Gleich mehrere parlamentarische Vorgänge der laufenden Legislaturperiode befassen sich mit den spezifischen Herausforderungen Ostdeutschlands – von Altersarmut über Wohnungsleerstand bis hin zur institutionellen Begleitung des Transformationsprozesses. Die Drucksachen stammen aus unterschiedlichen Fraktionen und beleuchten teils sehr konkrete regionale Problemlagen.
Altersarmut und Renten in Ostdeutschland
Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf der sozialen Absicherung älterer Menschen. Altersarmut in Thüringen: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen – so lautet der Befund einer parlamentarischen Anfrage, die 19 Einzelfragen zu Renten, Grundsicherung und Armut in Thüringen aufwirft. Der Wert von 21,3 Prozent beschreibt die bundesweite Armutsgefährdungsquote bei Frauen ab 65 Jahren, trifft Ostdeutschland aber besonders hart: Dort stammen 79 Prozent der Alterseinkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung – eine strukturelle Abhängigkeit, die bei niedrigen Rentenansprüchen unmittelbar in Armut mündet. Ergänzende betriebliche oder private Altersvorsorge ist in dieser Region historisch schwach ausgeprägt.
Wohnungsleerstand und KfW-Förderung im Osten
Die AfD-Fraktion hat eine Kleine Anfrage zu Wohnungsbaugenossenschaften in Ostdeutschland gestellt. Hintergrund: Bei einzelnen Genossenschaften liegt die Leerstandsquote über 22 Prozent. Die Anfrage Wohnungsbaugenossenschaften: Leerstand im Osten und KfW-Förderung fragt nach dem Umfang bestehender KfW-Programme zur Förderung von Genossenschaftsanteilen sowie nach Rückbauprogrammen und den Kosten, die durch dauerhaft leerstehende Wohnungen entstehen. Kritisch wird dabei angemerkt, dass KfW-Mittel in Genossenschaftsanteile fließen, obwohl ein erheblicher Teil des Bestands ungenutzt bleibt.
Kommunalfinanzen: Linke scheitert mit Grundgesetzantrag
Die Fraktion Die Linke hat einen Entschließungsantrag zur Entschuldung ostdeutscher Kommunen eingebracht und eine Grundgesetzänderung gefordert, um einen strukturellen Bundesbeitrag zur Kommunalentlastung zu ermöglichen. Der Antrag wurde am 9. Juli 2026 abgelehnt. Die Forderung nach besseren Kommunalfinanzen ist dabei kein rein ostdeutsches Thema, trifft strukturschwache Regionen im Osten aber überdurchschnittlich – wie der Hintergrund zu Kommunalfinanzen: Linke fordert Grundgesetzänderung zur Entschuldung dokumentiert.
Ostbeauftragte: Personal und Ausgaben im ersten Jahr
Die AfD hat auch die Arbeit der Ostbeauftragten der Bundesregierung unter die Lupe genommen. Laut Antwort der Bundesregierung vom 25. Juni 2026 verfügt das Büro über 43 Planstellen und hat im ersten Jahr 241.000 Euro für externe Dienstleister ausgegeben. Die Anfrage zu Ostbeauftragte: 43 Planstellen, 241.000 Euro Dienstleister im ersten Jahr zielte offenkundig darauf ab, Aufwand und Nutzen des Amtes zu hinterfragen.
Weitere Vorgänge: Zukunftszentrum, EU-Fonds, PCK Schwedt, Demokratie leben!
Das geplante Zukunftszentrum Deutsche Einheit wird teurer: Die Kosten sind auf 277 Millionen Euro gestiegen. Eine entsprechende Kleine Anfrage war zum Redaktionsschluss noch nicht beantwortet. Ebenfalls offen blieb zunächst die Frage, ob Ostdeutschland durch einen EU-Wettbewerbsfonds strukturell benachteiligt wird – die Anfrage wurde inzwischen beantwortet, konkrete Ergebnisse lagen noch nicht vollständig vor. Die Raffinerie PCK Schwedt beschäftigt den Bundestag mit 21 Einzelfragen; die Antwort der Bundesregierung datiert vom 10. Juli 2026. Das Bundesprogramm Demokratie leben!: Umbau des Bundesprogramms ab 2027 steht ebenfalls zur Debatte: Rund 200 Projekte verlieren Ende 2026 ihre Förderung, eine neue Richtlinie soll 2027 in Kraft treten – Einzelheiten sind noch offen, neu ist jedoch die Bedingung eines Kommunalparlamentsbeschlusses für Bundesmittel.
Einordnung
Die parlamentarischen Vorgänge zeigen ein breites Spektrum ostdeutschland-bezogener Anfragen und Anträge. Abgelehnt wurde der Linke-Antrag zur Kommunalentschuldung. Beantwortet wurden die Anfragen zu Ostbeauftragter, EU-Wettbewerbsfonds und PCK Schwedt. Noch ausstehend ist die Antwort zum Zukunftszentrum Deutsche Einheit. Die Mehrheit der Vorgänge war zum Zeitpunkt der Dokumentation Informationsanfragen ohne gesetzgeberische Konsequenz.

































































