- Brandenburg novelliert Schutzverordnung für Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
- 70 Prozent Ökolandbau im Gebiet könnten durch Leitbild-Streichung gefährdet sein
- 13 Fragen an die Bundesregierung zum UNESCO-Status und Naturschutz
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7702 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg gehört zu den ältesten Biosphärenreservaten Deutschlands und ist Teil des internationalen Programms ‚Der Mensch und die Biosphäre‘ (Man and the Biosphere, MAB). Das Land Brandenburg arbeitet derzeit an einer Novellierung der Schutzverordnung, die noch aus der DDR-Zeit stammt. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sieht in möglichen Schutzabsenkungen dieser Novelle eine Gefahr für den UNESCO-Status des Reservats und richtet daher die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7702 vom 24. August 2026 an die Bundesregierung.
Im Detail
Dieser besondere Status und die anstehende Novelle dürfen sich dabei nicht widersprechen, sonst ist zu befürchten, dass mit der Novellierung der Verordnung der UNESCO-Status des Biosphärenreservats verloren geht.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7702
Das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg steht im Mittelpunkt einer parlamentarischen Debatte über den Schutzstatus deutscher Biosphärenreservate. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 24. August 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7702 eingereicht und darin 13 Fragen an die Bundesregierung gestellt — ausgelöst durch die laufende Novellierung der Biosphärenreservatsverordnung durch das Land Brandenburg.
Was gilt aktuell?
Die bestehende Schutzverordnung für Schorfheide-Chorin stammt noch aus DDR-Zeiten. Sie verankert verbindliche Gebote und Verbote sowie ein ökologisches Leitbild für die Landnutzung. Nach Angaben der Fragesteller hat dieses Leitbild dazu beigetragen, dass im Biosphärenreservat heute 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden und die Feldvogelpopulation gewachsen ist. Das Reservat ist Teil des UNESCO-Programms Man and the Biosphere (MAB) und unterliegt damit internationalen Anforderungen an Schutzstandards, nachhaltige Nutzung und wissenschaftliche Begleitung.
Biosphärenreservate: Welche Risiken sehen die Fragesteller?
Die Grünen-Fraktion formuliert in der Vorbemerkung zur Kleinen Anfrage ihre Sorge, dass eine mögliche Absenkung von Schutzstandards im Zuge der Novellierung mit den Anforderungen der UNESCO an Biosphärenreservate unvereinbar sein könnte. Konkret thematisiert die Anfrage mehrere mögliche Änderungen: die Erleichterung von Bauvorhaben im Außenbereich bis zu 300 Meter von Siedlungsrändern ohne naturschutzfachliche Prüfung, die Streichung oder Einschränkung des ökologischen Landnutzungs-Leitbilds sowie die mögliche Herabstufung bisher verbindlicher Gebote und Verbote zu bloßen Entwicklungszielen. Hinzu kommt die Frage, ob ein Vorkaufsrecht für gemeinnützige Stiftungen auf Flächen in Naturschutzgebieten abgeschafft werden soll.
Aus Sicht der Fraktion könnten diese Änderungen eine außerplanmäßige Zwischenevaluierung durch das deutsche MAB-Nationalkomitee beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) auslösen — und im schlimmsten Fall die Aberkennung des UNESCO-Status zur Folge haben.
Fragen zu Verfahren, Personal und Wirtschaft
Über das konkrete Beispiel Schorfheide-Chorin hinaus erkundigt sich die Anfrage nach dem Gesamtbild: Wann fanden die letzten regulären Reviews der deutschen Biosphärenreservate statt und mit welchem Ergebnis? Sieht die Bundesregierung bei einem weiteren deutschen Biosphärenreservat ein Risiko für den Verlust des UNESCO-Status? Hat die Bundesregierung als Vertragspartner mit der UNESCO von der Brandenburger Novellierung überhaupt Kenntnis? Auch die personelle Ausstattung der MAB-Geschäftsstelle beim BfN sowie mögliche Stellenänderungen dort stehen auf der Frageliste.
Wirtschaftlich relevant ist die Frage nach den regional- und volkswirtschaftlichen Effekten der deutschen Biosphärenreservate sowie nach einer möglichen Bewertung der volkswirtschaftlichen Folgen eines UNESCO-Statusverlusts für Schorfheide-Chorin. Biosphärenreservate sind anerkannte Marken für nachhaltigen Tourismus und regionale Vermarktung — ein Statusverlust könnte diese Standortvorteile dauerhaft beschädigen.
Bundesregierung muss Stellung nehmen
Die Bundesregierung ist als Vertragspartner der UNESCO in einer besonderen Rolle: Schutzgebiete werden zwar auf Länderebene verwaltet, doch die internationale Verantwortung gegenüber der UNESCO liegt beim Bund. Die Kleine Anfrage zielt darauf ab, diese Schnittstelle zu beleuchten — und zu klären, ob und wie der Bund bei drohenden Statusverlusten eingreifen kann oder will. Eine Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Vergleichbare Fragen zu Naturschutzförderung und staatlichen Programmen behandelt auch der Beitrag zu Demokratie leben! im Ilm-Kreis: Förderung seit 2015.
Die vollständige Kleine Anfrage umfasst 13 Einzelfragen und wurde von den Abgeordneten Michael Kellner, Harald Ebner, Lisa Badum, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Dr. Andrea Lübcke und Julia Schneider sowie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unterzeichnet. Die Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann zeichnen die Anfrage ebenfalls mit.
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Betroffen sind die Bevölkerung und Kommunen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sowie touristische Betriebe und landwirtschaftliche Erzeuger der Region, die von der UNESCO-Anerkennung profitieren. Mittelbar sind auch alle übrigen deutschen Biosphärenreservate betroffen, da die Anfrage grundsätzliche Fragen zum bundesweiten Schutzsystem stellt.
Die Kleine Anfrage wurde am 24. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt sieht § 104 der Geschäftsordnung des Bundestages grundsätzlich eine Antwortfrist von 14 Tagen vor. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
- MAB-Programm
- Das UNESCO-Programm 'Man and the Biosphere' (Mensch und Biosphäre) wurde 1971 gegründet und dient der Ausweisung und Betreuung von Biosphärenreservaten weltweit. In Deutschland koordiniert das MAB-Nationalkomitee beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Umsetzung.
- Biosphärenreservat
- Von der UNESCO anerkanntes Großschutzgebiet, das Naturschutz, nachhaltige Nutzung und wissenschaftliche Forschung verbinden soll. Der Status kann nach periodischen Reviews aberkannt werden, wenn die Anforderungen nicht mehr erfüllt werden.
- Vorkaufsrecht
- Das Vorkaufsrecht ermöglicht es bestimmten Trägern — etwa gemeinnützigen Stiftungen — beim Verkauf von Grundstücken in Schutzgebieten bevorzugt als Käufer einzutreten, um Naturschutzflächen zu sichern.
Was ist ein Biosphärenreservat?
Ein Biosphärenreservat ist ein von der UNESCO anerkanntes Schutzgebiet, das nachhaltige Entwicklung und den Erhalt der Biodiversität miteinander verbinden soll. In Deutschland gibt es mehrere solcher Gebiete, darunter Schorfheide-Chorin in Brandenburg.
Warum könnte Schorfheide-Chorin seinen UNESCO-Status verlieren?
Laut den Fragestellern könnte eine Absenkung der Schutzstandards in der neuen Landesverordnung mit den UNESCO-Anforderungen für Biosphärenreservate unvereinbar sein und eine außerplanmäßige Überprüfung durch das MAB-Nationalkomitee auslösen.
Was ist das MAB-Nationalkomitee?
Das deutsche MAB-Nationalkomitee (Man and the Biosphere) ist das Gremium, das die deutschen Biosphärenreservate im Rahmen des gleichnamigen UNESCO-Programms betreut, evaluiert und gegenüber der UNESCO vertritt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7702 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































