- Vorplanung Freiburger Bucht (8.5–8.9) abgeschlossen, Finanzierung offen
- Keine konkreten S-Bahn-Infrastrukturplanungen für Strecke 4312 vorhanden
- Breisgau-S-Bahn-Studie untersucht vier Varianten, noch nicht abgeschlossen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7651 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Ausbau der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel (ABS/NBS Karlsruhe–Basel) ist eines der größten Schienenprojekte Deutschlands. In der Region Freiburg umfasst er die Planfeststellungsabschnitte 8.5 bis 8.9 (sogenannte Freiburger Bucht). Parallel dazu entsteht eine neue Güterumfahrung Freiburg, die die bisherige innerstädtische Güterumgehungsbahn (Strecke 4312) vom Güterverkehr entlasten soll. Für diese frei werdende Strecke haben Verkehrsplaner und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ein Betriebskonzept für eine neue S-Bahn-Verbindung im Freiburger Westen entwickelt. Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) hat die DB AG bereits mit einer Betriebsprogrammstudie zur Breisgau-S-Bahn 2.0 beauftragt.
- 4 Varianten — Die Betriebsprogrammstudie zur Breisgau-S-Bahn 2.0 hat für vier Varianten den Ausbaubedarf für Nahverkehrsausweitungen definiert.
- 15.000 Arbeitsplätze — So viele Arbeitsplätze befinden sich im Industriegebiet Nord im direkten Umfeld der Strecke 4312.
- 8,5 Fahrten/Stunde je Richtung — Angestrebte mittelfristige Kapazität der Rheintalbahn (Strecke 4000) laut Zukunftsfahrplan Baden-Württemberg.
- 1. Halbjahr 2031 — Geplanter Zeitraum für die Korridorsanierung des Abschnitts Mannheim–Karlsruhe auf der Rheintalbahn.
Im Detail
Nach Kenntnis der DB AG sind aktuell noch keine konkreten Infrastrukturplanungen für einen S-Bahn-Verkehr auf der Güterumgehungsbahn aufgenommen worden. Insofern kann keine Risikobewertung vorgenommen werden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7651, S. 3
Im Freiburger Westen liegt eine alte Gütergleisstrecke, die seit Jahrzehnten primär dem Frachtverkehr dient. Sobald die neue Güterumfahrung Freiburg in Betrieb geht, werden auf dieser Güterumgehungsbahn — der Strecke 4312 — erhebliche Kapazitäten frei. Verkehrsplaner sehen darin eine Chance: Die Westbahn Freiburg soll zur S-Bahn-Strecke werden und das dicht besiedelte westliche Stadtgebiet erschließen. Doch nach der Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/7651 vom 17. August 2026 ist dieser Schritt noch weit entfernt.
Was gilt aktuell?
Die Westbahn Freiburg ist bislang kein eigenständiges Planungsprojekt mit konkreter Infrastrukturplanung. Nach Angaben der Deutschen Bahn AG (DB AG) sind aktuell keine konkreten Infrastrukturplanungen für einen S-Bahn-Betrieb auf der Güterumgehungsbahn aufgenommen worden. Die Strecke 4312 wird zwar in der laufenden Betriebsprogrammstudie zur Breisgau-S-Bahn 2.0 mitbetrachtet — diese Studie untersucht vier Varianten für Nahverkehrsausweitungen und ist noch nicht abgeschlossen. Darüber hinaus prüft die DB AG, ob die Strecke 4312 als Ausweichroute während der Bauarbeiten an der Freiburger Bucht (Strecke 4000, Abschnitte 8.5 bis 8.9) genutzt werden kann.
Westbahn Freiburg: Planungsstand der Freiburger Bucht
Für die unmittelbar relevanten Planfeststellungsabschnitte 8.5 bis 8.9 hat die DB InfraGO AG die Vorplanung abgeschlossen. Wann der Wechsel in die nächste Leistungsphase — also Entwurfsplanung und Einreichung der Planfeststellungsunterlagen — erfolgt, hängt laut Bundesregierung ausschließlich von der Klärung der Projektfinanzierung ab. Konkrete Termine nennt die Antwort nicht. Auf der Rheintalbahn ist in der Region Freiburg keine Korridorsanierung vorgesehen; lediglich der Abschnitt Mannheim–Karlsruhe soll im ersten Halbjahr 2031 korridorsaniert werden.
Genau dieser Planungsstand birgt ein strukturelles Problem: Die künftige Westbahn benötigt an zwei Verknüpfungspunkten höhenfreie Anbindungen an die Rheintalbahn — im Norden bei Gundelfingen und im Süden an der Abzweigstelle Leutersberg. Höhenfreie Anbindungen sind Über- oder Unterführungen, die verhindern, dass S-Bahn-Züge den dichten Fern- und Nahverkehr auf der Rheintalbahn blockieren. Die Strecke 4000 soll laut Zukunftsfahrplan des Landes Baden-Württemberg mittelfristig 8,5 Fahrten pro Stunde je Richtung aufweisen — ohne kreuzungsfreie Einbindung der Westbahn wäre ein dichter S-Bahn-Takt kaum realisierbar.
Warum ist die Westbahn Freiburg politisch relevant?
Im direkten Einzugsbereich der Strecke 4312 entstehen und befinden sich Ziele mit hohem Pendleraufkommen: 15.000 Arbeitsplätze im Industriegebiet Nord, Universität und Universitätsklinikum als größter Arbeitgeber der Region sowie die Freiburger Messe. Hinzu kommt das geplante Stadtquartier Dietenbach — eines der größten Wohnbauprojekte Deutschlands mit Wohnraum für 16.000 Menschen. Ohne frühzeitige Integration der Westbahn-Planungen in die laufenden Infrastrukturprojekte riskiert die Region, dass Trassen und Verknüpfungspunkte dauerhaft verbaut werden. Spätere Anpassungen wären mit erheblichen Mehrkosten verbunden oder technisch kaum noch möglich.
Die Grünen-Fraktion hatte in ihrer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/7410) gezielt gefragt, ob eine integrierte Planung der höhenfreien Abzweigstellen mit der Generalsanierung der Freiburger Bucht möglich sei und welche Synergieeffekte dabei zu erwarten wären. Die Antwort der Bundesregierung bleibt hier weitgehend offen: Da keine geänderte Aufgabenstellung für den Ausbau der Freiburger Bucht vorliegt, die die höhenfreie Anbindung der Westbahn einschließt, können laut Bundesregierung weder Planungsumfang noch Synergieeffekte bewertet werden. Eine Risikobewertung für den Fall getrennter Planungsläufe lehnt die DB AG ebenfalls ab — mangels konkreter Infrastrukturplanung für die Westbahn.
Westbahn Freiburg: Nächste Schritte unklar
Die Situation ähnelt einem Henne-Ei-Problem: Solange keine konkreten Infrastrukturplanungen für die Westbahn existieren, kann keine Risikobewertung für getrennte Planungsläufe vorgenommen werden. Und solange die Finanzierung der Freiburger Bucht nicht geklärt ist, beginnt die nächste Planungsphase für die Rheintalbahn in dieser Region nicht. Für Pendler, Stadtplaner und künftige Bewohner des Freiburger Westens bedeutet das: Die S-Bahn auf der alten Gütergleisstrecke bleibt vorerst eine Perspektive ohne verbindlichen Zeitplan.
Ähnliche Koordinierungsprobleme zwischen Güter- und Personenverkehrsplanung zeigen sich auch andernorts im deutschen Schienennetz, wie etwa beim Schienennetz in Ostdeutschland, wo seit 1990 rund 2.600 Kilometer Strecke stillgelegt wurden. Auch die laufende Generalsanierung Rosenheim–Salzburg zeigt, wie komplex die Koordination von Bausperrungen und Ausweichrouten in der Praxis ist.
Direkt betroffen sind Bewohner und künftige Einwohner des Freiburger Westens, darunter die rund 16.000 Menschen, die im geplanten Stadtquartier Dietenbach leben werden. Auch die rund 15.000 Beschäftigten im Industriegebiet Nord sowie Studierende und Mitarbeitende von Universität und Universitätsklinikum Freiburg könnten von einer S-Bahn auf der Strecke 4312 profitieren. Mittelbar sind alle Fahrgäste der Rheintalbahn betroffen, da die Planungsentscheidungen die Kapazität und Taktdichte auf der Strecke 4000 langfristig beeinflussen.
Die Bundesregierung beantwortet die Fragen nach konkreten Planungsfristen (Frage 2) ohne Terminangaben mit dem Verweis auf die noch ausstehende Finanzierungsklärung. Die Fragen 3 bis 5 zu Synergieeffekten und integrierten Planungen bleiben inhaltlich offen, weil laut Bundesregierung keine geänderte Aufgabenstellung vorliegt, auf deren Grundlage eine Bewertung möglich wäre.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Westbahn Freiburg: Planungsstand der Güterumgehungsbahn angefragt →
- Planfeststellung
- Behördliches Genehmigungsverfahren für größere Infrastrukturprojekte wie Bahnstrecken, das Bau- und Betriebsrecht erteilt und in Abschnitte unterteilt wird.
- Höhenfreie Anbindung
- Kreuzungsfreie Verknüpfung zweier Bahnstrecken, etwa durch Über- oder Unterführung, sodass Züge verschiedener Linien sich nicht gegenseitig blockieren.
- Korridorsanierung
- Vollsperrung und Gesamtsanierung eines Streckenabschnitts in einem kompakten Zeitraum, um langwierige Teilsperrungen zu vermeiden.
Was ist die Westbahn Freiburg?
Die Westbahn Freiburg bezeichnet die bisherige innerstädtische Güterumgehungsbahn (Strecke 4312), die nach Fertigstellung der neuen Güterumfahrung für den Schienenpersonennahverkehr genutzt werden soll.
Warum stockt die Planung für die Freiburger Bucht?
Die Vorplanung der Planfeststellungsabschnitte 8.5 bis 8.9 ist abgeschlossen; die nächste Planungsphase beginnt laut Bundesregierung erst, wenn die Projektfinanzierung geklärt ist.
Was untersucht die DB AG aktuell zur Strecke 4312?
Die DB AG untersucht zum einen im Rahmen der Breisgau-S-Bahn-2.0-Studie vier Ausbauvarianten und prüft zum anderen, ob die Strecke 4312 als Bauumleitung während des Ausbaus der Freiburger Bucht genutzt werden kann.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7651 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































