- 8 Sieg-Brücken mit 7.418 m² Gesamtfläche in schlechtester Zustandsklasse 4
- Sperrung ab Dezember 2026 erneuert nur 636 m² — 8,6 Prozent der maroden Brückenfläche
- Grüne fragen nach Zeitplan, Planfeststellung und weiteren Streckensperrungen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7483 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bahnstrecke Köln–Siegen (Siegstrecke) verbindet das Rheinland mit dem Siegerland und wird von Regional- und Fernzügen genutzt. Im Januar 2026 hatte die Bundesregierung auf eine frühere Grünen-Anfrage (BT-Drs. 21/4098) bereits mitgeteilt, dass während einer sieben Monate dauernden Sperrung des Abschnitts Hennef (Sieg)–Siegen ab Dezember 2026 Eisenbahnbrücken mit einer Gesamtfläche von 636 m² erneuert werden sollen. Die öffentlich zugängliche Brückendatenbank der DB InfraGO weist jedoch für die Streckenabschnitte 2651 und 2880 acht Brücken über die Sieg in der schlechtesten Zustandsklasse 4 mit einer Gesamtfläche von 7.418 m² aus — deutlich mehr als im Rahmen der geplanten Sperrung saniert werden soll.
- 7.418 m² — Gesamtfläche der acht Brücken über die Sieg in Zustandsklasse 4 auf den Streckenabschnitten 2651 und 2880.
- 636 m² — Brückenfläche, die laut Bundesregierung (BT-Drs. 21/4098) während der sieben Monate dauernden Sperrpause ab Dezember 2026 erneuert werden soll.
- 8,6 Prozent — Anteil der geplanten Erneuerungsfläche an der Gesamtfläche der Brücken in Zustandsklasse 4.
- 7 Monate — Geplante Dauer der Streckensperrung des Abschnitts Hennef (Sieg)–Siegen ab Dezember 2026.
- 11 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage, die für jede der acht Brücken separate Antworten verlangt.
Im Detail
„Es ist nach Ansicht der Fragestellenden zumindest verwunderlich, dass in der kommenden Sperrpause lediglich 8,6 Prozent der betroffenen Brückenfläche erneuert werden sollen (636 m²/7 418 m²).“
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7483
Auf der Bahnstrecke Köln–Siegen, auch Siegstrecke genannt, befinden sich acht Eisenbahnbrücken über die Sieg in der schlechtesten Zustandsklasse 4. Ihre Gesamtfläche beträgt 7.418 Quadratmeter — doch in der geplanten sieben Monate dauernden Streckensperrung ab Dezember 2026 sollen lediglich 636 m² Brückenfläche erneuert werden. Das entspricht 8,6 Prozent des Sanierungsbedarfs. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu am 5. August 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7483 eingereicht und fragt die Bundesregierung nach dem Planungsstand für alle betroffenen Brücken.
Siegstrecke: Acht Brücken in kritischem Zustand
Die Brücken liegen entlang der Streckenkilometer zwischen Herchen und dem Haltepunkt Eiserfeld — ein Abschnitt, der zu den abgelegeneren Teilen der Siegstrecke zählt. Die größte der betroffenen Brücken befindet sich nördlich des Bahnhofs Herchen bei Streckenkilometer 50,25 mit einer Fläche von 1.410 m². Die zweitgrößte liegt südlich der Ortslage Rosbach (Sieg) mit 1.269 m², gefolgt von einer Brücke östlich Rüddel mit 1.227 m² und der Brücke am Bahnhof Schladern mit 1.028 m². Alle acht Brücken sind laut der öffentlich zugänglichen Brückendatenbank der DB InfraGO in die Zustandsklasse 4 eingestuft, für die Teil- oder Vollerneuerungsmaßnahmen zu planen sind. Hinzu kommen weitere Brücken über Straßen, Wirtschaftswege und kleinere Wasserläufe, die ebenfalls in Zustandsklasse 4 fallen.
Was gilt aktuell?
Die Bundesregierung hatte auf eine frühere Grünen-Anfrage (BT-Drs. 21/4098) im Januar 2026 mitgeteilt, dass während der Sperrung des Abschnitts Hennef (Sieg)–Siegen ab Dezember 2026 Eisenbahnbrücken mit 636 m² Gesamtfläche erneuert werden sollen. Welche konkreten Brücken darunter fallen und warum der weit größere Teil der maroden Brückenfläche unberücksichtigt bleibt, geht aus dieser Antwort nicht hervor. Die Fragestellenden verweisen darauf, dass die Brückendaten der DB InfraGO öffentlich einsehbar sind — die Diskrepanz zwischen dem Sanierungsbedarf und den geplanten Maßnahmen ist damit für jeden überprüfbar.
11 Fragen zu Planung, Genehmigung und Sperrung
Die Kleine Anfrage stellt für jede der acht Brücken detaillierte Fragen: Seit wann ist die jeweilige Brücke in Zustandsklasse 4 eingestuft? Wie lange sind die erwarteten Restnutzungszeiten? Welche Bauausführung ist geplant? Sind Planfeststellungs- oder Plangenehmigungsverfahren erforderlich, und wenn ja, wann werden sie durchgeführt? Außerdem fragt die Fraktion, ob die Beschleunigungsmöglichkeiten des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes und des Koalitionsvertrags genutzt werden. Ein besonderer Fokus liegt auf Umweltverträglichkeitsprüfungen: Sind sie für die jeweiligen Brücken erforderlich, und wenn sie bereits durchgeführt wurden, mit welchem Ergebnis? Schließlich sollen Angaben zu geplanten Streckensperrungen für die Erneuerungsarbeiten gemacht werden — jeweils für jede Brücke getrennt.
Eine der elf Fragen zielt speziell auf die Brücke am Bahnhof Schladern ab, die derzeit nur eingleisig befahrbar ist. Die Fraktion fragt, ob im Zuge der Erneuerung die Wiederherstellung oder zumindest die Vorbereitung für ein zweites Gleis vorgesehen ist. Dies betrifft einen bekannten Engpass auf der Siegstrecke, der den Zugverkehr auf diesem Abschnitt limitiert.
Hintergrund: Marode Bahnbrücken als bundesweites Problem
Der Zustand von Eisenbahnbrücken ist ein bundesweit diskutiertes Thema. Die DB InfraGO hat in den vergangenen Jahren systematisch Bewertungen aller Brücken im Netz vorgenommen und die Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht. Für die grenzüberschreitende Eisenbahninfrastruktur stellen sich ähnliche Fragen nach dem Sanierungsstand und den Planungsverfahren. Die Siegstrecke verbindet das Rheinland mit dem Siegerland und dem südlichen Sauerland — eine für Pendler und den Regionalverkehr bedeutsame Verbindung, die durch Sperrungen und Umleitungen erheblich beeinträchtigt wird.
Brückensanierungen im Bahnbereich erfordern häufig aufwendige Genehmigungsverfahren, die die eigentliche Bauzeit weit übersteigen können. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz sieht Beschleunigungsmöglichkeiten vor, deren tatsächliche Anwendung die Fragesteller nun konkret abfragen. Wie das Beispiel des Umweltbonus zeigt, sind parlamentarische Nachfragen zu Infrastrukturprogrammen ein übliches Instrument, um Transparenz über staatliche Planungen herzustellen.
Die Antwortfrist der Bundesregierung endet am 26. August 2026. Ob und wann die übrigen maroden Siegbrücken erneuert werden, bleibt bis dahin offen — ebenso die Frage, welche weiteren Streckensperrungen auf Pendler und Reisende zwischen Köln und Siegen zukommen.
Weiterlesen:
- Grenzüberschreitende Eisenbahninfrastruktur: 45 Fragen an neun Nachbarstaaten
- Gebäudeenergieregister: Viele Fragen offen, EU-Frist März 2027
Betroffen sind in erster Linie Pendler und Reisende auf der Verbindung zwischen Köln und Siegen sowie dem gesamten Siegerland. Darüber hinaus sind Anwohner entlang der Strecke von möglichen künftigen Streckensperrungen betroffen, die sich aus dem Sanierungsbedarf der Brücken ergeben könnten.
Die Kleine Anfrage wurde am 5. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die 11 Fragen schriftlich zu beantworten — die Antwortfrist läuft bis zum 26. August 2026. Mit der Antwort ist das parlamentarische Verfahren abgeschlossen.
- Zustandsklasse 4
- Die schlechteste von vier Bewertungsstufen im Brückenzustandssystem der DB InfraGO. Brücken in dieser Klasse weisen erhebliche Schäden auf, für die Teil- oder Vollerneuierungen geplant werden müssen.
- Planfeststellungsverfahren
- Förmliches Genehmigungsverfahren für Infrastrukturvorhaben, das Umweltprüfungen, Öffentlichkeitsbeteiligung und die Abwägung aller betroffenen Belange umfasst.
- Infrastruktur-Zukunftsgesetz
- Bundesgesetz zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Verkehrsinfrastrukturprojekte, auf das die Fragesteller in ihrer Anfrage Bezug nehmen.
Was ist die Zustandsklasse 4 bei Eisenbahnbrücken?
Zustandsklasse 4 ist die schlechteste Einstufung im Bewertungssystem der DB InfraGO. Für betroffene Brücken sind laut DB-Webseite Teil- oder Vollerneuierungsmaßnahmen zu planen.
Wann beginnt die geplante Streckensperrung auf der Siegstrecke?
Laut der vorherigen Anfrage (BT-Drs. 21/4098) soll der Abschnitt Hennef (Sieg)–Siegen ab Dezember 2026 für sieben Monate gesperrt werden.
Warum werden nicht alle maroden Brücken in der Sperrpause erneuert?
Das ist eine der Kernfragen der Anfrage. Die Grünen erkundigen sich, warum nur 636 m² von 7.418 m² maroder Brückenfläche in der Sperrpause saniert werden sollen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7483 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































