- 900 neue Zug-Informationsmonitore sollen bis Dezember 2026 installiert sein
- Latenz zwischen Bahnhofsanzeiger und DB Navigator: maximal 10 Sekunden ab 12/2026
- DB Navigator-Übertragung auf InfraGO wegen EU-Regelung vorerst gestoppt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7678 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Bereits in einem früheren Bericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages (Ausschussdrucksache 20(8)7519) hatte die Bundesregierung erläutert, dass keine strukturellen Änderungen beim DB Navigator geplant seien. Am 8. Juli 2025 kündigten Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla das Sofortprogramm ‚Bessere Kundenkommunikation‘ an. Die EU-Kommission legte am 13. Mai 2026 eigene Vorschläge zur Vereinfachung des Bahnticketvertriebs in Europa vor, die die geplante Übertragung des DB Navigators auf die DB InfraGO AG vorerst blockieren.
- > 90 Prozent — Ziel für rechtzeitige Halteausfallmeldungen bei DB-Verkehren bis Dezember 2026.
- > 74 Prozent — Zielwert für die Qualität der Verspätungsprognose bei verspäteten DB-Zügen bis Dezember 2026.
- max. 10 Sekunden — Angestrebte maximale Latenz zwischen Bahnhofsanzeiger und DB Navigator ab Dezember 2026.
- 900 Monitore — Geplante Anzahl installierter Zug-Informationsmonitore bis Ende 2026.
- 60 Sekunden — Aktuelle technisch bedingte Verarbeitungslatenz auf der Vertriebs- und Serviceplattform der DB AG.
Im Detail
Die Übertragung des DB Navigators von der DB Fernverkehr AG auf die DB InfraGO AG wurde daher bis auf weiteres ausgesetzt, da sie durch den Vorschlag der Europäischen Kommission für einheitliche europaweite Regelungen für Bahnticket-Vertriebsplattformen gegebenenfalls kurzfristig weitere Anpassungen erforderlich würden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7678, S. 4
Ungenaue Verspätungsangaben, falsche Gleise, nicht fahrbare Verbindungen im DB Navigator — das sind Beschwerden, die Bahnreisende in Deutschland seit Jahren begleiten. Die Bundesregierung hat nun auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/7451) geantwortet und legt mit BT-Drs. 21/7678 vom 20. August 2026 konkrete Zielgrößen des Sofortprogramms ‚Bessere Kundenkommunikation‘ vor.
DB Navigator: Konkrete Ziele für bessere Kundenkommunikation
Laut Antwort der Bundesregierung hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) zusammen mit der DB AG ein Gesamtpaket entwickelt, das in drei Hebeln organisiert ist. Für Ende 2026 gelten folgende messbare Zielgrößen: Mehr als 90 Prozent der Halteausfälle sollen rechtzeitig gemeldet werden, die Qualität der Verspätungsprognose soll über 74 Prozent liegen, und die Latenz zwischen Bahnhofsanzeiger und DB Navigator soll auf maximal 10 Sekunden sinken. Außerdem sind 900 installierte Zug-Informationsmonitore sowie der Rollout eines KI-Chats auf bahn.de im vierten Quartal 2026 vorgesehen. Der Aufbau einer betreiberübergreifenden Meldungsseite ist für September 2026 und die Einführung der anbieterneutralen App DB Info für Dezember 2026 geplant.
Was gilt aktuell?
Heute besteht laut DB AG eine technisch bedingte Latenz von rund 60 Sekunden zwischen der Erfassung von Informationen in den Verkehrsleitungen und deren Anzeige im DB Navigator oder auf bahn.de. Diese Verzögerung lässt sich nach Angaben der DB AG weder durch Personalaufstockung noch durch organisatorische Umstrukturierungen beseitigen — ausschließlich technische Lösungen helfen weiter. Für besonders zeitkritische Fälle wie Gleiswechsel oder Wagenreihungsänderungen wurden im Rahmen des Sofortprogramms bereits spezifische technische Maßnahmen umgesetzt. Historische Daten darüber, wie viele Ausfälle oder Verspätungen in den Jahren 2024 und 2025 nicht korrekt im DB Navigator angezeigt wurden, kann die DB AG nach eigenen Angaben nicht liefern: Eine entsprechende historische Auswertung sei technisch nicht möglich.
DB Navigator-Übertragung auf InfraGO vorerst gestoppt
Ein zentrales politisches Ziel — die Übertragung des DB Navigators von der DB Fernverkehr AG auf die DB InfraGO AG zur Stärkung der Wettbewerbsneutralität — ist vorerst auf Eis gelegt. Laut Antwort der Bundesregierung hat die Europäische Kommission am 13. Mai 2026 Vorschläge vorgelegt, nach denen Vertriebsplattformen marktbeherrschender Eisenbahnverkehrsunternehmen künftig verpflichtet werden sollen, auch Verbindungen und Tickets von Wettbewerbern anzuzeigen und zu verkaufen. Da eine vorzeitige Übertragung auf InfraGO kurzfristige Nachbesserungen erfordern könnte, sobald europaweite Regeln in Kraft treten, hat das BMV diesen Schritt ausgesetzt. Die geplante Übertragung der organisatorischen und personellen Verantwortung für die Reisendeninformationsplattform auf DB InfraGO soll dagegen wie vorgesehen zum 1. Januar 2027 erfolgen.
Ticketvertrieb: Keine Änderungen für Wettbewerber geplant
Die Grünen-Fraktion hatte auch gefragt, ob das Sofortprogramm einen faireren Zugang für andere Eisenbahnunternehmen im DB Navigator vorsehe. Die Antwort der Bundesregierung fällt klar aus: Im Rahmen des Sofortprogramms sind keine Änderungen beim Vertrieb vorgesehen. Die DB AG verkauft in ihren Kanälen primär eigene Produkte sowie Angebote von Verbünden mit DB-Beteiligung. Direkte Wettbewerber werden derzeit nicht verkauft. Nur wo gesetzlich vorgeschrieben, zeigt die DB AG deren Verbindungen als Reiseoption an. Kombinierte Tickets verschiedener Eisenbahnunternehmen in einem einzigen Dokument sind aus technischen und fahrgastrechtlichen Gründen derzeit nicht möglich; stattdessen wird nach dem europäischen Standard OSDM (Open Sales and Distribution Model) ein Gesamtpreis angezeigt, während im Hintergrund mehrere rechtlich separate Tickets ausgestellt werden.
Buchwert des DB Navigators bleibt geheim
Die Frage nach dem aktuellen Buchwert des DB Navigators sowie dem Wert bei der Übertragung von DB Vertrieb auf DB Fernverkehr zum 1. April 2023 beantwortet die Bundesregierung nicht öffentlich. Das BMV hat diese Information als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis eingestuft und als VS-Vertraulich klassifiziert. Die Antwort liegt in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages und kann dort nach Maßgabe der Geheimschutzordnung eingesehen werden. Das BMV begründet dies mit möglichen wirtschaftlichen und finanziellen Nachteilen für die DB AG sowie mit dem fiskalischen Interesse des Bundes als Eigentümer.
Das Thema Bahnreform und Kundenkommunikation steht seit längerem auf der politischen Agenda. Bereits in früheren Debatten zu Infrastrukturprogrammen und deren Kosten zeigte sich, wie schwierig es ist, konkrete Zielgrößen und Sanktionsmechanismen durchzusetzen. Das BMV hat angekündigt, die Wirksamkeit des Sofortprogramms eng zu überwachen.
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Betroffen sind alle Fahrgäste der Deutschen Bahn, die den DB Navigator oder bahn.de für Reiseplanung, Echtzeitinformationen und Ticketkauf nutzen. Darüber hinaus sind Eisenbahnverkehrsunternehmen außerhalb der DB AG betroffen, deren Datenqualität auf der gemeinsamen Reisendeninformationsplattform mitentscheidend für korrekte Verbindungsanzeigen ist.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen inhaltlich beantwortet, verweist bei Frage 1 jedoch darauf, dass eine historische Auswertung der Datenweitergabe technisch nicht möglich sei. Den Buchwert des DB Navigators (Frage 8) stufte das BMV als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis ein und legte die Antwort als VS-Vertraulich in der Geheimschutzstelle ab.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. DB Navigator: Grüne fragen nach Sofortprogramm Kundenkommunikation →
- DB InfraGO AG
- Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, die für das Schienennetz und Bahnhöfe zuständig ist und künftig betreiberübergreifende Reisendeninformationen bereitstellen soll.
- EVU
- Eisenbahnverkehrsunternehmen — alle Anbieter, die Personenzüge auf dem deutschen Schienennetz betreiben, also neben der DB AG auch private Anbieter.
- OSDM
- Open Sales and Distribution Model — europäischer Industriestandard, der die Ausgabe rechtlich selbständiger Tickets mehrerer Bahnunternehmen in einem gemeinsamen Buchungsvorgang ermöglicht.
Was ist das Sofortprogramm 'Bessere Kundenkommunikation'?
Das am 8. Juli 2025 vom Bundesverkehrsminister und der DB-Vorstandsvorsitzenden angekündigte Programm soll Reisende schneller und zuverlässiger über Ausfälle, Verspätungen und Gleisänderungen informieren — unter anderem über den DB Navigator und bahn.de.
Warum wird der DB Navigator nicht an DB InfraGO übertragen?
Die Europäische Kommission hat am 13. Mai 2026 Vorschläge für europaweite Regeln für Bahnticket-Vertriebsplattformen vorgelegt. Eine vorzeitige Übertragung könnte kurzfristig weitere Anpassungen erfordern, weshalb die Übertragung vorerst ausgesetzt wurde.
Wie lange dauert die Datenverzögerung im DB Navigator technisch?
Laut DB AG besteht eine technisch bedingte Latenz von rund 60 Sekunden, die weder durch organisatorische noch personelle Maßnahmen reduziert werden kann. Für zeitkritische Fälle wie Gleiswechsel wurden gesonderte technische Lösungen entwickelt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7678 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































