Antrag eingereicht
- Vier Supermarktketten kontrollieren 85% des Marktes
- Grüne fordern schärfere Fusionskontrolle
- Ombudsstelle gegen unfaire Handelspraktiken geplant
Marktkonzentration: Grüne fordern Stopp der Lebensmittel-Oligopole
Hintergrund
Die Monopolkommission warnte in ihrem Sondergutachten „Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette“ vor einer weiteren Konzentration im Lebensmittelsektor. Mega-Fusionen wie Bayer-Monsanto, die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka und der geplante DMK-Arla-Zusammenschluss haben die Marktkonzentration verstärkt. Seit 2002 ist die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung um 44 Prozent gesunken.
Wenige Konzerne kontrollieren zunehmend den Lebensmittelsektor, vom Saatgut über die Schlachtung und Milchverarbeitung bis zur Ladentheke. Diese oligopolistischen Strukturen widersprechen marktwirtschaftlichen Prinzipien.
— Begründung BT-Drs. 21/6015
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 19. Mai 2026 einen Antrag zur Bekämpfung der Marktkonzentration in der Lebensmittelkette vorgelegt. Die Drucksache 21/6015 fordert die Bundesregierung auf, gegen die zunehmende Oligopolisierung des deutschen Lebensmittelsektors vorzugehen.
Hintergrund ist eine bemerkenswerte Entwicklung: Vier große Supermarktketten teilen sich über 85 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes auf. Diese Konzentration hat nach Einschätzung der Monopolkommission ein „besorgniserregendes Maß“ angenommen. Die Grünen verweisen auf eine Reihe von Fusionen – von Bayer-Monsanto über die Edeka-Übernahme von Kaiser’s Tengelmann bis zur geplanten DMK-Arla-Fusion. Marktwirtschaftliche Prinzipien sind dadurch gefährdet.
Wenige Konzerne kontrollieren den gesamten Lebensmittelsektor vom Saatgut bis zur Ladentheke – das schadet Landwirten und Verbrauchern gleichermaßen.
Konkrete Forderungen der Grünen
Der Antrag enthält ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Eine unabhängige Ombudsstelle soll gegen unfaire Handelspraktiken vorgehen. Verbindliche Lieferverträge mit Preisindizes werden vorgeschlagen, während die Fusionskontrolle verschärft werden muss. Besonders wichtig ist den Grünen eine Preistransparenzstelle. Diese soll mehr Klarheit über Gewinnmargen und Preisbildung schaffen.
Dies ist bemerkenswert, da die Marktkonzentration bereits konkrete Auswirkungen zeigt: Während die Verbraucherpreise steigen, profitieren Landwirte weniger davon. Die Gewinnmargen verschieben sich zu Lebensmittelherstellern und Einzelhandel. Gleichzeitig drängen Supermarktketten durch vertikale Integration tiefer in die Lebensmittelkette vor.
Strukturwandel verändert Vielfalt
Der Strukturwandel im Lebensmittelhandwerk lässt sich in Zahlen fassen. Seit 2002 ist die Zahl der Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung um 44 Prozent gesunken. Bei Fleischereien beträgt der Rückgang zwischen 1998 und 2023 47 Prozent. Bei Bäckereien sogar 57 Prozent.
Die Grünen fordern deshalb eine Agrar- und Wirtschaftspolitik, die kleine und mittlere Betriebe als systemrelevant anerkennt. Bürokratie soll abgebaut und regionale Wertschöpfungsketten gestärkt werden. Das „think small first“-Prinzip muss bei neuen Gesetzen angewendet werden.
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Betroffen sind Landwirte, kleine und mittlere Lebensmittelverarbeiter sowie Verbraucher. Landwirte erhalten einen immer kleineren Anteil vom Endverkaufspreis, während das Lebensmittelhandwerk durch Konzentration verdrängt wird.
Der Antrag wird nun den zuständigen Ausschüssen zur Beratung zugewiesen. Die Grünen fordern eine schnelle Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Ombudsstelle, die bereits im Haushalt 2026 eingeplant ist.
- Oligopol
- Marktform, in der wenige große Anbieter den Markt dominieren und den Wettbewerb einschränken.
- Vertikale Integration
- Zusammenschlüsse von Unternehmen verschiedener Produktionsstufen, z.B. wenn Supermärkte Lebensmittelhersteller aufkaufen.
- Fusionskontrolle
- Staatliche Prüfung von Unternehmenszusammenschlüssen auf ihre Auswirkungen auf den Wettbewerb.
Wie viele Supermarktketten kontrollieren den deutschen Markt?
Nur vier große Supermarktketten teilen sich über 85 Prozent des deutschen Lebensmittelmarktes untereinander auf.
Was ist eine Ombudsstelle?
Eine unabhängige Beschwerdestelle, die bei unfairen Handelspraktiken zwischen Landwirten und Supermärkten vermitteln soll.























































