- Steuereinnahmen stiegen von 224 Mrd. Euro (1985) auf 990 Mrd. Euro (2025)
- Verbrauchsteuern sind mit 39 Prozent größte Steuergruppe, Lohnsteuer macht 26 Prozent aus
- Öffentlicher Schuldenstand wuchs auf 2,6 Billionen Euro bis Ende 2025
Öffentlicher Gesamthaushalt 1985 bis 2025: Steuerfinanzierung im Langzeitvergleich
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages (Fachbereich WD 4: Haushalt und Finanzen) hat eine Analyse des öffentlichen Gesamthaushalts von 1985 bis 2025 vorgelegt, mit besonderem Schwerpunkt auf der Finanzierung durch Steuereinnahmen. Das Dokument vom 16. September 2026 beleuchtet sowohl die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung als auch die Zusammensetzung des Steueraufkommens im Zehnjahresrhythmus.
Methodischer Rahmen und Begriffsdefinition
Grundlage der Darstellung ist das sogenannte Schalenkonzept der amtlichen Finanzstatistik, das seit der Einführung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) gilt. Es erfasst neben den Kernhaushalten von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen auch alle staatlichen Extrahaushalte vollständig. Die Analyse weist darauf hin, dass Daten vor und nach der ESVG-Umstellung 2014 nur eingeschränkt vergleichbar sind, da seither mehr Einheiten dem Staatssektor zugerechnet werden.
Einnahmen, Ausgaben und Schuldenstand im Überblick
Die Gesamteinnahmen des öffentlichen Haushalts stiegen von rund 445 Mrd. Euro (1985) auf etwa 2.081 Mrd. Euro (2025). Parallel dazu wuchsen die Ausgaben von 464 Mrd. auf 2.208 Mrd. Euro. Der Schuldenstand erhöhte sich von 388 Mrd. Euro (1985) auf rund 2,6 Billionen Euro (2025), was einer Pro-Kopf-Verschuldung von knapp 32.000 Euro entspricht. Für 2025 weist die Analyse ein Finanzierungsdefizit von 127,3 Mrd. Euro aus. Den stärksten Schuldenanstieg verzeichnete der Zeitraum 1985 bis 1995, der maßgeblich auf die fiskalischen Folgen der deutschen Einheit zurückgeführt wird.
Steuereinnahmen nach Gebietskörperschaften
Der größte Teil der Steuereinnahmen entfällt auf die Gemeinschaftsteuern nach Art. 106 Abs. 3 Grundgesetz (Lohnsteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer), die von 166 Mrd. Euro (1985) auf 746 Mrd. Euro (2025) anstiegen. Die Gemeindesteuern wuchsen zuletzt besonders dynamisch: Allein von 2015 bis 2025 erhöhten sie sich von 60 auf 95 Mrd. Euro.
Kategorisierung der Steuereinnahmen
Die Analyse ordnet die wichtigsten Steuerarten vier Kategorien zu. Die Lohnsteuer (Faktor Arbeit) machte 1985 noch rund ein Drittel der Steuereinnahmen aus; ihr Anteil sank bis 2025 auf 26 Prozent. Steuern auf unternehmerische Tätigkeit (veranlagte Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer) brachen nach 1985 zunächst stark ein, erreichten 2025 aber wieder rund 19 Prozent. Konsum- und Verbrauchsteuern blieben mit Anteilen zwischen 36 und 46 Prozent durchgehend die bedeutendste Gruppe. Steuern auf Substanz und Vermögen (Erbschaftsteuer, Grunderwerbsteuer, Grundsteuer) spielten mit einem konstant niedrigen Anteil von drei bis vier Prozent eine vergleichsweise geringe Rolle. Die Vermögensteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben.
Insgesamt zeigt die Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes, dass Verbrauchsteuern den öffentlichen Haushalt am stärksten finanzieren, während die Besteuerung von Arbeit relativ an Bedeutung verloren hat und jene unternehmerischer Tätigkeit nach einer langen Schwächephase zuletzt wieder zugelegt hat.
➜ Vollständiges Dokument (PDF)


































































