- 27 Fragen zum Stand des Wasserstoffhochlaufs in Deutschland
- Erste Unternehmen geben wasserstoffbasierte Produktion auf
- 50 bis 70 Prozent des Bedarfs sollen importiert werden
Hintergrund
Deutschland plant, seinen Wasserstoffbedarf zu 50 bis 70 Prozent durch Importe zu decken, während heimische grüne Produktion aufgebaut werden soll. Das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz aus der 20. Wahlperiode bildet bislang den rechtlichen Rahmen. Laut einem Handelsblatt-Bericht, den die Anfrage zitiert, nehmen erste Unternehmen von einer wasserstoffbasierten Produktion Abstand und verzichten dabei sogar auf bereits zugesagte Fördermittel — ein Zeichen für wachsende Unsicherheit über die wirtschaftliche Tragfähigkeit entsprechender Investitionen.
Im Detail
Es braucht jetzt eine klare Ansage der Ministerin, wohin die Reise bei diesem Thema geht, sodass die Wirtschaft Planungs- und Investitionssicherheit erhält und Entscheidungen für die Zukunft treffen kann.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8519
Grüner Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für eine klimaneutrale Industrie — doch der Wasserstoffhochlauf in Deutschland kommt nach Einschätzung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nicht schnell genug voran. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8519 vom 13. Oktober 2026 stellen sieben Abgeordnete der Fraktion insgesamt 27 Fragen an die Bundesregierung. Der Kern: Was plant Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche konkret, um Unternehmen, die bereits in Wasserstoff investiert haben, Planungs- und Investitionssicherheit zu geben?
Wasserstoffhochlauf: Erste Unternehmen kehren um
Die Dringlichkeit der Anfrage unterstreicht ein in der Drucksache zitierter Handelsblatt-Bericht, wonach erste Unternehmen von einer wasserstoffbasierten Produktion Abstand nehmen und dafür sogar auf bereits bewilligte Fördermittel verzichten. Dieser Rückzug aus dem Wasserstoffhochlauf wirft Fragen auf: Gefährdet er die Auslastung und Finanzierung des geplanten Wasserstoffkernnetzes, wenn potenzielle Abnehmer ausbleiben? Die Fraktion erkundigt sich daher explizit nach der Haltung der Bundesregierung zu diesem Trend und nach möglichen Gegenmaßnahmen.
Deutschland plant, 50 bis 70 Prozent seines Wasserstoffbedarfs durch Importe zu decken. Die Anfrage thematisiert, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, über welche Häfen und Terminals der Import von grünem Wasserstoff und Ammoniak laufen soll und wie die Bundesregierung eine Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern verhindern will.
Was gilt aktuell?
Als rechtliche Grundlage für den Wasserstoffhochlauf dient derzeit vor allem das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz, das in der 20. Wahlperiode auf den Weg gebracht wurde. Ergänzend wurden von der Vorgängerregierung Carbon Contracts for Difference (CCfD) eingeführt — staatliche Absicherungsverträge, die Unternehmen einen festen CO₂-Preis garantieren. Die Anfrage sieht diese Instrumente als notwendig, aber nicht ausreichend an und fragt nach weitergehenden Maßnahmen zur Senkung der Erzeugungskosten und zur Absicherung der Nachfrage.
Mittelstand und Fachkräfte: Lücken im Fördersystem
Ein besonderes Augenmerk legt die Anfrage auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Fragesteller bemängeln aus ihrer Sicht, dass bisherige Maßnahmen sich stärker auf Großkonzerne konzentrieren. Konkret fragen sie, ob das TCTF-basierte Teilmodul 2 der Bundesförderung für Industrie und Klimaschutz (BIK), das Ende 2025 ausläuft, ein Nachfolgeinstrument erhält — und wenn ja, in welchem Haushaltstittel mit welchem Volumen. Auch die Ausbildungsfrage kommt nicht zu kurz: Die Abgeordneten wollen wissen, welche Maßnahmen die Bundesregierung ergreift, um Wasserstoffinhalte in Berufsschulen und die Aufstiegsfortbildung zu integrieren, und ob es eine auf die Ziele der Nationalen Wasserstoffstrategie abgestimmte Fachkräfteprognose gibt.
Infrastruktur und europäische Koordinierung
Weitere Fragen richten sich an den Stand konkreter Infrastrukturprojekte: Das H2-Pipelineprojekt zwischen Lingen und Leuna, das PtX-Labor in der Lausitz sowie das Concrete-Chemicals-Projekt in Schwedt stehen ebenso im Fokus wie der allgemeine Ausbaustand des Wasserstoffkernnetzes und der Speicherinfrastruktur. Auf europäischer Ebene fragen die Abgeordneten, ob die Bundesregierung mit der EU-Kommission über die RFNBO-Verordnung (VO 2023/1184) verhandelt, die Anforderungen an grünen Wasserstoff festlegt, und welche Maßnahmen Deutschland ergriffen hat, um einen koordinierten Markthochlauf mit anderen EU-Mitgliedstaaten zu ermöglichen. Auch die Umsetzung der im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD verankerten Wasserstoffziele (Randnummern 1093 bis 1113) und mögliche Lücken dabei sind Gegenstand der Anfrage.
Die Antwort der Bundesregierung auf die 27 Fragen steht noch aus. Zum Thema Energiepolitik und staatlicher Förderung im Technologiebereich berichtet drucksachlich.de auch über die Bundesförderung von 101 Mio. Euro für Hirnforschung sowie über geplante Verbrauchsteuerreformen ab 2027.
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Betroffen sind vor allem energieintensive Industrieunternehmen — insbesondere aus der Stahl-, Chemie- und Grundstoffbranche —, die bereits in Wasserstofftechnologien investiert haben oder dies planen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen dabei vor besonderen Herausforderungen, da bisherige Förderinstrumente laut Anfrage stärker auf Großunternehmen ausgerichtet sind. Darüber hinaus sind Fachkräfte in Montage-, Betriebs- und Wartungsberufen betroffen, für die eine Qualifizierungsoffensive im Bereich Wasserstoff bislang fehlt.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8519 ist am 13. Oktober 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt zu beantworten. Die Antwort steht noch aus.
- Wasserstoffhochlauf
- Bezeichnet den strukturierten, politisch flankierten Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft — von Produktion und Transport bis hin zur industriellen Nutzung.
- RFNBO
- Renewable Fuels of Non-Biological Origin — EU-Verordnung 2023/1184, die Anforderungen an erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (wie grünen Wasserstoff) festlegt.
- Carbon Contracts for Difference (CCfD)
- Staatliche Verträge, die Unternehmen einen garantierten CO₂-Preis zusichern und damit Investitionen in klimaneutrale Verfahren wirtschaftlich absichern sollen.
Was ist das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz?
Das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz wurde in der vorangegangenen Wahlperiode auf den Weg gebracht und soll bürokratische Hürden für den Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur abbauen. Die Anfrage sieht es lediglich als einen ersten, nicht ausreichenden Schritt.
Warum ist grüner Wasserstoff für die Industrie wichtig?
In Industriezweigen wie der Stahl- oder Chemieerzeugung lässt sich der CO₂-Ausstoß nicht allein durch Elektrifizierung eliminieren. Grüner Wasserstoff gilt als zentraler Rohstoff für eine klimaneutrale Produktion.
Wie viel Wasserstoff muss Deutschland importieren?
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums, auf die die Anfrage verweist, sollen 50 bis 70 Prozent des deutschen Wasserstoffbedarfs durch Importe gedeckt werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8519 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































