- Grüne Gase sind knapp, teuer und stark umkämpft zwischen den Sektoren
- Biomethan in Deutschland kostet zwei- bis dreimal mehr als internationales Biomethan
- Grüner Wasserstoff bleibt bis 2030 für Haushalte kaum verfügbar
Grüne Gase und Öle: Verfügbarkeit, Bedarf und Preisentwicklung
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Dokumentation vom Juli 2026 die Verfügbarkeit, den Bedarf und die Preisentwicklung sogenannter grüner Gase und Öle untersucht. Dazu zählen Biomethan, Biogas, grüner Wasserstoff und seine Derivate sowie synthetisches Methan und Bioöle. Anlass ist der Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das ab 2029 schrittweise steigende Mindestanteile klimafreundlicher Brennstoffe im Gebäudesektor vorschreibt – beginnend mit 10 Prozent im Jahr 2029 und ansteigend auf 60 Prozent bis 2040.
Knappe Verfügbarkeit und Nutzungskonkurrenzen
Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Die Verfügbarkeit grüner Gase ist derzeit begrenzt, während der Bedarf sektorübergreifend hoch ist. Industrie, Energieerzeugung und Verkehr konkurrieren mit dem Gebäudesektor um dieselben Ressourcen. Biomethan lässt sich aufgrund begrenzter landwirtschaftlicher Flächen nicht beliebig ausweiten. Laut der Deutschen Energie-Agentur (dena) könnte die geplante „Bio-Treppe“ im Gebäudemodernisierungsgesetz eine zu hohe Nachfrage nach Biomethan erzeugen, die ohne massive Importe nicht gedeckt werden kann.
Biomethan: Teuer und international unter Druck
Während international gehandeltes Biomethan für 40 bis 50 Euro pro Megawattstunde erhältlich ist, kostet in Deutschland produziertes Biomethan zwischen 80 und 120 Euro pro Megawattstunde. Die Produktionskosten verharren auf erhöhtem Niveau, obwohl die Erdgaspreise sich wieder normalisiert haben. Der Preisabstand zwischen Erdgas und Biomethan hat sich damit erneut vergrößert.
Wasserstoff: Vorrangig für die Industrie
Grüner Wasserstoff wird in Deutschland aktuell mit Kosten von rund 8 Euro pro Kilogramm produziert und ist damit deutlich teurer als fossiler Wasserstoff. Mittelfristig stehen kaum Wasserstoffmengen für den Gebäudesektor zur Verfügung, da sie prioritär für Industrie und Verkehr benötigt werden. Der Bundesrechnungshof kommt in einer eigenen Analyse zu dem Schluss, dass weder die inländische Erzeugung noch die geplanten Importe bis 2030 realisierbar sind. Importierter Wasserstoff sei 2030 gegenüber Erdgas preislich nicht wettbewerbsfähig.
Wasserstoffderivate und Bioöle
Wasserstoffderivate wie grüner Ammoniak, synthetisches Methan oder grünes Methanol sind aufgrund zusätzlicher Produktionsschritte noch teurer als Wasserstoff selbst. Bioöle auf Basis von Altspeisefetten und tierischen Fetten sind global begrenzt verfügbar und bereits für andere Nutzungen erschlossen. Der Gebäudesektor konkurriert dabei auch mit dem Verkehrssektor um Biodiesel.
Kostenvergleich Heizungssysteme
Eine Fraunhofer-Kurzstudie im Auftrag der MVV Energie AG kommt zu dem Ergebnis, dass Wärmepumpen oder Fernwärme über den Lebenszyklus in der Regel kostengünstiger sind als eine Gasheizung mit steigenden Grüngasanteilen gemäß der Bio-Treppe. Die Kostendifferenz kann im Einfamilienhaus über 20 Jahre bis zu 49.000 Euro betragen. Hohe Unsicherheiten bei der künftigen Preisentwicklung grüner Gase erschweren verlässliche Investitionsentscheidungen für Hauseigentümer erheblich.
































































