- 1.114 Abschiebungen nach Gambia zwischen 2022 und Mai 2026
- 2.211 Gambier in Deutschland aktuell ausreisepflichtig
- Charterflüge kosten bis zu 445.000 Euro pro Einsatz — alle via Frontex
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7132 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke hatte mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/6743 Auskunft über Abschiebungen nach Gambia verlangt, nachdem laut Fragesteller mindestens zwei geplante Sammelcharter gescheitert waren. Die Bundesregierung hatte auf eine frühere Schriftliche Frage (BT-Drs. 21/4573, Nr. 24) zur Absage eines Charters am 27. Januar 2026 keine konkreten Gründe mitgeteilt. Deutschland steht nach eigenen Angaben fortlaufend mit der gambischen Regierung im Austausch, um die Rückkehrkooperation zu verbessern. Gambia gilt laut Bundesregierung seit 2016/2017 als demokratisch stabilisierter Staat mit weitgehend beachteten Menschenrechten.
- 1.114 Personen — Gesamtzahl der Abschiebungen nach Gambia von 2022 bis Mai 2026
- 431 (2023) — Höchstwert in einem Einzeljahr; 2024 sank die Zahl auf 205
- 2.211 ausreisepflichtig — Gambier in Deutschland zum Stichtag 31. Mai 2026, davon 2.040 mit Duldung
- 1.077 angehört — Personen in Sammelanhörungen seit 2023; bei 596 wurde gambische Staatsangehörigkeit bestätigt
- bis zu 445.110 Euro — Kosten des teuersten Charterfl ugs (Stuttgart, 2026 mit Zwischenstopps Ghana/Nigeria)
Im Detail
Seit 2016/2017 hat sich Gambia als demokratisch verfasste Republik stabilisiert. Menschenrechte werden von der Verfassung geschützt und nach hiesigen Erkenntnissen weitgehend beachtet.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7132, Frage 20
Seit 2022 hat Deutschland insgesamt 1.114 gambische Staatsangehörige abgeschoben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7132 vom 13. Juli 2026) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Die Zahlen zeigen erhebliche Schwankungen: Während 2023 mit 431 Abschiebungen der bisherige Höchstwert erreicht wurde, sank die Zahl 2024 auf 205 und stieg 2025 wieder auf 259. Bis einschließlich Mai 2026 wurden 65 Personen rückgeführt.
Abschiebungen nach Gambia: Charterflüge und ihre Kosten
Ein Großteil der Abschiebungen nach Gambia erfolgt per Charterflug. Zwischen 2022 und Mai 2026 fanden insgesamt 30 dokumentierte Sammelrückführungen statt — alle ohne Transitländer, mit Ausnahme eines Stuttgarter Flugs im Jahr 2026, der über Ghana und Nigeria verlief. Die Kosten pro Charterflug lagen zwischen rund 98.050 Euro (Frankfurt 2022) und 445.110 Euro (Stuttgart 2026). Alle Chartermaßnahmen wurden über Frontex kofinanziert. Daneben wurden im gleichen Zeitraum 473 Personen per Linienflug abgeschoben.
Baden-Württemberg veranlasste mit Abstand die meisten Rückführungen: allein 307 im Jahr 2023 und 177 im Jahr 2025. Bayern folgt auf Platz zwei. Die Entscheidung, ob ein Linien- oder Charterflug genutzt wird, liegt laut Bundesregierung bei den jeweiligen Ländern.
Abgesagte Sammelcharter: Keine konkreten Gründe genannt
Zu den zentralen Fragen der Anfrage — warum die für den 27. Januar 2026 und den 9. Juni 2026 geplanten Sammelcharter nach Gambia abgesagt wurden — liefert die Bundesregierung keine konkreten Antworten. Sie verweist lediglich darauf, dass jede Chartermaßnahme organisatorische und operative Vorbereitungen erfordere und sich oftmals erst kurzfristig entscheide, ob eine geplante Maßnahme durchgeführt werden könne. Zu zukünftigen Terminen nimmt die Regierung grundsätzlich keine Stellung.
Bereits auf eine frühere Schriftliche Frage (BT-Drs. 21/4573, Nr. 24) hatte die Regierung keine konkreten Absagegründe mitgeteilt. Hintergrund der Anfrage war unter anderem der Fall eines gambischen Staatsangehörigen, der sich seit Oktober 2025 in Abschiebehaft befindet und dessen Haft nach sechs Monaten um weitere zwölf Monate verlängert wurde.
2.211 ausreisepflichtige Gambier in Deutschland
Zum Stichtag 31. Mai 2026 lebten laut Ausländerzentralregister (AZR) insgesamt 16.527 Personen mit gambischer Staatsangehörigkeit in Deutschland. Davon sind 2.211 ausreisepflichtig — 2.040 mit Duldung, 171 ohne. Den größten Anteil hält Baden-Württemberg mit 1.212 ausreisepflichtigen Gambierinnen und Gambiern. Von den 16.527 Aufhältigen besitzen 7.502 eine Aufenthaltserlaubnis und 2.183 eine Niederlassungserlaubnis. Rund 6.502 Personen haben keinen gültigen Aufenthaltstitel — also etwa 39 Prozent.
Identifizierungsverfahren und Passersatzbeschaffung
Seit 2023 hat die gemeinsame Koordinierungsstelle Passersatzbeschaffung (PEB Bund) in Amtshilfe für die Länder insgesamt 1.077 Personen in Sammelanhörungen angehört, um ihre gambische Staatsangehörigkeit festzustellen. Bei 596 Personen wurde die Staatsangehörigkeit bestätigt; 161 Passersatzpapiere wurden beschafft. Von den identifizierten Personen sind laut AZR 88 ausgereist — ob freiwillig oder per Abschiebung, lässt sich laut Bundesregierung nicht unterscheiden.
Zur menschenrechtlichen Lage in Gambia erklärt die Bundesregierung, dass sich das Land seit 2016/2017 als demokratisch verfasste Republik stabilisiert habe. Präsidentschafts-, Parlaments- und Kommunalwahlen hätten friedlich stattgefunden, Menschenrechte würden nach hiesigen Erkenntnissen weitgehend beachtet.
Das Thema Abschiebungspolitik ist eng verbunden mit der breiteren Debatte über den Umgang mit ausreisepflichtigen Personen in Deutschland. Fragen zur Abschiebehaft und ihren sozialen Folgen werden auch im Kontext von Altersarmut und sozialer Sicherung diskutiert. Die Praxis der Sammelabschiebungen steht im Zusammenhang mit der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, deren Rolle bei Rückführungen zunehmend parlamentarisch begleitet wird.
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Betroffen sind gambische Staatsangehörige in Deutschland, die vollziehbar ausreisepflichtig sind — zum 31. Mai 2026 insgesamt 2.211 Personen. Daneben sind 16.527 Gambier insgesamt in Deutschland aufhältig, davon 6.502 ohne gültigen Aufenthaltstitel. Baden-Württemberg veranlasst mit Abstand die meisten Abschiebungen.
Bei den Fragen 5 und 6 zu den Gründen für die abgesagten Sammelcharter (27. Januar und 9. Juni 2026) weicht die Bundesregierung aus: Sie nennt nur allgemeine operative Vorbereitungserfordernisse, ohne konkrete Absagegründe zu benennen. Zu Fragen 9 und 10 (Wartezeiten, Wartelisten) gibt die Regierung an, keine Erkenntnisse zu haben.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Abschiebungen nach Gambia: 20 Fragen zu Charterflug-Absagen →
- Duldung
- Vorübergehende Aussetzung der Abschiebung für ausreisepflichtige Personen, die nicht abgeschoben werden können — etwa wegen fehlender Reisedokumente oder familiärer Bindungen.
- PEB Bund (Passersatzbeschaffung)
- Gemeinsame Koordinierungsstelle von Bund und Ländern, die Reisedokumente für Abschiebungen beschafft, wenn Herkunftsländer keine eigenen Pässe ausstellen.
- Frontex
- Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, die unter anderem Sammelabschiebungen aus EU-Staaten koordiniert und kofinanziert.
Wie viele Gambier wurden 2023 aus Deutschland abgeschoben?
Im Jahr 2023 wurden 431 Personen nach Gambia abgeschoben — das ist der höchste Jahreswert im betrachteten Zeitraum 2022 bis Mai 2026.
Was kostet ein Sammelcharterflug nach Gambia?
Die Kosten variieren stark: Sie lagen zwischen rund 98.050 Euro (2022) und 445.110 Euro (2026). Alle Flüge wurden über Frontex kofinanziert.
Wie viele Gambier sind aktuell in Deutschland ausreisepflichtig?
Zum Stichtag 31. Mai 2026 waren laut Ausländerzentralregister 2.211 Personen mit gambischer Staatsangehörigkeit ausreisepflichtig, davon 2.040 mit Duldung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7132 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































