aquakultur für die nationale Ernährungsstrategie. Eine Frage gilt der Nutzung von Abwärme aus Biogasanlagen als Kostensenkungshebel für Kreislaufanlagen.
Weitere Fragen betreffen den Wissenstransfer von Universitäten in marktreife Unternehmen sowie die Frage, ob die Bundesregierung den Selbstversorgungsgrad durch mehr Inlandsanlandungen und Binnenfischerei gezielt anheben will. Die Antwort der Bundesregierung auf diese Fragen ist noch nicht veröffentlicht.
Der parlamentarische Hintergrund ist nicht neu: Bereits die Drucksachenlage vom 26. August 2026 zeigt, dass Fragen rund um Ernährungssicherheit und Regulierungsdichte politisch an Fahrt gewinnen. Thematisch verwandt ist auch die Debatte um Bürokratieabbau in anderen Branchen, etwa bei der EnWG-Reform 2026 zu Netzanschlüssen für Erneuerbare, die zeigt, wie komplex einheitliche bundesweite Regelungen in föderalen Strukturen sind.
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Betroffen sind in erster Linie die verbleibenden deutschen Aquakulturbetriebe — Teichwirte, Betreiber von Kreislaufanlagen und Binnenfischer —, die unter Kostendruck und bürokratischen Hürden leiden. Mittelbar betroffen sind Verbraucherinnen und Verbraucher, die bei einer weiteren Abschwächung der Inlandsproduktion noch stärker von Importen aus dem Ausland abhängen würden.
Die Kleine Anfrage wurde am 25. August 2026 als BT-Drs. 21/7713 eingereicht. Die Bundesregierung muss grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt antworten. Sobald die Antwort vorliegt, wird sie als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Aquakultur
- Kontrollierte Aufzucht von Fischen, Schalentieren oder Algen in Becken, Teichen oder Netzkäfigen — zu unterscheiden von der Fischerei in freien Gewässern.
- Selbstversorgungsgrad
- Anteil der im Inland erzeugten Menge an einem Lebensmittel am gesamten inländischen Verbrauch, ausgedrückt in Prozent.
- Kreislaufanlage
- Geschlossenes Aquakultursystem, in dem Wasser aufbereitet und wiederverwendet wird — ressourcensparend und standortunabhängig.
Wie viel Fisch wird in Deutschland selbst erzeugt?
Laut Statistischem Bundesamt haben Aquakulturbetriebe in Deutschland im Jahr 2025 rund 16.600 Tonnen Fisch erzeugt. Der Selbstversorgungsgrad lag bei 17,3 Prozent.
Warum schrumpft die deutsche Aquakultur?
Laut einer Rentenbank-Studie bremsen vor allem hohe Energiekosten, komplexe Genehmigungsverfahren und Fachkräftemangel den Sektor. Seit 2020 haben 349 Betriebe aufgegeben.
Was steht im Koalitionsvertrag zur Fischerei?
CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2025 das Ziel festgehalten, Binnenfischerei und Teichwirtschaft zu unterstützen. Konkrete Maßnahmen nennt die Anfrage nicht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7713 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































