- Kein abgestimmtes Konzept für Multi-Domain Task Force in Deutschland
- Ausbau weitreichender Artillerie auf Korps-Ebene bis 2029 geplant
- Bundesregierung verweist bei 15 von 23 Fragen auf fehlende Konzeption
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Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7137 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Multi-Domain Operations (MDO) bezeichnen die vernetzte Kriegführung über mehrere Dimensionen gleichzeitig – Land, Luft, See, Cyber, Weltraum und elektromagnetisches Spektrum. Andere NATO-Verbündete, insbesondere die USA, haben bereits entsprechende Einheiten aufgestellt. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass moderne Streitkräfte ohne robuste Zielaufklärung, Drohnenabwehr, elektronische Kampfführung und geschützte Kommunikation nur eingeschränkt operieren können. Die Bundesregierung verweist für ihre Gesamtplanung auf das Dokument ‚Gesamtkonzeption militärische Verteidigung – Verantwortung für Europa‘.
Im Detail
Innerhalb der Bundesregierung gibt es derzeit kein abgestimmtes Konzept zu einer Multi-Domain Task Force.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7137, S. 2
Ob Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts über eine einsatzbereite Multi-Domain Task Force verfügen wird, ist nach dem Stand der Drucksache 21/7137 offen. Die Bundesregierung hat am 13. Juli 2026 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion geantwortet – und dabei in wesentlichen Punkten offengelegt, dass kein abgestimmtes Konzept für eine solche Einheit existiert.
Was ist eine Multi-Domain Task Force?
Eine Multi-Domain Task Force ist ein militärischer Verband, der Fähigkeiten aus den Dimensionen Land, Luft, See, Cyber- und Informationsraum sowie Weltraum und elektromagnetisches Spektrum vernetzt. Das Ziel ist eine schnelle, interoperable und resiliente Operationsführung. Die USA haben entsprechende Einheiten bereits aufgestellt. In Deutschland bezeichnet die Bundeswehr dieses Konzept als Multi-Domain Operations.
Die AfD-Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzinski und Kurt Kleinschmidt hatten 23 detaillierte Fragen zu Struktur, Zeitplan, Waffensystemen, Fähigkeitslücken und NATO-Interoperabilität einer deutschen Multi-Domain Task Force gestellt. Die Antwort des Bundesministeriums der Verteidigung fällt für weite Teile der Anfrage knapp aus: Bei mindestens 15 der 23 Fragen verweist die Bundesregierung schlicht auf die Kernantwort zu den Fragen 1 bis 4 – und diese lautet: Innerhalb der Bundesregierung gibt es derzeit kein abgestimmtes Konzept zu einer Multi-Domain Task Force.
Was gilt aktuell bei der Bundeswehr?
Für 2029 sieht die Gesamtkonzeption den Ausbau der sogenannten Abstandsfähigkeit vor. Die NATO-Fähigkeitsziele verlangen von Deutschland den Ausbau weitreichender Artilleriefähigkeiten auf der Korps-Ebene. Die Bundesregierung stellt jedoch klar, dass diese geplante Langstrecken-Artilleriebatterie nicht als Kern einer Multi-Domain Task Force zu verstehen sei – womit eine in der Fachöffentlichkeit kursierende Annahme ausdrücklich zurückgewiesen wird.
Zu Frage 9 – ob Defizite bei der Fähigkeit bestehen, Ziele in großer Tiefe verlässlich zu bekämpfen – antwortet die Bundesregierung inhaltlich: Die Fähigkeit zum weitreichenden Wirken sei als Priorität national und im Bündnis erkannt. Die gesamte Wirkkette von Aufklärung bis zur Auswertung des Wirkungserfolges werde betrachtet und skaliert. Konkrete Zahlen oder Zeithorizonte nennt sie dabei nicht.
Industrielle Engpässe und Lieferketten
Auf die Frage nach industriellen Engpässen bei Raketenmotoren, Lenkflugkörpern, Halbleitern und Satellitentechnik antwortet die Bundesregierung auffällig ausweichend: Die Bundeswehr schließe rechtlich bindende Verträge mit der Industrie, die Unternehmen trügen die Verantwortung für ihre Produktionskapazitäten und Lieferketten. Eine eigene Risikoeinschätzung zu möglichen Engpässen bei kritischen Komponenten bleibt die Bundesregierung schuldig.
Ebenso offen bleiben die Fragen nach der Rolle von Waffensystemen wie MARS 3, EuroPULS, GMARS, Typhon, Tomahawk oder hypersonischen Systemen sowie nach dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Führungs- und Zielkette. Auch Struktur, Truppenstärke und Unterstellungsverhältnis einer künftigen Multi-Domain Task Force beantwortet die Bundesregierung nicht – mit Verweis auf das fehlende Konzept.
Multi-Domain Task Force im NATO-Kontext
Der politische Hintergrund der Anfrage ist die wachsende Bedeutung vernetzter Streitkräfteoperationen in Europa, nicht zuletzt durch die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine. Drohnenkriegführung, GPS-Störung, elektronische Kampfführung und Cyberangriffe haben die Anforderungen an moderne Landstreitkräfte grundlegend verändert. Andere NATO-Verbündete haben auf diese Entwicklung reagiert und entsprechende Strukturen aufgebaut. Deutschland befindet sich nach Aussage der eigenen Bundesregierung noch in einem konzeptionellen Vorstadium.
Für Steuerzahler und Bürger, die in einem NATO-Mitgliedsstaat leben, hat dies eine direkte Bedeutung: Deutschlands Verteidigungsbeitrag an der Ostflanke hängt auch davon ab, ob und wann die Bundeswehr solche Fähigkeiten tatsächlich aufbaut. Nähere Informationen zu Rüstungsausgaben und Verteidigungsplanung bieten auch die Beiträge zu Waffenfinanzierung und Bundeswehr-Mängeln sowie zu Milliardenzusagen für die Ukraine auf drucksachlich.de.
Weiterlesen:
- Keine weitere Waffenfinanzierung auf Kosten der deutschen Steuerzahler
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Betroffen ist die Bundeswehr als Institution sowie Deutschland als NATO-Mitglied, das zur kollektiven Verteidigung an der Ostflanke beitragen soll. Mittelbar betrifft die Fähigkeitslücke alle Bürgerinnen und Bürger, die auf ein funktionsfähiges Verteidigungsbündnis angewiesen sind.
Die Bundesregierung weicht bei mindestens 15 der 23 Fragen inhaltlich aus, indem sie pauschal auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 4 verweist, die selbst nur das Fehlen eines abgestimmten Konzepts feststellt. Lediglich zu Fragen 9, 11, 13, 16 und 21 gibt es begrenzte inhaltliche Aussagen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Bundeswehr Multi-Domain Task Force: 23 Fragen zur Aufstellung →
- Multi-Domain Operations (MDO)
- Vernetzte Streitkräfteoperationen über mehrere Dimensionen wie Land, Luft, See, Cyber und Weltraum gleichzeitig.
- Wirkkette
- Die gesamte Prozesskette vom Erkennen eines Ziels über die Freigabe bis zur Wirkung und deren Überprüfung.
- Abstandsfähigkeit
- Die Fähigkeit, Ziele aus großer Entfernung zu bekämpfen, etwa mit weitreichender Artillerie oder Lenkflugkörpern.
Was ist eine Multi-Domain Task Force?
Eine Multi-Domain Task Force ist ein Streitkräfteverband, der Fähigkeiten aus mehreren Dimensionen – Land, Luft, See, Cyber, Weltraum und elektromagnetisches Spektrum – vernetzt und gemeinsam einsetzt.
Plant die Bundeswehr eine solche Einheit?
Laut Bundesregierung gibt es derzeit kein abgestimmtes Konzept. Für 2029 ist allerdings der Ausbau weitreichender Artilleriefähigkeiten auf Korps-Ebene geplant, der aber nicht als Kern einer Multi-Domain Task Force bezeichnet wird.
Was hat die AfD konkret gefragt?
Die AfD-Fraktion hat 23 Fragen zu Struktur, Fähigkeiten, Zeitplan, Waffensystemen, KI-Nutzung, industriellen Kapazitäten und NATO-Interoperabilität einer geplanten deutschen Multi-Domain Task Force gestellt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7137 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































