- Demografischer Wandel bedroht Arbeitskräfteangebot bis Mitte der 2030er Jahre
- Engpassberufe in Pflege, Logistik und Gesundheit abhängig von ausländischen Beschäftigten
- 14 Fragen zur Integration, Aufenthaltsstatus und Willkommenskultur gestellt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7127 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland steht vor einem strukturellen Arbeitskräftemangel: Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung prognostiziert einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung um mehrere Millionen Menschen bis Mitte der 2030er Jahre. Branchen wie Pflege, Gesundheitsversorgung, Logistik und Gastronomie sind schon heute auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Die Migrationskonferenz der Bundesagentur für Arbeit im Januar 2026 sowie aktuelle Studien — darunter die DeZIM-Studie zur Abwanderung von Fachkräften und der Expat Insider 2025 von InterNations, der Deutschland ein schlechtes Abschneiden bei Willkommenskultur bescheinigt — bilden den unmittelbaren Anlass für die Anfrage.
Im Detail
Ausländische Arbeitskräfte sind in diesem Kontext zu einer tragenden Säule geworden – insbesondere für Engpass- und Schlüsselberufe, ohne die zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Gesundheitswesen, Pflege, Verkauf, Logistik oder Gastronomie nicht funktionsfähig wären.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7127
Ausländische Beschäftigte in Engpassberufen halten zentrale Teile der deutschen Infrastruktur aufrecht — von der Altenpflege über die Krankenhausversorgung bis hin zu Logistik und Gastronomie. Wie viele es sind, welchen Aufenthaltsstatus sie besitzen und ob Deutschland als Zielland attraktiv bleibt, fragt die Fraktion Die Linke in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7127 vom 13. Juli 2026.
Demografischer Druck auf Engpassberufe
Der Hintergrund der Anfrage ist struktureller Natur: Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erwartet einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung um mehrere Millionen Menschen bis Mitte der 2030er Jahre. Geburtenstarke Jahrgänge treten in den Ruhestand, während deutlich kleinere Kohorten nachrücken. Besonders in ostdeutschen Bundesländern, wo dieser Wandel früher und stärker spürbar ist, sind ausländische Arbeitskräfte laut der Anfrage bereits heute unverzichtbar. Damit ist der Fachkräftemangel in Engpassberufen kein künftiges Szenario, sondern Gegenwartsrealität.
Was gilt aktuell?
Als Engpassberufe gelten nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit Berufsfelder mit einem Engpassindex von mindestens 2,0 — das bedeutet, dass auf eine gemeldete Arbeitsstelle rechnerisch weniger als zwei geeignete Bewerberinnen und Bewerber kommen. Betroffen sind insbesondere Pflege- und Gesundheitsberufe, Berufe in der Logistik, im Verkauf und in der Gastronomie. Ausländische Staatsangehörige stellen in diesen Bereichen bereits heute einen erheblichen Anteil der Beschäftigten, wobei genaue Zahlen nach Aufenthaltstitel und Herkunftsland bislang öffentlich nicht vollständig vorliegen — genau das soll die Anfrage klären.
14 Fragen zur Fachkräftezuwanderung
Die Anfrage umfasst 14 Einzelfragen. Sie reichen von konkreten Statistiken — Entwicklung der absoluten Zahlen und des Anteils ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen seit 2015, aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Ost und West sowie Berufsgruppen — bis zu politischen Einschätzungen. Die Fraktion erkundigt sich etwa danach, welche jährliche Nettozuwanderung erforderlich wäre, um das Arbeitskräfteangebot langfristig stabil zu halten, und wie sich dieser Bedarf zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheidet.
Darüber hinaus fragt Die Linke nach dem aufenthaltsrechtlichen Status der betroffenen Beschäftigten: Wie viele verfügen über unbefristete Aufenthaltstitel, und wie hat sich dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Auch Herkunftsregionen und -länder stehen auf der Fragenliste.
Willkommenskultur und Diskriminierung als Standortfaktor
Einen besonderen Schwerpunkt legt die Anfrage auf die Frage, ob migrationspolitische Debatten und Diskriminierungserfahrungen die Attraktivität Deutschlands als Zielland für Fachkräfte beeinträchtigen. Konkret wird auf zwei Studien Bezug genommen: die DeZIM-Studie „Jenseits der Verwertungslogik?“ sowie den Expat Insider 2025 von InterNations, der Deutschland bei Willkommenskultur und Einfindung schlecht bewertet. Außerdem fragt die Fraktion nach den Konsequenzen aus der Migrationskonferenz der Bundesagentur für Arbeit vom Januar 2026 sowie aus aktuellen Daten, wonach die Fortzüge von EU-Staatsangehörigen zuletzt die Zuzüge dieser Gruppe überstiegen haben.
Schließlich thematisiert die Anfrage kommunale und landespolitische Rahmenbedingungen — Wohnraum, Kita-Plätze, Integrationseinrichtungen — und fragt, wie die Bundesregierung sich mit Ländern und Kommunen koordiniert, um die Integration ausländischer Fachkräfte zu verbessern. Auch geplante gesetzliche Änderungen zur Aufenthaltsqualität und zu Bleibeperspektiven stehen auf der Fragenliste.
Die Antwortfrist der Bundesregierung läuft bis zum 3. August 2026. Das Thema Fachkräftemangel in Deutschland ist auch Gegenstand anderer parlamentarischer Aktivitäten — etwa im Bereich Internationaler Jugend- und Fachkräfteaustausch. Wie der Bundestag mit verwandten Themen umgeht, zeigt auch die Übersicht der wichtigsten Drucksachen dieser Woche.
Weiterlesen:
- Deutsch-Kasachischer Jugendaustausch: 308.000 Euro seit 2015
- Begriff erklärt: Schriftliche Kleine Anfrage
- Das bewegt Deutschland — 17.07.2026
Betroffen sind ausländische Beschäftigte in Pflege, Gesundheitsberufen, Logistik, Verkauf und Gastronomie sowie Patientinnen und Patienten und Pflegebedürftige, die auf diese Versorgungsstrukturen angewiesen sind. Besonders betroffen sind ostdeutsche Bundesländer, wo der demografische Wandel bereits stärker spürbar ist.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7127) wurde am 13. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat ab Eingang 21 Tage Zeit zur Beantwortung — die Antwortfrist läuft bis zum 3. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Engpassberuf
- Berufsfeld, in dem offene Stellen dauerhaft nicht besetzt werden können, weil zu wenige qualifizierte Bewerber verfügbar sind. Die Bundesagentur für Arbeit misst dies über einen Index — Werte ab 2,0 gelten als Engpass.
- Nettozuwanderung
- Die Differenz zwischen Zuzügen und Fortzügen in einem bestimmten Zeitraum. Eine positive Nettozuwanderung bedeutet, dass mehr Menschen einwandern als auswandern.
- DeZIM-Institut
- Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung ist ein unabhängiges Forschungsinstitut in Berlin, das Studien zu Migration, Integration und gesellschaftlichem Zusammenleben erstellt.
Was sind Engpassberufe?
Engpassberufe sind Berufsfelder, in denen die Nachfrage nach Arbeitskräften das verfügbare Angebot dauerhaft übersteigt. Die Bundesagentur für Arbeit bewertet sie nach einem Index — ab einem Wert von 2,0 gilt ein Beruf als Engpassberuf.
Warum sind ostdeutsche Bundesländer besonders betroffen?
In ostdeutschen Bundesländern schlagen die demografischen Veränderungen — also der Rückgang der Erwerbsbevölkerung durch geburtenstarke Jahrgänge im Ruhestand — früher und deutlicher durch als im Bundesdurchschnitt.
Was ist die DeZIM-Studie, auf die sich die Anfrage bezieht?
Die Studie 'Jenseits der Verwertungslogik?' des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) untersucht, welche Rolle nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und kulturelle Faktoren bei der Entscheidung ausländischer Fachkräfte spielen, in Deutschland zu bleiben oder fortzuziehen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7127 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































