- 100-prozentige Grüngasquote bis 2045 kaum allein durch Biomethan erreichbar
- Steigende Netzentgelte könnten Gasheizungen bis 2045 drastisch verteuern
- Importe und Reststoffe gelten als wahrscheinlichste Lösung für Grüngasbedarf
Flächenbedarf bei 100-prozentiger Grüngasquote bis 2045
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Kurzinformation (WD 5 – 3000 – 086/26, Stand: 3. August 2026) untersucht, welcher Flächenbedarf entstünde, wenn die im Gebäudemodernisierungsgesetz vorgesehene Grüngasquote bis 2045 ausschließlich durch die Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz erreicht werden sollte. Die Analyse ergänzt einen früheren Sachstand zum Flächenbedarf und Biomassepotenzial für die Biomethanerzeugung.
Zentrale Erkenntnisse zur Machbarkeit
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) macht deutlich, dass die benötigte Menge an Grüngas stark von mehreren Faktoren abhängt: dem künftigen Gas- und Ölbedarf in 2045, der konkreten Ausgestaltung der Quote sowie den verfügbaren inländischen und ausländischen Potenzialen. Je nach Sanierungstempo und Heizungsaustausch liegt der Gasbedarf für Wohngebäude im Jahr 2045 zwischen 45 und 151 Terawattstunden (TWh). Derzeit werden in Deutschland rund 12,3 TWh Biomethan erzeugt, überwiegend aus Mais, Gülle und sonstigen nachwachsenden Rohstoffen.
Die dena kommt zu dem Schluss, dass die wahrscheinlichste Lösung eine Kombination aus Biomethanimporten, der Nutzung von Abfall- und Reststoffen sowie der Umrüstung bestehender Biogasanlagen darstellt. Eine nennenswerte Ausweitung des Anbaus von Energiepflanzen im In- oder Ausland sei dabei eher nicht zu erwarten.
Kritische Einschätzung durch Scientists for Future
Die Organisation Scientists for Future warnt, dass eine signifikante Steigerung der Biogasproduktion zwangsläufig mehr Anbaufläche für Energiepflanzen erfordern würde – auf Kosten von Biodiversität und Nahrungsmittelerzeugung. Zudem stehe das EU-Renaturierungsgesetz einer Ausweitung intensiver Landwirtschaft entgegen. Die Nationale Biomassestrategie der Bundesregierung sehe vor, dass Pflanzenanbau in Deutschland bis 2045 ausschließlich stofflich genutzt wird. Scientists for Future schätzen, dass die verfügbaren Flächen maximal 33 Prozent des Gasbedarfs und 5 Prozent des Ölbedarfs decken könnten.
Gasnetz und steigende Kosten für Haushalte
Ein weiterer Schwerpunkt der Analyse betrifft die Zukunft der Gasverteilernetze. Da mit einem sinkenden Erdgasverbrauch zu rechnen ist, müssen Netzentgelte auf immer weniger Kunden umgelegt werden. Eine Kurzstudie des Fraunhofer IFAM prognostiziert stark steigende Netzentgelte bis 2045: Für einen typischen Drei-Personen-Haushalt könnten die jährlichen Mehrkosten allein durch steigende Netzentgelte bis zu 3.000 bis 4.000 Euro erreichen. Ein Gesetzentwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes sieht Verteilernetzentwicklungspläne vor, die als Grundlage für Umnutzung, Umwidmung oder Stilllegung von Gasnetzteilen dienen sollen.
Die Analyse verdeutlicht, dass eine vollständige Deckung des Gasbedarfs durch inländisches Biomethan aus Anbaubiomasse nicht realistisch ist und dass Haushalte mit Gasheizung künftig mit erheblichen Kostensteigerungen rechnen müssen.


































































