- Bis 2035 fehlen laut KMK über 100.000 ausgebildete Lehrer
- Jeder dritte Lehramtsstudent will laut Spiegel nicht unterrichten
- Antrag fordert Staatsexamen als Pflichtabschluss für weiterführende Schulen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6655 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Zuge der Bologna-Reform wurden ab den 2000er Jahren in vielen Bundesländern die traditionellen Staatsexamensstudiengänge für das Lehramt durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. Ziel war die europäische Vereinheitlichung und Flexibilisierung von Studienabschlüssen. Kritiker bemängeln seitdem, dass diese Modularisierung die Berufsorientierung der Lehramtsstudierenden geschwächt habe. Laut Statistischem Bundesamt lag der Anteil von Lehrern ohne anerkannte Lehramtsprüfung an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2023/24 bei über 10 Prozent.
- 468.000 — So viele voll ausgebildete Lehrer prognostiziert die KMK als Einstellungsbedarf bis 2035.
- 367.000 — So viele Personen werden laut KMK-Prognose den Vorbereitungsdienst bis 2035 absolvieren – ein Defizit von über 100.000.
- Über 10 % — Anteil der Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2023/24 (Statistisches Bundesamt).
- Jeder dritte — Laut einer Spiegel-Erhebung gibt jeder dritte Lehramtsstudierende an, nach dem Studium nicht im Lehramt tätig sein zu wollen.
Im Detail
Schulen brauchen keine Absolventen mit losem Lehramtsbezug, sondern Lehrer.
— Begründung BT-Drs. 21/6655, AfD-Fraktion
Deutschlands Schulen stehen vor einem strukturellen Problem: Bis 2035 werden laut Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) über 100.000 qualifizierte Lehrkräfte fehlen. Einstellungsbedarf und Ausbildungskapazitäten klaffen weit auseinander – die KMK rechnet mit einem Bedarf von rund 468.000 voll ausgebildeten Lehrern, während voraussichtlich nur etwa 367.000 den Vorbereitungsdienst absolvieren werden. Vor diesem Hintergrund hat die AfD-Fraktion am 23. Juni 2026 den Antrag BT-Drs. 21/6655 eingebracht, der das verbindliche Staatsexamen als Regelabschluss in der Lehramtsausbildung für weiterführende Schulen wieder einführen soll.
Was gilt aktuell?
Im Zuge der Bologna-Reform wurden in vielen Bundesländern die klassischen Staatsexamensstudiengänge für das Lehramt durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. Diese sogenannten polyvalenten Studiengänge ermöglichen es Studierenden, das Lehramt als eine von mehreren beruflichen Optionen zu wählen – ohne von Beginn an auf den Lehrerberuf festgelegt zu sein. Der Antrag sieht darin ein zentrales Problem: Laut einer im Dokument zitierten Erhebung gibt bereits jetzt jeder dritte Lehramtsstudierende an, nach dem Studium nicht im Lehramt tätig sein zu wollen. Hinzu kommt, dass im Schuljahr 2023/24 über 10 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen keine anerkannte Lehramtsprüfung besaßen – ein Zeichen dafür, dass Schulen verstärkt auf Quer- und Seiteneinsteiger zurückgreifen.
Staatsexamen als Antwort auf den Lehrermangel
Die AfD-Fraktion argumentiert laut Drucksache, dass das Staatsexamen mit anschließendem Vorbereitungsdienst eine stärkere Berufsorientierung schaffe als das modulare Bachelor-/Mastersystem. Wer von Studienbeginn an auf das Lehramt als klares Ziel hinarbeite, eigne sich Fachinhalte nicht nur fachwissenschaftlich, sondern auch aus didaktischer und erzieherischer Perspektive an. Das Staatsexamen schaffe damit eine eindeutige Berufsbindung, die im aktuellen System fehle. Auch der Deutsche Philologenverband habe sich laut Antrag für eine Rückkehr zum Staatsexamen ausgesprochen.
Fünf konkrete Forderungen an die Bundesregierung
Der Antrag richtet fünf Forderungen an die Bundesregierung: Erstens soll sie gegenüber der KMK darauf hinwirken, das Staatsexamen für weiterführende Schulen als Regelabschluss wiederherzustellen. Zweitens soll sie sich gegen eine weitere Ausweitung polyvalenter Bachelor- und Masterstudiengänge einsetzen. Drittens fordert der Antrag bundeseinheitlich vergleichbare Mindeststandards in der Lehrkräftebildung – insbesondere für fachwissenschaftliches Niveau, Bildungswissenschaften, Fachdidaktik und schulpraktische Studienanteile. Viertens soll die Bundesregierung einen Bericht zu den Auswirkungen der Bologna-Reform im Lehramt vorlegen, der unter anderem Studienabbrüche, Praxisbezug und den Verbleib im Schuldienst untersucht. Fünftens soll dem Bundestag spätestens zwölf Monate nach Annahme des Antrags über den Stand der Gespräche mit den Ländern berichtet werden.
Da Bildung in Deutschland Ländersache ist, hätte ein angenommener Antrag primär appellativen Charakter. Die Bundesregierung kann die KMK nur durch politischen Druck, nicht durch Weisung zur Änderung der Lehramtsstudiengänge bewegen. Dies macht den Antrag zu einem bildungspolitischen Signal, dessen praktische Umsetzung von der Bereitschaft der 16 Bundesländer abhängt. Das Thema Lehrermangel und die Qualität der Lehrerausbildung sind eng verknüpft mit Debatten über strukturelle Reformen in Deutschland und dem Fachkräftebedarf in der Gesellschaft insgesamt.
Parallel zu strukturellen Bildungsfragen stehen auch sozialpolitische Themen im Fokus des Parlaments: SGB-II-Zugang und Wohngeld-Kürzungen beschäftigen ebenfalls den aktuellen Bundestag.
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Unmittelbar betroffen sind Lehramtsstudierende, Hochschulen und Kultusministerien der Länder, die über die Ausgestaltung der Lehrerbildung entscheiden. Mittelbar betroffen sind Schülerinnen und Schüler sowie Eltern, die auf ausreichend qualifizierte Lehrkräfte angewiesen sind. Auch Schulen im ländlichen Raum, die bereits jetzt verstärkt auf Quer- und Seiteneinsteiger zurückgreifen, stehen im Fokus des Antrags.
Der Antrag (BT-Drs. 21/6655) wurde am 23. Juni 2026 eingebracht und muss nun an den zuständigen Ausschuss – voraussichtlich den Ausschuss für Bildung und Forschung – überwiesen werden. Nach der Ausschussberatung folgt die abschließende Abstimmung im Plenum des Deutschen Bundestages. Da Bildung Ländersache ist, hätte ein angenommener Antrag primär appellativen Charakter gegenüber der KMK.
- Bologna-Reform
- Europäische Hochschulreform aus dem Jahr 1999, die einheitliche Bachelor- und Masterstudiengänge einführte und nationale Abschlüsse wie das Staatsexamen in vielen Fächern ersetzte.
- Polyvalente Studiengänge
- Studiengänge, die auf mehrere mögliche Berufsfelder ausgerichtet sind und das Lehramt nur als eine von mehreren Optionen vorsehen.
- KMK
- Die Kultusministerkonferenz koordiniert die Bildungspolitik der 16 Bundesländer in Deutschland, da Bildung Ländersache ist.
Was ist das Staatsexamen im Lehramt?
Das Staatsexamen ist ein staatlich geregelter Abschluss, der speziell auf den Lehrerberuf ausgerichtet ist und auf das anschließende Referendariat (Vorbereitungsdienst) vorbereitet – im Gegensatz zu den nach der Bologna-Reform eingeführten Bachelor-/Masterstudiengängen.
Wie groß ist der prognostizierte Lehrermangel?
Die Kultusministerkonferenz (KMK) prognostiziert bis 2035 einen Einstellungsbedarf von rund 468.000 voll ausgebildeten Lehrern, während voraussichtlich nur etwa 367.000 den Vorbereitungsdienst absolvieren werden – ein Defizit von über 100.000.
Was fordert die AfD konkret von der Bundesregierung?
Die AfD fordert, dass die Bundesregierung gegenüber der KMK auf die Wiedereinführung des Staatsexamens als Regelabschluss hinwirkt, polyvalente Bachelor-/Masterstudiengänge einschränkt, bundeseinheitliche Mindeststandards etabliert und einen Bericht über die Folgen der Bologna-Reform vorlegt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6655 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































