Am 30. August 2026 standen im Bundestag Infrastruktur, Transparenz und soziale
Versorgung im Mittelpunkt des parlamentarischen Geschehens. Insgesamt 13 neue
Drucksachen wurden veröffentlicht, darunter mehrere noch unbeantwortete Kleine
Anfragen sowie Antworten der Bundesregierung zu sensiblen Sicherheits- und
Verkehrsthemen. Auffällig häufig verweist die Regierung auf Verschlusssachen
oder fehlende Statistiken.
Die Linke
Die Linke legte heute drei Anfragen vor, die sich mit Infrastruktur und
Gesundheitsversorgung befassen:
-
Schienennetz Ostdeutschland (Drs. 21/7722): Die Fraktion
fragt nach den Folgen von rund 2.600 Kilometern stillgelegter Bahnstrecken
seit der Wiedervereinigung. Die Anfrage ist noch nicht beantwortet. -
Weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland
(Drs. 21/7720): Mit 35 Einzelfragen thematisiert die Fraktion die Lage von
geschätzt 123.000 betroffenen Frauen in Deutschland. Auch diese Anfrage
wartet auf eine Antwort der Bundesregierung. -
Krankenhausschließungen in Bayern (Drs. 21/7631): Die
Antwort der Bundesregierung zeigt, dass die Zahl der Krankenhäuser in Bayern
von 364 (2014) auf 347 (2024) gesunken ist. Fast ein Fünftel der Bevölkerung
wohnt mehr als 40 Minuten von einer Abtreibungseinrichtung entfernt; seit
2023 fließen jährlich 120 Millionen Euro in den Erhalt von
Geburtshilfe-Standorten.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen richteten ihren Fokus auf Transparenz, Mietrecht und Bahninfrastruktur:
-
CERAWeek-Lobbygespräche (Drs. 21/7723): Die Fraktion fragt
nach geschwärzten Gesprächsprotokollen rund um die Reise von Ministerin
Reiche zur Energiemesse CERAWeek. Die Anfrage ist noch nicht beantwortet. -
Mietrechtskommission (Drs. 21/7718): Laut Antwort der
Bundesregierung ist der Abschlussbericht der Kommission bis Ende 2026
geplant. Die Mietpreisbremse gilt vorerst bis Ende 2029; Einzelheiten zu
Busgeldern bei Verstössen bleiben vertraulich. -
Dienstwaffen-Verluste (Drs. 21/7633): Die Bundesregierung
bestätigt 30 Disziplinarverfahren in der Bundespolizei wegen Waffenverlusten,
nennt aber keine genauen Verlustzahlen — diese sind als Verschlusssache
eingestuft. -
Generalsanierung Rosenheim–Salzburg (Drs. 21/7715): Die
Strecke wird vom 7. Februar bis 9. Juli 2027 vollgesperrt. 86 Kilometer
Oberleitung weisen Zustandsnote vier oder schlechter auf; der
Schienenersatzverkehr soll mit 70 Dieselbussen und 175 Fahrern organisiert
werden.
AfD
Die AfD stellte mit sechs Drucksachen das breiteste Themenspektrum des Tages
und erhielt zu mehreren Anfragen bereits Antworten:
-
FSK-Jugendschutz bei Kino und Streaming (Drs. 21/7721):
Die Fraktion fragt nach unterschiedlichen Alterseinstufungen desselben Films
je nach Ausspielweg. Noch nicht beantwortet. -
Rentenreform und Nettoersatzquote (Drs. 21/7719): Die
Bundesregierung bestätigt das Ziel einer Nettoersatzquote von 70 Prozent
über alle drei Rentensaulen. Der Koalitionsbeschluss vom 1. Juli 2026 sieht
alle 33 Kommissionsempfehlungen vor; ein Gesetzentwurf soll noch 2026
verabschiedet werden. -
Extremisten-Immobilien (Drs. 21/7632): Das
Bundesamt für Verfassungsschutz fuhrt keine Gesamtstatistik zu diesem
Thema. Linksmotivierte Straftaten stiegen 2025 um gut 35 Prozent; Angaben
zur KfW-Forderung sind als VS-NfD eingestuft. -
Hitze-Sonderkulanz der Bahn (Drs. 21/7716): 617
hitzebedingte Infrastrukturstorungen in sechs Tagen sind dokumentiert.
Storno-Zahlen und Ruckerstattungsvolumen bleiben als Geschaftsgeheimnis
gesperrt. -
Arbeitssicherheit in der Stromerzeugung (Drs. 21/7717):
Fur Planung und Wartung von Energieanlagen weist die BG ETEM 27,7 Unfalle
je 1.000 Vollarbeiter aus; eine Aufschlusselung nach Erzeugungstechnologie
liegt nicht vor. -
Christen in Israel und Palästina (Drs. 21/7634): Fur 2025
sind 155 antichristliche Vorfalle in Israel und Ost-Jerusalem dokumentiert.
2023 wurden 743 Asylantrage aus den Palastinensischen Gebieten gestellt —
ein bisheriger Hochststand.
Ausblick
Parlamentarisch relevant bleiben in den nachsten Wochen vor allem die noch
offenen Kleinen Anfragen zur Bahninfrastruktur in Ostdeutschland, zu
weiblicher Genitalverstummelung und zum FSK-Jugendschutz — die Bundesregierung
muss diese fristgerecht beantworten. Zudem durften die geplante Vollsperrung
der Strec
- Schienennetz Ostdeutschland: 2.600 km stillgelegt seit 1990
Drs. 21/7722 · Vorgang VO338619 - CERAWeek-Reise: Grüne fragen zu geschwärzten Lobbygesprächen
Drs. 21/7723 · Vorgang VO338620 - FGM/C in Deutschland: 123.000 Betroffene, 35 offene Fragen
Drs. 21/7720 · Vorgang VO338617 - Jugendschutz: FSK-Spaltung bei Kino und Streaming
Drs. 21/7721 · Vorgang VO338618 - Nettoersatzquote 70 Prozent: Rentenreform ohne Detailpläne
Drs. 21/7719 · Vorgang VO338158 - Mietrechtskommission: Ergebnisse bis Ende 2026 erwartet
Drs. 21/7718 · Vorgang VO338148 - Extremisten-Immobilien: BfV kann keine Statistik liefern
Drs. 21/7632 · Vorgang VO336867 - Dienstwaffen-Verluste: Kernzahlen bleiben geheim
Drs. 21/7633 · Vorgang VO338084 - Krankenhausschließungen Bayern: Versorgung im ländlichen Raum
Drs. 21/7631 · Vorgang VO337402 - Hitze-Sonderkulanz der Bahn: Kernzahlen als VS-Vertraulich
Drs. 21/7716 · Vorgang VO338086 - Generalsanierung Rosenheim–Salzburg: Vollsperrung 2027
Drs. 21/7715 · Vorgang VO337198 - Arbeitssicherheit Stromerzeugung: BG ETEM-Daten 2021–2025
Drs. 21/7717 · Vorgang VO338169 - Christen in Israel und Palästina: Lage und Asylanträge
Drs. 21/7634 · Vorgang VO337428
































































