- Rechtsradikale Spender finanzierten Fassaden des Humboldt Forums
- Nur in einem Fall wurde eine Spenderehrung nachweislich geändert
- Über 100 Mitarbeitende forderten 2024 klare Konsequenzen
Hintergrund
Im Herbst 2021 deckten Journalisten des Tagesspiegels und des ZDF auf, dass an der privat finanzierten historischen Fassade des Humboldt Forums Personen aus rechtsradikalen und rechtslastigen Kreisen als Spender beteiligt waren — darunter laut Vorbemerkung der Fragesteller der rechtsextreme Publizist Hans-Ulrich Kopp, der Gründer der Wochenzeitung Junge Freiheit Dieter Stein sowie der Verein „Preußenabend München“. Das Thema war bereits Gegenstand mehrerer parlamentarischer Anfragen in der 20. und 21. Wahlperiode (BT-Drs. 20/9633, 21/4707, 21/5918). Im April 2024 richteten mehr als hundert Mitarbeitende des Humboldt Forums einen offenen Brief an die Hausleitung und forderten acht konkrete Maßnahmen gegen rechtsradikale Tendenzen im institutionellen Umfeld.
Im Detail
Der Förderverein Berliner Schloss e.V. hat seit seiner Gründung aktiv in rechtslastigen und rechtsradikalen Kreisen für Spenden geworben, so in der Jungen Freiheit, bei der Jungen Landmannschaft Ostpreußen, der Clausewitz-Gesellschaft, der Preußischen Gesellschaft Berlin und bei der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft Hamburg.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8751
Das Humboldt Forum in Berlin steht erneut im Mittelpunkt parlamentarischer Nachfragen zu rechtsradikalen Spendern. Die Fraktion Die Linke hat am 21. Oktober 2026 mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8751 sieben Fragen an die Bundesregierung gerichtet, die klären sollen, welche Konsequenzen aus der seit 2021 bekannten Spendenpraxis des Fördervereins Berliner Schloss e.V. gezogen wurden.
Rechtsradikale Spender und das Humboldt Forum
Die historischen Fassaden des Berliner Schlosses — heute Sitz des Humboldt Forums — wurden zu einem erheblichen Teil privat finanziert. Investigative Recherchen von Journalisten des Tagesspiegels und des ZDF machten im Herbst 2021 öffentlich, dass dabei auch Personen aus rechtslastigen und rechtsradikalen Kreisen als Spender auftraten. Laut Vorbemerkung der Fragesteller gehörten dazu unter anderem der Publizist Hans-Ulrich Kopp sowie Dieter Stein, Gründer der Wochenzeitung Junge Freiheit. Der Förderverein habe demnach seit seiner Gründung aktiv in diesen Kreisen für Spenden geworben — etwa in der Jungen Freiheit, bei der Jungen Landmannschaft Ostpreußen und der Clausewitz-Gesellschaft.
Laut Vorbemerkung der Fragesteller war die damalige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie der Vorstand und Stiftungsrat der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (SHF) über die Rechercheergebnisse teilweise vorab informiert worden.
Nur ein dokumentierter Fall von Konsequenzen
Als einzige bekannte Reaktion gilt bislang die nachträgliche Änderung eines Medaillons am Eosanderportal: Das Konterfei des Spenders Rudolf-August-Oetker wurde stillschweigend durch das Logo der Rudolf-August-Oetker-Stiftung ersetzt. Oetker hatte laut Fragesteller den Ausschluss von Juden aus der kaiserlichen Armee verteidigt und das Ausmaß des Holocausts bezweifelt. Die Anfrage will nun unter anderem klären, auf wessen Veranlassung diese Änderung erfolgte. Ehrungen weiterer rechtsradikaler Spender blieben den Fragestellern zufolge bislang unangetastet.
Mitarbeiterbrief und parlamentarische Vorgeschichte
Im April 2024 unterzeichneten mehr als hundert Beschäftigte des Humboldt Forums einen gemeinsamen Brief an die Hausleitung. Sie forderten acht konkrete Maßnahmen für eine klare Positionierung gegen antidemokratische, geschichtsrevisionistische und rechtsradikale Tendenzen im institutionellen Umfeld des Humboldt Forums. Die Anfrage erkundigt sich, wie die Bundesregierung zu diesem Brief steht und welche der geforderten Maßnahmen die SHF-Hausleitung umgesetzt hat.
Es ist nicht die erste parlamentarische Befassung mit dem Thema: Bereits die Drucksachen 21/4707 und 21/5918 sowie BT-Drs. 20/9633 aus der Vorgängerwahlperiode thematisierten die Spendenpraxis. Die Fragesteller erklären, die bisherigen Antworten der Bundesregierung hätten wenig eigenständiges Bemühen über das notwendige Mindestmaß hinaus erkennen lassen.
Die sieben Fragen an die Bundesregierung
Die Kleine Anfrage umfasst sieben Fragen: Sie betreffen eigene Recherchen von BKM und SHF zu rechtsradikalen Spendern, die Befassung der SHF-Gremien mit den vorliegenden Informationen, den Stand der Entfernung von Spenderehrungen, den Zeitpunkt der Kenntnisnahme durch die Bundesregierung sowie die Hintergründe der Medaillonänderung am Eosanderportal. Außerdem fragt die Fraktion nach der Haltung der Bundesregierung zum Mitarbeiterbrief und nach dem Umgang der SHF-Hausleitung mit den darin enthaltenen Forderungen.
Das Thema berührt grundlegende Fragen der demokratischen Kultur in öffentlich geförderten Institutionen. Ähnliche Debatten über Transparenz und Verantwortung im Umgang mit Steuergeldern zeigen sich auch in anderen Bereichen, etwa bei der Kontrolle öffentlich finanzierter Ausgaben oder der Rechenschaftspflicht bei öffentlichen Mitteln.
Weiterlesen:
Betroffen ist in erster Linie die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss als öffentlich finanzierte Kulturinstitution sowie deren Beschäftigte, die in dem Mitarbeiterbrief von April 2024 Aufklärung und Konsequenzen einforderten. Mittelbar berührt das Thema alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da das Humboldt Forum erheblich aus öffentlichen Mitteln gefördert wird.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8751) ist am 21. Oktober 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage noch nicht beantwortet. Nach § 104 der Geschäftsordnung des Bundestages ist grundsätzlich eine Antwort innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss (SHF)
- Die SHF ist eine bundesunmittelbare Stiftung, die das Humboldt Forum betreibt — ein Kulturzentrum im wiederaufgebauten Berliner Schloss, das 2020 eröffnet wurde.
- BKM
- Abkürzung für die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die als Staatsministerin im Bundeskanzleramt für kulturpolitische Belange des Bundes zuständig ist.
- Förderverein Berliner Schloss e.V.
- Privater Verein, der seit den 1990er Jahren Spendengelder für den Wiederaufbau der historischen Fassaden des Berliner Schlosses gesammelt hat.
Was ist der Förderverein Berliner Schloss e.V.?
Der Förderverein Berliner Schloss e.V. hat Spendengelder für den Wiederaufbau der historischen Fassaden des Berliner Schlosses gesammelt, das heute als Humboldt Forum genutzt wird.
Welche Konsequenz wurde laut Anfrage bislang gezogen?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller wurde lediglich das Medaillon zur Spenderehrung der Rudolf-August-Oetker-Stiftung am Eosanderportal stillschweigend verändert — das Konterfei von Rudolf-August-Oetker wurde durch ein Stiftungslogo ersetzt.
Was forderten Mitarbeitende des Humboldt Forums?
Im April 2024 wandten sich mehr als hundert Mitarbeitende in einem Brief an die Hausleitung und verlangten acht Maßnahmen für eine klare Haltung gegen antidemokratische und rechtsradikale Tendenzen im Kontext des Humboldt Forums.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8751 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































