- Erhöhtes Aufkommen russischer Wegwerfagenten-Rekrutierung
- Telegram ist bevorzugte Plattform für Anwerbungen
- Kritische Infrastrukturen und Militäreinrichtungen im Fokus
Wegwerfagenten: Russland rekrutiert über soziale Medien
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6190 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Bundeskriminalamt hat zusammen mit dem Verfassungsschutz, dem BND und dem Militärischen Abschirmdienst eine Handreichung zu Wegwerfagenten veröffentlicht. Diese warnt vor der verstärkten Anwerbung durch ausländische Nachrichtendienste, insbesondere russische. Die Rekrutierung erfolgt vermehrt über soziale Medien gegen geringe finanzielle Anreize für Tätigkeiten wie Ausspähung, Sabotage oder Sachbeschädigung. Das Phänomen hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine an Bedeutung gewonnen.
Im Detail
Die Sicherheitsbehörden des Bundes stellen aktuell ein erhöhtes Hinweisaufkommen zu Spionage- und Sabotageaktivitäten russischer Nachrichtendienste in Deutschland fest.
— Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 21/6190
Russische Nachrichtendienste rekrutieren verstärkt sogenannte Wegwerfagenten über soziale Medien für Spionage- und Sabotageaktivitäten in Deutschland. Dies teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion mit (BT-Drs. 21/6190 vom 29. Mai 2026). Die Sicherheitsbehörden stellten ein erhöhtes Aufkommen entsprechender Aktivitäten fest.
Wegwerfagenten sind Personen ohne nachrichtendienstliche Ausbildung, die über Plattformen wie Telegram für geheime Aufträge angeworben werden – oft ohne zu wissen, für wen sie arbeiten.
Telegram als bevorzugte Rekrutierungsplattform
Ausländische Nachrichtendienste nutzen häufig den Messenger-Dienst Telegram für Anwerbungen. Digitale Plattformen ermöglichen es, geeignete Zielpersonen zu identifizieren. Auch verschlüsselte Messenger-Dienste kommen zum Einsatz. Die Bezahlung erfolgt über Kryptowährungen und Online-Bezahldienste.
Häufig werden junge Männer mit osteuropäischem Hintergrund rekrutiert. Diese führen Straftaten in Deutschland aus, ohne eine nachrichtendienstliche Ausbildung erhalten zu haben. Teilweise geschieht dies gegen geringes Entgelt. Oft wissen die Täter nicht, wer ihre Auftraggeber sind und welchem Zweck die Taten dienen.
Was gilt aktuell?
Mit dem am 2. April 2026 in Kraft getretenen Gesetz zur Terrorismusbekämpfung wurde ein neuer § 87a ins Strafgesetzbuch eingeführt, um transnationale Repression und illegitime Einflussnahme ausländischer Staaten wirksamer bekämpfen zu können. Der Regelstrafrahmen für geheimdienstliche Agententätigkeit wurde auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren erhöht.
Kritische Infrastrukturen im Fokus
Im Zentrum der Sabotagetätigkeit stehen kritische Infrastrukturen. Auch militärische Einrichtungen sind betroffen, die mit der westlichen Unterstützung für die Ukraine in Verbindung stehen. Damit verbundene Verkehrsinfrastrukturen werden ebenfalls ins Visier genommen. Neben der Mitwirkung an Desinformationskampagnen besteht vor dem Hintergrund der aktuellen hybriden Bedrohungslage eine erhöhte abstrakte Gefährdung für diese Bereiche.
Nutzer können nicht unmittelbar erkennen, dass hinter einem Benutzeraccount der Rekrutierungsversuch eines ausländischen Nachrichtendienstes steht. Anhaltspunkte sind jedoch die Art der erteilten Aufträge. Ein hohes Maß an konspirativem Verhalten der Accounts kann ebenfalls ein Hinweis sein.
Kampagne und Schutzmaßnahmen
Als präventive Maßnahme hat die Bundesregierung eine gemeinsame Informationskampagne von Bundeskriminalamt und den Nachrichtendiensten des Bundes gestartet. Die Kampagne ‚Kein Wegwerf-Agent werden‘ klärt über die Gefahren und die potentielle Strafbarkeit auf. Aus Sicht der Bundesregierung hat die Kampagne öffentliche Aufmerksamkeit erfahren und damit ihr Ziel erreicht.
Personen, die eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit ausüben, müssen sich einer Sicherheitsüberprüfung nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz unterziehen. Dies dient dem vorbeugenden personellen Sabotageschutz für kritische Infrastrukturen. Betreiber kritischer Anlagen müssen zudem im Rahmen einer Risikobetrachtung mögliche Gefährdungen analysieren. Geeignete Schutzmaßnahmen sind zu treffen.
Langfristige Herausforderung
Das Phänomen stellt eine Herausforderung für die Sicherheitsbehörden dar, weil ausländische Nachrichtendienste hierfür zu geringen Kosten und mit geringem Risiko Erfolge erzielen können. Die Bundesregierung geht davon aus, dass ausländische Nachrichtendienste auch langfristig Personen ohne nachrichtendienstliche Ausbildung in ihre Operationen einbinden werden.
Hybride Bedrohungsstrategien spielen im Kontext der aktuellen geopolitischen Spannungen eine zunehmend bedeutende Rolle. Ausländische Akteure zielen darauf ab, die gesellschaftliche Resilienz zu schwächen. Durch Desinformationskampagnen und Cyber-Sabotageoperationen werden Einflussnahmen versucht. Auch die Instrumentalisierung gesellschaftlicher Protest- und Konfliktpotentiale soll Einfluss auf die politische Meinungsbildung in Deutschland nehmen.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem junge Männer mit osteuropäischem Hintergrund, die über soziale Medien angeworben werden. Als Ziele stehen kritische Infrastrukturen, militärische Einrichtungen, die mit der westlichen Ukraine-Unterstützung in Verbindung stehen, sowie damit verbundene Verkehrsinfrastrukturen im Fokus der Sabotage- und Aufklärungsaktivitäten.
Die Bundesregierung hat mehrere Fragen mit Verweis auf Staatswohlerwägungen nicht beantwortet, insbesondere zu konkreten Zahlen über Anwerbeversuche, Schadenssummen und Details zur Erkenntnislage. Besonders sensible Informationen wurden als VS-Verschlusssache eingestuft.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 29.05.2026) AfD stellt 25 Fragen zu Wegwerfagenten aus dem Ausland →
- Wegwerfagenten/Low-Level-Agenten
- Personen ohne nachrichtendienstliche Ausbildung, die über soziale Medien für Spionage und Sabotage rekrutiert werden.
- Hybride Bedrohung
- Kombination aus konventionellen und unkonventionellen Methoden zur Einflussnahme, einschließlich Desinformation und Sabotage.
- Kritische Infrastruktur
- Einrichtungen, deren Ausfall die Gesundheit oder das Leben großer Bevölkerungsteile bedrohen oder für das Gemeinwesen unverzichtbar sind.
Was sind Wegwerfagenten?
Personen ohne nachrichtendienstliche Ausbildung, die über soziale Medien für Spionage und Sabotage rekrutiert werden, oft gegen geringe Bezahlung und ohne Kenntnis der wahren Auftraggeber.
Welche Plattform wird hauptsächlich genutzt?
Besonders häufig nutzen ausländische Nachrichtendienste den Messenger-Dienst Telegram für Anwerbungen.
Wer wird hauptsächlich angeworben?
Sehr häufig werden junge Männer mit osteuropäischem Hintergrund rekrutiert.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6190 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































