Bundestag kompakt – 11. Juli 2026
Der parlamentarische Betrieb am 11. Juli 2026 stand im Zeichen von Gesundheitspolitik, Migration und der Kontrolle staatlicher Beauftragter. Während die Koalition mit einem Gesetzentwurf zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Debatte trifft, dominieren bei den Oppositionsfraktionen Anfragen zu Behördenkosten, Einwanderungszahlen und Energiesicherheit. Insgesamt wurden 18 neue Drucksachen veröffentlicht.
CDU/CSU
Die Koalitionsfraktion brachte einen Gesetzentwurf zur GKV-Stabilisierung ein (Drs. 21/7063). Kernpunkt ist die Erhöhung des Herstellerabschlags auf 15,5 Prozent. Gleichzeitig soll eine neue Kommission eingerichtet werden, die bis Ende 2026 Ausnahmeregelungen für die Pharmaindustrie erarbeitet. Die Beitragssatzstabilität der GKV soll bei allen Maßnahmen gewahrt bleiben.
Die Linke
Die Linke stellte vier Anfragen zu einem breiten Themenspektrum:
- Die Kontrolle von Schwarzarbeit durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) wirft laut Anfrage Fragen zum Zielkonflikt zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberschutz auf (Drs. 21/7042).
- Eine beantwortete Anfrage zu Lobbykontakten des Wohnungsministeriums ergab 14 Gespräche mit der Immobilienlobby auf Staatssekretärsebene; Mietervertreter hatten ähnlich häufig Zugang (Drs. 21/6884).
- Bei barrierefreien Wahlen hat der Bund nach eigenen Angaben keinen Überblick über Landtags- und Kommunalwahlen; Stimmzettelschablonen werden nur bei Bundestagswahlen erstattet (Drs. 21/6871).
- Zur Energiepolitik: Die Bundesregierung erfuhr von Gesprächen des Gasversorgers SEFE mit dem russischen Konzern Novatek erst im April 2026 (Drs. 21/6881).
AfD
Die AfD-Fraktion war mit zehn Drucksachen die aktivste Fraktion des Tages. Schwerpunkte lagen auf den Kosten staatlicher Beauftragter und auf Migrationszahlen:
- Der Antiziganismusbeauftragte gab im ersten Jahr 124.099 Euro für neun externe Dienstleister aus; Angaben zu Planstellen und Dienstreisen verweigerte die Bundesregierung (Drs. 21/6878).
- Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wendete 1,38 Millionen Euro für 48 externe Dienstleister auf (Drs. 21/6876).
- Der Missbrauchsbeauftragte verausgabte im ersten Legislaturjahr vier Millionen Euro für 16 externe Dienstleister (Drs. 21/6877).
- Im Jahr 2025 wurden 110.388 Familiennachzugs-Visa an Drittstaatenangehörige erteilt; Syrien und die Türkei führen bei den Herkunftsländern (Drs. 21/6879).
- Seit August 2021 sind 36.782 Personen über Afghanistan-Aufnahmeprogramme eingereist (Drs. 21/6874).
- Zur Versorgungssicherheit: Deutschlands Ölreserven reichen gesetzlich für 90 Tage Nettoimporte; staatliche Vorräte für Düngemittel und andere kritische Güter bestehen nicht (Drs. 21/6882).
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen reichten drei Anfragen ein, zwei davon noch ohne Antwort. Der Mikrokreditfonds Deutschland wurde zum 30. Juni 2026 nach 38.000 Krediten über insgesamt 400 Millionen Euro eingestellt (Drs. 21/6875). Offen sind Fragen zur Umsetzung des EU-Vernichtungsverbots für unverkaufte Kleidung (Drs. 21/7041) sowie zur Strompreiskompensation im Rahmen des EU-Emissionshandels (Drs. 21/7030).
Ausblick
Parlamentarisch relevant bleiben in den kommenden Wochen vor allem die noch unbeantworteten Anfragen: Die Linke wartet auf eine Antwort zur Finanzkontrolle Schwarzarbeit, die AfD auf eine Stellungnahme zum UN-Weltmigrationspakt, die Grünen auf Antworten zu Textilwirtschaft und Industriestrombeihilfen. Der GKV-Stabilisierungsgesetzentwurf der Koalition dürfte in den Ausschüssen zu Debatten über die Belastung der Pharmaindustrie und die Beitragsentwicklung führen.
- GKV-Stabilisierung: Pharmastandort Deutschland sichern
Drs. 21/7063 · Vorgang VO337064 - Finanzkontrolle Schwarzarbeit: Zielkonflikt bei Arbeitnehmer- und Arbeitgeberschutz
Drs. 21/7042 · Vorgang VO337057 - Immobilienlobby vs. Mieterschutz: Lobbygespräche der Bundesregierung
Drs. 21/6884 · Vorgang VO336412 - Antiziganismusbeauftragter: Bilanz nach einem Jahr Tätigkeit
Drs. 21/6878 · Vorgang VO336250 - Familiennachzug 2025: 110.000 Visa für Drittstaatenangehörige
Drs. 21/6879 · Vorgang VO335615 - Antidiskriminierungsstelle: 1,38 Mio. Euro für externe Dienstleister
Drs. 21/6876 · Vorgang VO336243 - Bodenschutz beim Energienetzausbau: 22 Fragen beantwortet
Drs. 21/6883 · Vorgang VO336045 - Barrierefreie Wahlen: Bundesregierung ohne Kenntnisse zu Landtagswahlen
Drs. 21/6871 · Vorgang VO336260 - Afghanistan-Aufnahmeprogramme: 36.782 Personen eingereist seit 2021
Drs. 21/6874 · Vorgang VO335946 - Versorgungssicherheit: Iran-Krieg und Straße von Hormus
Drs. 21/6882 · Vorgang VO336588 - Mikrokreditfonds Deutschland: Einstellung nach 38.000 Krediten
Drs. 21/6875 · Vorgang VO336294 - SEFE und Russland-LNG: Bundesregierung antwortet zu Novatek-Gesprächen
Drs. 21/6881 · Vorgang VO336004 - Klimaszenarien RCP8.5/SSP5-8.5: Bundesregierung passt Projektionen an
Drs. 21/6872 · Vorgang VO336164 - Missbrauchsbeauftragte: 4 Mio. Euro für externe Dienstleister
Drs. 21/6877 · Vorgang VO336241 - Deutscher Buchhandlungspreis: Vergabe und Jurorenprüfung
Drs. 21/6870 · Vorgang VO335658 - Vernichtungsverbot unverkaufter Kleidung: 21 Fragen zur EU-Umsetzung
Drs. 21/7041 · Vorgang VO337056 - Strompreiskompensation: 19 Fragen zur EU-ETS-Industriebeihilfe
Drs. 21/7030 · Vorgang VO337036 - UN-Weltmigrationspakt: 38 Fragen zur deutschen Position beim IMRF 2026
Drs. 21/7024 · Vorgang VO337035
































































