Antrag eingereicht
- Ostsee ist zu 100% eutrophiert
- 31 Schutzmaßnahmen gefordert
- Stellnetz-Verbote in Schutzgebieten geplant
Grüne fordern umfassenden Ostsee-Schutz gegen Überfischung
Hintergrund
Die Ostsee gilt als eines der am stärksten belasteten Meere weltweit. Überfischung, Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, Munitionsaltlasten und die Klimakrise setzen dem halbumschlossenen Meer zu. Ein gestrandeter Buckelwal im März 2026 machte die Probleme öffentlich sichtbar. Die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sollte bereits 2020 einen guten Umweltzustand erreichen – ohne Erfolg.
Die Gewässer der Ostsee sind zu 100 Prozent eutrophiert. Bei der Belastung durch Gesamtstickstoff- und Gesamtphosphorfrachten zeigten sich im letztmaligen 10-Jahres-Bewertungszeitraum (2011 – 2020) weiterhin keinerlei abnehmende Trends.
— Antragsbegründung BT-Drs. 21/6014
Die Grünen-Fraktion stellt in einem Antrag vom 19. Mai 2026 (BT-Drs. 21/6014) den Zustand der Ostsee dar und fordert die Bundesregierung zu 31 Maßnahmen auf. Das halbumschlossene Meer steht vor dem ökologischen Kollaps, warnt die Fraktion um Steffi Lemke.
Die Zahlen sind dramatisch: 100 Prozent der Ostsee-Gewässer sind eutrophiert – überdüngt durch Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Industrie. Sauerstoffarme Zonen breiten sich aus und zerstören Lebensräume am Meeresboden. Dies ist bemerkenswert, da die Ostsee sich doppelt so schnell wie der globale Ozeandurchschnitt erwärmt.
Die Grünen wollen die überlastete Ostsee mit strengeren Regeln für Fischerei, Industrie und Schifffahrt retten.
Kernforderungen des 31-Punkte-Plans
Nullnutzungszonen auf mindestens 10 Prozent der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone sieht der Antrag vor. Dort soll jegliche wirtschaftliche Nutzung untersagt werden. Besonders umstritten dürfte das vollständige Verbot der Fischerei mit Stellnetzen in Meeresschutzgebieten sein – diese stellen eine Gefahr für die vom Aussterben bedrohten Schweinswale dar, argumentieren die Grünen.
Darüber hinaus verlangt die Fraktion die Reduzierung von Schadstoffen und strengere Kontrollen der Schifffahrt. Ein Verbot der Öl- und Gasförderung in deutschen Gewässern wird gefordert. Die Wiedereinführung des 2024 abgeschafften Postens eines Meeresbeauftragten der Bundesregierung ist ebenfalls vorgesehen.
Europäische Dimension
Meeresschutz endet nicht an Grenzen – entsprechend fordern die Grünen europäische Lösungen. Hintergrund ist, dass alle Ostsee-Anrainerstaaten von der Verschmutzung betroffen sind. Sie verlangen einen „Ocean Act“ auf EU-Ebene und ein eigenes Mindestbudget für Meeresschutz im nächsten EU-Haushalt 2028-2034. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Ostsee-Anrainerstaaten soll intensiviert werden.
Als Begründung verweist der Antrag auf ein Ereignis: Die „riesige Anteilnahme am Schicksal nur eines gestrandeten Buckelwals im März 2026“ zeigt, dass die Menschen dem Naturschutz „enorme Wichtigkeit“ beimessen. Diese Aufmerksamkeit nutzen die Grünen für ihre weitreichenden Forderungen.
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Betroffen sind Küstenbewohner, Fischer, Tourismus-Unternehmen und alle Meereslebewesen der Ostsee. Besonders gefährdet sind vom Aussterben bedrohte Schweinswale, Robben und Seevögel. Auch die Fischerei-Branche muss sich auf neue Beschränkungen einstellen.
Der Antrag wird zunächst an den zuständigen Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz überwiesen. Dort erfolgen Beratungen und Anhörungen. Eine erste Lesung im Plenum folgt voraussichtlich in den kommenden Wochen.
- Eutrophierung
- Überdüngung von Gewässern durch zu hohe Nährstoffkonzentrationen, die zu Algenwachstum und Sauerstoffmangel führt.
- Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ)
- Meeresgebiet bis 200 Seemeilen vor der Küste, in dem Deutschland souveräne Rechte zur Nutzung der Meeresressourcen hat.
- Beifang
- Ungewollter Fang von Meerestieren, die nicht das eigentliche Fangziel sind und oft tot zurück ins Meer geworfen werden.
Was bedeutet eutrophiert?
Überdüngung durch zu viele Nährstoffe, die zu Sauerstoffmangel und Algenwachstum führt.
Warum sind Stellnetze problematisch?
Schweinswale und andere Meerestiere verfangen sich als Beifang und ertrinken qualvoll.
Was sind Nullnutzungszonen?
Meeresgebiete ohne jegliche wirtschaftliche Nutzung zum Schutz der Ökosysteme.























































