- Ungenutztes Biomethan-Potenzial aus Reststoffen beträgt 40 bis 71 TWh
- Flächenbedarf für Bio-Treppe könnte bis 2040 auf 750.000 Hektar steigen
- Starke Nutzungskonkurrenz zwischen Industrie, Verkehr und Wärmesektor
Biomethan für Gebäudeheizungen: Potenziale und Flächenbedarf
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat in einer Analyse vom Juli 2026 untersucht, wie viel Biomasse in Deutschland künftig für die Erzeugung von Biomethan genutzt werden könnte. Anlass ist der Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), das eine sogenannte „Bio-Treppe“ und eine Grüngasquote vorsieht. Ab 2029 sollen neu eingebaute Gas- und Ölheizungen schrittweise mit wachsenden Anteilen klimafreundlicher Brennstoffe betrieben werden – beginnend mit 10 Prozent im Jahr 2029 und ansteigend auf 60 Prozent bis 2040.
Aktuelle Lage der Biomethanproduktion
In Deutschland existieren rund 10.000 Biogasanlagen, von denen derzeit 279 Anlagen Biomethan erzeugen und ins Gasnetz einspeisen. Im Jahr 2025 wurden rund 14 TWh Biomethan eingespeist, was etwa 1,6 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs entspricht. Das erzeugte Biomethan wird überwiegend für Strom- und Wärmeerzeugung in Blockheizkraftwerken sowie als Kraftstoff genutzt – nur ein kleiner Teil fließt direkt in die Wärmeversorgung von Gebäuden.
Biomassepotenzial: Große Bandbreite bei den Schätzungen
Die Analyse zeigt, dass die Schätzungen zum verfügbaren Biomethanpotenzial stark auseinandergehen. Je nach Studie liegen die Potenziale zwischen 48 TWh (Umweltbundesamt) und 235 TWh (DVGW). Das noch ungenutzte mobilisierbare Potenzial aus Abfall- und Reststoffen wird von der Deutschen Energie-Agentur (dena) auf 40 bis 71 TWh geschätzt. Der Fachverband Biogas geht optimistischer von einem mittelfristigen Potenzial von 150 TWh aus – ohne zusätzlichen Flächenbedarf. Umweltverbände und andere Experten halten diese Einschätzung für zu optimistisch.
Flächenbedarf bei steigender Nachfrage
Kann der Biomethan-Bedarf nicht vollständig aus Reststoffen gedeckt werden, müssen Energiepflanzen auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden. Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) schätzt, dass der Flächenbedarf für die Bio-Treppe im Jahr 2040 je nach Szenario zwischen 160.000 und 750.000 Hektar liegen könnte – das entspricht 1 bis 4 Prozent der gesamten deutschen Landwirtschaftsfläche. Das Thünen-Institut weist darauf hin, dass eine Expansion der Biomethanproduktion mit erheblichen Preissteigerungen verbunden sein dürfte. Das Umweltbundesamt beziffert den Flächenbedarf bei einem Bedarf von 100 TWh auf 14 bis 38 Prozent der deutschen Ackerfläche.
Nutzungskonkurrenzen als zentrale Herausforderung
Die Analyse macht deutlich, dass Biomethan ein knappes Gut ist. Es besteht eine starke Nutzungskonkurrenz zwischen dem Wärmesektor, der Industrie, dem Verkehrssektor und der Nahrungsmittelproduktion. Besonders die chemische Industrie ist auf Biomasse als Rohstoff angewiesen. Experten und Verbände betonen, dass biogene Rest- und Abfallstoffe Vorrang vor dem Anbau von Energiepflanzen haben sollten. Der Biogasbedarf für den Gebäudesektor allein könnte die inländischen Potenziale laut dena um das Vierfache übersteigen.


































































