- 21,3 % der Frauen ab 65 Jahren in Deutschland sind armutsgefährdet
- 13,3 Millionen Menschen insgesamt von Armut betroffen laut Armutsbericht 2026
- 19 Fragen zu Renten, Grundsicherung und Armut in Berlin gestellt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7093 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Paritätische Armutsbericht 2026 beziffert die Zahl der Armutsbetroffenen in Deutschland auf über 13,3 Millionen Menschen. Besonders ältere Frauen sind überdurchschnittlich häufig betroffen: Ihre Armutsquote liegt bei 21,3 Prozent, die der Männer ab 65 bei 17,3 Prozent. Die Bundesregierung hat im 9. Altersbericht selbst festgestellt, dass Einkommensunterschiede im Alter auf traditionelle Rollenverteilungen bei Erwerbs- und Sorgearbeit zurückzuführen sind. In Ostdeutschland stammen laut Alterssicherungsbericht 2024 rund 79 Prozent aller Einkommen der über 65-Jährigen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, was die Abhängigkeit von der GRV besonders deutlich macht.
- 21,3 % — Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren in Deutschland laut Paritätischem Armutsbericht 2026
- 17,3 % — Armutsquote bei Männern ab 65 Jahren zum Vergleich
- 13,3 Mio. — Gesamtzahl der Armutsbetroffenen in Deutschland im Jahr 2025
- 79 % — Anteil der GRV-Leistungen an allen Einkommen der über 65-Jährigen in Ostdeutschland (Alterssicherungsbericht 2024)
- 19 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Altersarmut und Alterssicherung in Berlin
Im Detail
„das Resultat einer oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in der BRD“
— Zitat aus dem 9. Altersbericht der Bundesregierung, zitiert in BT-Drs. 21/7093
Altersarmut in Berlin ist das Thema einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7093, eingereicht am 10. Juli 2026). Anlass ist der Paritätische Armutsbericht 2026, der die Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren deutschlandweit auf 21,3 Prozent beziffert — bei Männern liegt sie mit 17,3 Prozent deutlich niedriger. Insgesamt sind laut dem Bericht über 13,3 Millionen Menschen in Deutschland von Armut betroffen.
Altersarmut in Berlin: Warum wird jetzt gefragt?
Die Anfrage ist Teil einer bundesweiten parlamentarischen Initiative der Linken, die die Situation der Altersarmut in verschiedenen Bundesländern und Stadtstaaten systematisch beleuchtet. Berlin steht dabei besonders im Fokus: Als Hauptstadt mit einer strukturell heterogenen Bevölkerung, hoher Migrationsgeschichte und einem vergleichsweise niedrigen Einkommensniveau im nationalen Vergleich gelten hier besondere Risikofaktoren. Ähnliche Anfragen hat die Fraktion bereits für Hamburg, Bremen, Niedersachsen und weitere Länder gestellt.
Was gilt aktuell?
Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bildet die zentrale Säule der Altersvorsorge in Deutschland. Wer jedoch durch Teilzeitarbeit, Kinderbetreuung oder Erwerbsunterbrechungen weniger eingezahlt hat, erhält im Alter entsprechend weniger Rente. Die Bundesregierung hat im 9. Altersbericht selbst eingeräumt, dass Einkommensunterschiede im Alter das Ergebnis traditioneller Rollenverteilung bei Erwerbs- und Sorgearbeit sind. Besonders in Ostdeutschland hängen rund drei Viertel der Rentnerinnen und Rentner ausschließlich von GRV-Leistungen ab — laut Alterssicherungsbericht 2024 machen diese 79 Prozent aller Alterseinkommen der über 65-Jährigen dort aus.
Altersarmut: 19 Fragen an die Bundesregierung
Die Abgeordneten um Sarah Vollath, Pascal Meiser und Dr. Gregor Gysi stellen der Bundesregierung 19 detaillierte Fragen. Im Kern geht es um folgende Themenbereiche:
Rentenhöhen und Rentenentwicklung: Gefragt wird, wie sich die durchschnittlichen Zahlbeträge für Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten in Berlin im Vergleich zu 2015 und 2025 entwickelt haben — jeweils aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Ost/West.
Grundsicherung im Alter: Die Fraktion will wissen, wie sich die Zahl der Grundsicherungsfälle bei Menschen ab 65 Jahren in Berlin über zehn Jahre verändert hat und welchen Anteil diese an der Gesamtbevölkerung ihrer Altersgruppe ausmachen.
Erwerbsminderungsrenten: Ein eigener Fragenkomplex gilt den Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen — wie viele Betroffene gibt es, wie hoch sind die Abzüge im Schnitt, und hat sich dieser Anteil verändert?
Geringfügige Beschäftigung im Alter: Die Anfrage erkundigt sich außerdem danach, wie viele Menschen ab 65 Jahren in Berlin ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen — ein Indikator dafür, dass die Rente zum Leben nicht reicht.
Private und betriebliche Altersvorsorge: Gefragt wird auch, wie viele Menschen in Berlin Leistungen aus allen drei Schichten des Alterssicherungssystems beziehen — gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge wie Riester — und wie hoch deren jeweiliger Anteil am Gesamteinkommen ist.
Armutsgefährdungsquote: Schließlich soll die Bundesregierung darlegen, wie sich die Armutsgefährdungsquote bei Rentnerinnen und Rentnern in Berlin in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat und ob sie ein besonderes Risiko für die Hauptstadt sieht.
Jede fünfte Frau ab 65 Jahren in Deutschland ist laut aktuellem Armutsbericht von Altersarmut betroffen — bei Männern ist es etwa jeder sechste.
Hintergründe: Frauen und Altersarmut
Die Altersarmut bei Frauen hat strukturelle Ursachen: Geringere Löhne während des Erwerbslebens, häufigere Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen durch Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen führen zu niedrigeren Rentenansprüchen. Laut Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sinken die Renten bei Frauen in Westdeutschland mit zunehmender Kinderzahl sogar. Vergleichbare Trends zeigen sich auch in anderen Bundesländern, wie Anfragen zu Schleswig-Holstein, Hessen und Baden-Württemberg belegen.
Die Fraktion Die Linke verweist auch auf mögliche künftige Verschärfungen: Kürzungen beim Wohngeld, eine Schwächung der gesetzlichen Rente zugunsten privater Vorsorge oder Vorschläge der Rentenkommission zur Anhebung der Regelaltersgrenze könnten die Altersarmut weiter ansteigen lassen — besonders in Ostdeutschland, wo die GRV nahezu alternativlos ist.
Weiterlesen:
- Altersarmut in Hamburg: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen
- Altersarmut in Bremen: 21,3 % Armutsquote bei Frauen ab 65
- Altersarmut in Niedersachsen: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen
Betroffen sind vor allem ältere Frauen ab 65 Jahren in Berlin und ganz Deutschland, insbesondere solche mit Erwerbsunterbrechungen durch Kinderbetreuung oder langjähriger Teilzeitarbeit. Auch Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland sind besonders exponiert, da sie fast ausschließlich auf Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung angewiesen sind.
"Der Vorschlag der Rentenkommission ist ein Rezept für Altersarmut. Es sind gerade die hart arbeitenden Menschen mit zu geringer Entlohnung, die es nicht bis zur Rente schaffen. Um die, die heute oft schon mit Abschlägen in Frührente gehen, weil sie einfach nicht mehr können. Und für diese Menschen, die in… …
"Das ist keine Rentenreform, das ist ein Rentenkürzungsprogramm. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll künftig länger schuften, weniger Rente bekommen und darauf hoffen, dass die Börse gute Laune hat. Besonders dreist ist der Angriff auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Da reden wir über Menschen, die morgens um… …
Die Kleine Anfrage wurde am 10. Juli 2026 eingereicht (BT-Drs. 21/7093). Die Bundesregierung hat ab Einreichung 21 Tage Zeit, die 19 Fragen schriftlich zu beantworten — die Antwortfrist läuft bis zum 31. Juli 2026. Nach Vorlage der Antwort kann die Fraktion weitere parlamentarische Schritte einleiten.
- Armutsgefährdungsquote
- Anteil der Bevölkerung, deren Einkommen unterhalb von 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) liegt — gilt als statistischer Maßstab für Armutsgefährdung.
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Sozialleistung für Menschen ab der Regelaltersgrenze, deren Rente und sonstiges Einkommen nicht zum Leben reichen — geregelt im SGB XII.
- GRV
- Gesetzliche Rentenversicherung — das staatliche Rentensystem in Deutschland, in das Arbeitnehmer und Arbeitgeber Beiträge einzahlen.
Wie hoch ist die Altersarmutsquote bei Frauen in Deutschland?
Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2026 liegt die Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent, bei Männern bei 17,3 Prozent.
Warum sind Frauen stärker von Altersarmut betroffen?
Gründe sind laut Drucksache geringere Erwerbseinkommen durch Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen wegen Kinderbetreuung, die zu niedrigeren Rentenansprüchen führen.
Was fragt Die Linke konkret in der Kleinen Anfrage?
Die Fraktion stellt 19 Fragen zu Rentenhöhen, Grundsicherungsfällen, Erwerbsminderungsrenten, Armutsgefährdungsquoten und der Verbreitung privater und betrieblicher Altersvorsorge in Berlin und Deutschland.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7093 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































