- 97 Mrd. Euro volkswirtschaftliche Kosten durch Rauchen jährlich in Deutschland
- Tabaksteuer-Mehreinnahmen bis 2030: 4,4 Mrd. Euro pro Jahr erwartet
- Zigarettenkonsum könnte laut FinanzKommission um ein Fünftel sinken
Hintergrund
Die Bundesregierung hat mit einem Gesetzentwurf zur Änderung des Tabaksteuergesetzes eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuern ab 2027 vorgesehen. Zusätzlich hat das Bundesfinanzministerium auf Bitten der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD eine Formulierungshilfe erarbeitet, die über den Regierungsentwurf hinausgehende Steuererhöhungen mit dem Ziel von 750 Millionen Euro Mehreinnahmen jährlich gegenüber dem Entwurf vorsieht. Die Tabaksteuereinnahmen beliefen sich 2025 auf rund 17,46 Milliarden Euro, decken damit aber nach Angaben der Bundesregierung nur einen Teil der gesellschaftlichen Folgekosten des Rauchens von mindestens 97 Milliarden Euro. Die FinanzKommission Gesundheit, eingesetzt vom Bundesgesundheitsministerium, empfiehlt Tabaksteuererhöhungen als wirksamste Einzelmaßnahme zur Reduktion des Tabakkonsums.
- 4,435 Mrd. Euro — Erwartete jährliche Tabaksteuer-Mehreinnahmen im Jahr 2030 laut Formulierungshilfe des BMF (2027: 1,523 Mrd. Euro)
- 97 Mrd. Euro — Gesamtwirtschaftliche Kosten des Rauchens in Deutschland pro Jahr: 30 Mrd. Euro direkte Gesundheitskosten, 67 Mrd. Euro indirekte Kosten
- 17,46 Mrd. Euro — Tatsächliche Tabaksteuereinnahmen im Jahr 2025
- 630 Mio. Euro — Mittelfristig mögliche jährliche GKV-Einsparungen bei einem Rückgang der Raucherprävalenz um 3 Prozentpunkte laut FinanzKommission Gesundheit
- -0,7 — Preiselastizität der Nachfrage für Zigaretten: Steigt der Preis um 10 Prozent, sinkt der Konsum um rund 7 Prozent
Im Detail
Die gesamtwirtschaftlichen Kosten, die auf das Rauchen zurückgehen, belaufen sich in Deutschland jährlich auf mindestens 97 Mrd. Euro.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8482, Antwort zu Frage 14
Tabakkonsum kostet die deutsche Gesellschaft jährlich mindestens 97 Milliarden Euro — und die geplante Tabaksteuererhöhung ab 2027 soll diesen Kosten zumindest fiskalisch entgegenwirken. Die Bundesregierung hat am 9. Oktober 2026 auf 38 Fragen der Grünen-Fraktion geantwortet und dabei erstmals detaillierte Zahlen zu den Berechnungsgrundlagen der Tabaksteuererhöhung offengelegt (BT-Drs. 21/8482).
Tabaksteuererhöhung 2027: Die Zahlen hinter der Reform
Laut dem Bundesministerium der Finanzen erwartet die Bundesregierung durch die sogenannte Formulierungshilfe — eine auf Bitten der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD erarbeitete Ergänzung zum Gesetzentwurf — im Jahr 2027 Mehreinnahmen von 1,523 Milliarden Euro gegenüber dem bisherigen Recht. Bis 2030 soll dieser Betrag auf 4,435 Milliarden Euro jährlich steigen. Den größten Anteil tragen Zigaretten mit 2,182 Milliarden Euro im Jahr 2030, gefolgt von Feinschnitt (1,261 Mrd. Euro) und erhitztem Tabak (709 Mio. Euro).
Für die Berechnungen hat das Finanzministerium produktspezifische Preiselastizitäten verwendet: Für Zigaretten gilt ein Wert von -0,7 — steigen die Preise um 10 Prozent, sinkt die nachgefragte Menge um rund 7 Prozent. Erhitzter Tabak erhält einen positiven Wert von 0,4, da dieser Markt trotz Steuererhöhung weiter wächst, wenn auch langsamer. Stabile Kreuzpreiselastizitäten zwischen den Produktkategorien konnten empirisch nach Angaben der Regierung nicht ermittelt werden.
Was gilt aktuell?
Nach geltendem Recht unterliegen Zigaretten, Feinschnitt, Zigarren, Pfeifentabak, erhitzter Tabak, Wasserpfeifentabak und sogenannte Substitute (vor allem E-Zigaretten-Liquids) der Tabaksteuer, deren Sätze zuletzt mit dem Tabaksteuermodernisierungsgesetz angepasst wurden. Die Tabaksteuereinnahmen beliefen sich 2025 auf rund 17,46 Milliarden Euro. Nikotinbeutel sind in Deutschland derzeit nicht verkehrsfähig und werden daher nicht besteuert. Die geplante Reform soll die Steuersätze ab dem 1. Januar 2027 schrittweise anheben.
Volkswirtschaftliche Kosten der Tabaksteuererhöhung im Verhältnis
Die direkten jährlichen Gesundheitskosten durch Tabakkonsum betragen laut Bundesregierung schätzungsweise 30 Milliarden Euro, die indirekten Kosten durch Produktivitätsausfälle, Frühverrentung und Verlust von Arbeitskraft rund 67 Milliarden Euro. Selbst nach der geplanten Steuererhöhung decken die Tabaksteuereinnahmen damit nur einen Bruchteil der gesamtgesellschaftlichen Folgekosten. Die FinanzKommission Gesundheit schätzt in ihrem Bericht vom 30. März 2026, dass bei Umsetzung der Empfehlungen der Zigarettenkonsum um etwa ein Fünftel sinken und die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen um rund 3.500 Fälle zurückgehen könnte. Mittelfristig rechnet die Kommission mit GKV-Einsparungen von rund 630 Millionen Euro jährlich bei einem Rückgang der Raucherprävalenz um 3 Prozentpunkte.
Schwarzmarkt und Grenzkäufe: Risiken begrenzt
Ein zentrales Gegenargument gegen hohe Tabaksteuern lautet, sie treibe Konsumenten in den Schwarzmarkt. Die Bundesregierung verweist hier auf eine CESifo-Studie von Mai 2026, die zwar Zusammenhänge zwischen Tabakbesteuerung und illegalem Markt dokumentiert, aber keinen kausalen Nachweis erbringt. Erfahrungen aus Frankreich und den Niederlanden zeigen nach Angaben der Regierung keinen unmittelbaren Anstieg des Schwarzmarktanteils nach Steuererhöhungen. Für Grenzkäufe — etwa in Polen, wo Zigaretten rund 44 Prozent günstiger sind als in Deutschland — setzt die Regierung auf die parallele Anhebung der EU-Mindestbesteuerungsvorgaben, durch die Preisunterschiede schrumpfen sollen.
Deutschland setzt sich in den laufenden Verhandlungen zur Überarbeitung der EU-Tabaksteuerrichtlinie (Richtlinie 2011/64/EU) für ambitionierte Mindestbesteuerungsvorgaben ein. Die EU-Kommission plant, für Dezember 2026 auch einen Revisionsvorschlag zum Tabak- und Nikotinrecht vorzulegen, der Regelungslücken bei neuartigen Produkten wie Nikotinbeuteln schließen soll.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind alle Raucherinnen und Raucher in Deutschland, die ab 2027 höhere Preise für Zigaretten, Feinschnitt, Zigarren, erhitzten Tabak und andere Tabakprodukte zahlen werden. Besonders Geringverdiener könnten überproportional belastet werden, da die Rauchprävalenz in einkommensschwächeren Bevölkerungsgruppen nach Angaben der FinanzKommission Gesundheit höher liegt. Auch die Tabakindustrie und der Tabakeinzelhandel sind von der Reform betroffen.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen inhaltlich beantwortet, bei mehreren Detailfragen (z. B. Fragen 3, 20, 35/36, 38) jedoch auf andere Antworten oder externe Berichte verwiesen, ohne eigenständige Aussagen zu treffen. Zur Verteilung der volkswirtschaftlichen Kosten auf einzelne Sozialversicherungsträger und zu sozioökonomischen Differenzierungen bei Substitutionseffekten liegen der Regierung nach eigener Auskunft keine ausreichenden Daten vor.
Die Anfrage ist beantwortet; das parlamentarische Anfrageverfahren ist abgeschlossen. Das Gesetzgebungsverfahren zur Änderung des Tabaksteuergesetzes läuft separat: Der Gesetzentwurf sowie die Formulierungshilfe der Bundesregierung befinden sich im parlamentarischen Verfahren, eine Abstimmung im Bundestag steht noch aus. Die Steuererhöhungen sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
- Preiselastizität der Nachfrage
- Gibt an, wie stark der Konsum eines Produkts auf Preisänderungen reagiert. Ein Wert von -0,7 bei Zigaretten bedeutet: Steigt der Preis um 10 Prozent, sinkt die nachgefragte Menge um etwa 7 Prozent.
- Formulierungshilfe
- Ein vom Bundesministerium der Finanzen auf Bitten der Regierungsfraktionen erarbeiteter Gesetzestext, der über den offiziellen Regierungsentwurf hinausgehende Regelungen enthält und als Grundlage für Änderungsanträge im Gesetzgebungsverfahren dient.
- FinanzKommission Gesundheit
- Ein vom Bundesgesundheitsministerium eingesetztes Expertengremium, das Empfehlungen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen erarbeitet hat, u. a. zur Erhöhung der Tabaksteuer.
Wie viel soll die Tabaksteuererhöhung ab 2027 einbringen?
Laut der Formulierungshilfe des BMF erwartet die Bundesregierung im Jahr 2027 Mehreinnahmen von 1,523 Milliarden Euro gegenüber dem bisherigen Recht, bis 2030 soll dieser Betrag auf 4,435 Milliarden Euro jährlich steigen.
Welches Produkt bringt die meisten Mehreinnahmen?
Zigaretten dominieren: 2027 entfallen 898 Mio. Euro der Mehreinnahmen auf Zigaretten, bis 2030 steigt dieser Anteil auf 2,182 Milliarden Euro.
Was kosten Tabakkonsum und Rauchen die Gesellschaft jährlich?
Laut Bundesregierung belaufen sich die gesamtwirtschaftlichen Kosten auf mindestens 97 Milliarden Euro jährlich: rund 30 Mrd. Euro direkte Gesundheitskosten und rund 67 Mrd. Euro indirekte Kosten durch Produktivitätsausfälle.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8482 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































