- 21,3 % der Frauen ab 65 Jahren bundesweit von Altersarmut betroffen
- 13,3 Millionen Menschen in Deutschland leben laut Armutsbericht 2025 in Armut
- 19 Fragen zu Renten, Grundsicherung und Armut in Bayern gestellt
- Ostdeutschland im Bundestag: Armut, Leerstand und Strukturwandel
- Altersarmut im Saarland: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7103 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 lebten in Deutschland über 13,3 Millionen Menschen in Armut. Ältere Menschen sind überproportional betroffen: Bei Frauen ab 65 Jahren liegt die Armutsquote bei 21,3 Prozent, bei Männern derselben Altersgruppe bei 17,3 Prozent. Der 9. Altersbericht der Bundesregierung (BT-Drs. 20/14450) führt die Einkommensunterschiede im Alter auf die traditionelle geschlechterspezifische Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zurück. Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7103 ist Teil einer laufenden parlamentarischen Initiative der Fraktion Die Linke, die Altersarmut in verschiedenen Bundesländern systematisch zu erfassen.
- 21,3 % — Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren laut Paritätischem Armutsbericht 2025
- 17,3 % — Armutsquote bei Männern ab 65 Jahren laut demselben Bericht
- 13,3 Millionen — von Armut betroffene Menschen in Deutschland insgesamt im Jahr 2025
- 19 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Altersarmut und Alterssicherung in Bayern
- 1.446 Euro — Nettorenten-Schwellenwert, nach dem die Anfrage die Verteilung der Rentnerinnen und Rentner in Bayern und Deutschland aufschlüsseln lässt
Im Detail
„das Resultat einer oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in der BRD“
— 9. Altersbericht der Bundesregierung, BT-Drs. 20/14450, S. 59, zitiert in BT-Drs. 21/7103
Altersarmut in Bayern ist das Thema einer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/7103), die die Fraktion Die Linke am 9. Juli 2026 an die Bundesregierung gerichtet hat. Hintergrund sind alarmierende Zahlen: Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 lebten über 13,3 Millionen Menschen in Deutschland in Armut — und Frauen ab 65 Jahren tragen mit einer Armutsquote von 21,3 Prozent das höchste Risiko. Bei gleichaltrigen Männern liegt der Wert bei 17,3 Prozent. Damit ist statistisch etwa jede fünfte ältere Frau in Deutschland von Altersarmut betroffen.
Altersarmut in Bayern: Was die Anfrage klären soll
In insgesamt 19 Einzelfragen erkundigt sich Die Linke nach detaillierten Daten zur Altersarmut in Bayern und im Vergleich zu Gesamt-Deutschland (aufgeteilt nach Ost und West). Gefragt wird unter anderem nach der Entwicklung der Rentenhöhen zwischen 2015 und 2025, dem Anteil der Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen sowie der Zahl der Menschen, die trotz langer Versicherungsbiografien — mindestens 40 oder 45 Versicherungsjahre — eine Nettorente unter 1.446 Euro erhalten. Dieser Schwellenwert entspricht der Armutsgefährdungsschwelle für Einpersonenhaushalte.
Darüber hinaus fragt die Anfrage nach der Entwicklung der Grundsicherungsfälle im Alter, dem Wohngeldbezug bei über 65-Jährigen sowie der Verbreitung von Riester-Verträgen und betrieblicher Altersvorsorge in Bayern. Alle Daten sollen nach Geschlecht aufgeschlüsselt werden — ein Ansatz, der die strukturelle Benachteiligung von Frauen im Rentensystem sichtbar machen soll.
Warum Frauen stärker betroffen sind
Die Ursachen für die höhere Altersarmut bei Frauen liegen laut Drucksache in der Erwerbsbiografie: Unterbrechungen wegen Kinderbetreuung, höhere Teilzeitquoten und damit geringere Rentenansprüche sind typische Muster. Der 9. Altersbericht der Bundesregierung (BT-Drs. 20/14450) beschreibt die Einkommensunterschiede im Alter als Folge einer „oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit“. Laut einer früheren Antwort des Bundesarbeitsministeriums (BT-Drs. 21/3685, Frage 77) sinken die Renten bei Frauen in Westdeutschland mit steigender Kinderzahl sogar.
Ähnliche Muster zeigen sich bundesweit: Wie der Beitrag zu Altersarmut in Berlin und Altersarmut im Saarland zeigt, ist die 21,3-Prozent-Marke bei Frauen ab 65 Jahren bundeslandübergreifend ein wiederkehrender Befund — und damit kein bayerisches Einzelphänomen.
Was gilt aktuell?
Die gesetzliche Rentenversicherung bildet für die meisten älteren Menschen die Haupteinkommensquelle. Wer im Alter nicht ausreichend Rente bezieht, hat Anspruch auf Grundsicherung im Alter nach SGB XII. Diese Leistung ist jedoch an strenge Einkommensgrenzen geknüpft und deckt häufig nur das Existenzminimum ab. Kritiker wie der Paritätische Wohlfahrtsverband bemängeln seit Jahren, dass die Bundesregierung keine ausreichenden Gegenmaßnahmen ergriffen hat — ein Urteil, das Die Linke in ihrer Anfrage ausdrücklich aufgreift.
Die Situation könnte sich laut Fragestellenden weiter verschärfen, falls Vorschläge der Rentenkommission umgesetzt werden — etwa eine Anhebung der Regelaltersgrenze gekoppelt an die Lebenserwartung oder die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte. Auch die Debatte um Strukturwandel und Armut in Ostdeutschland zeigt, dass Altersarmut eng mit regionalen Arbeitsmarktbedingungen zusammenhängt.
Fragen zu Beschäftigung und privater Vorsorge
Die Anfrage thematisiert auch die Lage älterer Erwerbstätiger: Wie viele Menschen zwischen 60 und 65 Jahren gehen in Bayern noch einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach — und wie viele sind auf geringfügige Beschäftigung angewiesen? Auch nach der Zahl der über 65-Jährigen, die noch als Minijobber tätig sind, fragt Die Linke. Diese Gruppe ist besonders armutsgefährdet, da Minijobs in der Regel keine ausreichende Rentengrundlage bilden. Ergänzt wird das Bild durch Fragen zur Verbreitung von Riester-Rente und betrieblicher Altersvorsorge in Bayern — Alterssicherungssäulen, die nach Ansicht von Sozialforschern vor allem einkommensschwache Gruppen weniger gut erreichen.
Zum Thema Pflegekosten und Altersarmut hat Die Linke bereits eine Pressemitteilung veröffentlicht: Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen. Auch Altersarmut in Niedersachsen und Altersarmut in Thüringen sind Gegenstand paralleler Anfragen.
Die Bundesregierung hat nun bis zum 30. Juli 2026 Zeit, auf die 19 Fragen zu antworten. Die Antwort wird als gesonderte Drucksache veröffentlicht.
Weiterlesen:
- Altersarmut im Saarland: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen
- Altersarmut in Berlin: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen
- Altersarmut in Niedersachsen: 21,3 % der Frauen ab 65 betroffen
Betroffen sind vor allem ältere Frauen in Bayern und bundesweit, die aufgrund geringerer Rentenansprüche mit einem erhöhten Armutsrisiko leben. Daneben richtet sich die Anfrage auf Rentnerinnen und Rentner mit langen Versicherungsbiografien, Erwerbsminderungsrentner sowie Personen, die auf Grundsicherung angewiesen sind.
Die Linke: Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen →
"Der Vorschlag der Rentenkommission ist ein Rezept für Altersarmut. Es sind gerade die hart arbeitenden Menschen mit zu geringer Entlohnung, die es nicht bis zur Rente schaffen. Um die, die heute oft schon mit Abschlägen in Frührente gehen, weil sie einfach nicht mehr können. Und für diese Menschen, die in… …
"Das ist keine Rentenreform, das ist ein Rentenkürzungsprogramm. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll künftig länger schuften, weniger Rente bekommen und darauf hoffen, dass die Börse gute Laune hat. Besonders dreist ist der Angriff auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Da reden wir über Menschen, die morgens um… …
Die Kleine Anfrage wurde am 9. Juli 2026 eingereicht (BT-Drs. 21/7103, veröffentlicht am 10. Juli 2026). Die Bundesregierung hat 21 Tage Zeit zur Beantwortung — die Frist läuft bis zum 30. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als separate Drucksache veröffentlicht.
- Armutsgefährdungsquote
- Anteil der Bevölkerung, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Deutschland gilt dies als Maßstab für Armutsrisiko.
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Sozialleistung für Menschen ab der Regelaltersgrenze, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können.
- Erwerbsminderungsrente
- Rentenleistung für Versicherte, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten können.
Wie hoch ist die Altersarmutsquote bei Frauen laut Paritätischem Armutsbericht?
Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 liegt die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent — bei Männern sind es 17,3 Prozent.
Warum sind Frauen stärker von Altersarmut betroffen als Männer?
Gründe sind laut Drucksache geringere Erwerbseinkommen, häufige Erwerbsunterbrechungen und eine höhere Teilzeitquote wegen Kinderbetreuung, die zu niedrigeren Rentenansprüchen führen.
Wann muss die Bundesregierung die Anfrage beantworten?
Die gesetzliche Antwortfrist für Kleine Anfragen beträgt 21 Tage. Die Frist läuft bis zum 30. Juli 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7103 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































