- 148.311 Personen trotz Haftbefehl auf freiem Fuß (Stand: 1. Juli 2026)
- 170.667 offene Haftbefehle insgesamt – 94 davon betreffen Gefährder
- Rund 15.000 Fahndungen wegen mutmaßlicher Gewalttaten
Hintergrund
Die Zahl der offenen Haftbefehle in Deutschland ist ein wiederkehrendes Thema in der Innenpolitik. Haftbefehle können aus verschiedenen Gründen nicht vollstreckt werden: Die gesuchten Personen sind untergetaucht, ins Ausland geflohen oder ihr Aufenthaltsort ist unbekannt. Laut der Vorbemerkung der anfragenden Fraktion betreffen knapp neun Prozent der Fahndungen mutmaßliche Gewalttäter. Die Anfrage ist am 5. Oktober 2026 eingereicht und als Drucksache 21/8349 am 6. Oktober 2026 veröffentlicht worden.
- 148.311 Personen — per Haftbefehl gesucht zum Stichtag 1. Juli 2026
- 170.667 offene Haftbefehle — Gesamtzahl, da gegen Einzelpersonen mehrere Verfahren laufen können
- 94 Gefährder — darunter Personen, denen Terroranschläge zugetraut werden
- ca. 15.000 Fahndungen — betreffen mutmaßliche Gewalttäter, überwiegend wegen gefährlicher Körperverletzung (knapp 9 % aller Fälle)
Im Detail
In Deutschland befinden sich fast 150 000 Menschen trotz Haftbefehls auf freiem Fuß. Zum Stichtag am 1. Juli 2026 fahndete die Polizei nach exakt 148 311 Personen.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/8349, AfD-Fraktion
Fast 150.000 Menschen befinden sich in Deutschland trotz eines richterlich angeordneten Haftbefehls auf freiem Fuß. Zum Stichtag am 1. Juli 2026 fahndete die Polizei nach exakt 148.311 Personen. Da gegen manche Gesuchte mehrere Verfahren gleichzeitig laufen, liegt die Gesamtzahl der offenen Haftbefehle mit 170.667 noch einmal deutlich höher. Diese Zahlen bilden den Ausgangspunkt für die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8349, die Abgeordnete der AfD-Fraktion am 5. Oktober 2026 an die Bundesregierung gerichtet haben.
Haftbefehle in Deutschland: Wer wird gesucht?
Besonders brisant ist aus Sicht der Fragesteller die Zusammensetzung der Fahndungspersonen. Laut der Vorbemerkung der Anfrage befinden sich unter den Gesuchten 94 sogenannte Gefährder – Personen, denen Sicherheitsbehörden schwere politisch motivierte Straftaten wie Terroranschläge zutrauen. Zudem betreffen rund 15.000 der Fahndungen (knapp neun Prozent) mutmaßliche Gewalttäter, überwiegend wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Anfrage zielt darauf ab, diese Gesamtlage nach Nationalitäten, Deliktarten und regionaler Verteilung zu durchleuchten.
Neun Fragen zu Nationalitäten, Delikten und Bundesländern
Die AfD-Fraktion stellt insgesamt neun Fragen, die eine umfassende Datenbasis zur Entwicklung der offenen Haftbefehle seit 2015 aufbauen sollen. Gefragt wird unter anderem nach der Aufschlüsselung nach 20 häufigen ausländischen Nationalitäten – darunter rumänisch, bulgarisch, georgisch, syrisch, afghanisch und somalisch – sowie nach Kriminalitätskategorien wie Straftaten gegen das Leben, Sexualdelikte, Rohheitsdelikte und Vermögensdelikte. Ergänzend soll die regionale Verteilung auf alle 16 Bundesländer dargestellt werden. Eine weitere Frage betrifft die 30 häufigsten Vornamen der aktuell Gesuchten, was in der Vergangenheit bei ähnlichen Anfragen regelmäßig Debatten ausgelöst hat. Schließlich fragt die Fraktion nach der durchschnittlichen Dauer bis zur Vollstreckung eines Haftbefehls – aufgeschlüsselt nach deutschen und ausländischen Staatsangehörigen.
Rückfalltaten und politisch motivierte Kriminalität
Die Anfrage erkundigt sich auch, wie viele der per Haftbefehl gesuchten Personen zwischenzeitlich erneut tatverdächtig geworden sind – insbesondere im Bereich der Sexual- und Gewaltkriminalität. Darüber hinaus soll die Bundesregierung Auskunft geben, welche Deliktarten den nicht vollstreckten Haftbefehlen im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) zugrunde liegen, aufgeschlüsselt nach Phänomenbereichen und Nationalitäten. Diese Fragen berühren ein grundsätzliches Problem der Strafverfolgung: Haftbefehle können nicht vollstreckt werden, wenn Personen untergetaucht sind, ihren Aufenthaltsort verschleiern oder sich ins Ausland abgesetzt haben.
Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Vergleichbare Themen – etwa Abschiebungen nach Somalia oder Identitätsbetrug im Einbürgerungsverfahren – zeigen, wie vielfältig parlamentarische Kontrolle im Bereich Recht und Inneres eingesetzt wird. Auch die Fragen zum Serbien-EU-Beitritt dokumentieren das Interesse des Parlaments an grenzüberschreitenden Sicherheitsfragen.
Die Anfrage betrifft die öffentliche Sicherheit in Deutschland und damit die gesamte Bevölkerung. Besonders relevant sind die Daten für Strafverfolgungsbehörden, Politik und Wissenschaft, die die Entwicklung der Fahndungszahlen seit 2015 analysieren wollen. Die Aufschlüsselung nach Bundesländern und Nationalitäten ist auch für regionale Sicherheitsbehörden von Interesse.
Die Kleine Anfrage ist am 6. Oktober 2026 beim Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat nach § 104 der Geschäftsordnung des Bundestages grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt Zeit, schriftlich zu antworten. Sobald die Antwort vorliegt, wird sie als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Gefährder
- Personen, denen Sicherheitsbehörden die Begehung schwerer politisch motivierter Straftaten, insbesondere Terroranschläge, zutrauen. Der Begriff ist keine Rechtskategorie, sondern ein polizeiliches Lagebild.
- PMK
- Politisch motivierte Kriminalität – ein Erfassungssystem der deutschen Polizei für Straftaten mit politischem Hintergrund, unterteilt in Phänomenbereiche wie Links, Rechts, Ausländer und Religiöse Ideologie.
- Haftbefehl
- Ein richterlicher Beschluss, der die Festnahme einer Person anordnet, etwa weil Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr oder Wiederholungsgefahr besteht.
Wie viele offene Haftbefehle gibt es in Deutschland?
Laut der Drucksache lag die Gesamtzahl offener Haftbefehle zum 1. Juli 2026 bei 170.667, da gegen manche Personen mehrere Verfahren gleichzeitig laufen. Die Zahl der per Haftbefehl gesuchten Personen betrug 148.311.
Was sind Gefährder im Kontext der Haftbefehlsfahndung?
Als Gefährder bezeichnet die Polizei Personen, denen Sicherheitsbehörden schwere politisch motivierte Straftaten wie Terroranschläge zutrauen. Laut der Anfrage befanden sich 94 solcher Gefährder unter den Gesuchten.
Was fragt die AfD die Bundesregierung konkret?
Die AfD erkundigt sich in neun Fragen nach der Entwicklung der Haftbefehle seit 2015, der Aufschlüsselung nach Nationalitäten und Deliktarten, der regionalen Verteilung auf Bundesländer, Rückfalltaten Gesuchter sowie den häufigsten Vornamen der Fahndungspersonen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8349 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































