- Geschäftsklima-Index Landwirtschaft auf -2,9 Punkte gesunken
- 66 Prozent der unzufriedenen Landwirte nennen Betriebsmittelkosten als Hauptproblem
- Mindestlohn 13,90 Euro je Stunde belastet arbeitsintensive Obst- und Gemüsebetriebe
Hintergrund
Die Landwirtschaftliche Rentenbank veröffentlicht regelmäßig ihr Agrarbarometer als Stimmungsindikator für die deutsche Landwirtschaft. Für den Sommer 2026 weist das Barometer laut den Fragestellern einen Geschäftsklima-Index von -2,9 Punkten aus — der schwächste Wert seit Juni 2016. Als Haupttreiber gelten gestiegene Energierohstoff- und Düngemittelpreise sowie erhöhte Lohnkosten infolge des auf 13,90 Euro angehobenen gesetzlichen Mindestlohns. Aus Sicht der Fragesteller kumulieren sich diese Kostenblöcke für arbeitsintensive Betriebe im Obst- und Gemüsebau zu einer ernsthaften Bedrohung der Wirtschaftlichkeit.
- -2,9 Punkte — Geschäftsklima-Index der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Sommer 2026; niedrigster Stand seit Juni 2016.
- 66 Prozent — Anteil der unzufriedenen Landwirte, die hohe Betriebsmittel- und Energiepreise als Hauptgrund nennen.
- 39 Prozent — Anteil der unzufriedenen Landwirte, die zu niedrige Verkaufspreise für pflanzliche Erzeugnisse beklagen.
- 13,90 Euro — gesetzlicher Mindestlohn je Stunde, der die Personalkosten der Betriebe treibt.
- bis zu 15 Prozent — Flächenrückgang im norddeutschen Erdbeeranbau laut Angaben der Fragesteller.
Im Detail
Die Kostenbelastung der Betriebe sei sehr hoch und wird zur Existenzfrage, so der Verband.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8505
Hohe Erzeugerkosten setzen die deutsche Landwirtschaft unter Druck. Die Preise für Düngemittel, Diesel und Saisonarbeit sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, während die Verkaufserlöse für viele Betriebe nicht mitgewachsen sind. Die AfD-Fraktion hat dazu mit BT-Drs. 21/8505 vom 12. Oktober 2026 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet und fragt nach der Entwicklung von elf Kostenkategorien über einen Zeitraum von 20 Jahren.
Erzeugerkosten: Womit Landwirte heute kämpfen
Das Agrarbarometer der Landwirtschaftlichen Rentenbank für den Sommer 2026 weist laut den Fragestellern einen Geschäftsklima-Index von -2,9 Punkten aus — der niedrigste Wert seit Juni 2016. Zum Vergleich: Im März 2026 lag der Index noch bei -2,6 Punkten. Als zentralen Belastungsfaktor nennen 66 Prozent der unzufriedenen Landwirte die gestiegenen Betriebsmittel- und Energiepreise. Weitere 39 Prozent klagen über zu niedrige Verkaufspreise für pflanzliche Erzeugnisse.
Besonders stark trifft die Kostenspirale arbeitsintensive Obst- und Gemüsebetriebe. Ein typischer Spargel- oder Erdbeerbetieb benötigt laut Vorbemerkung der Fragesteller in der Hochsaison bis zu 150 Arbeitskräfte gleichzeitig, wobei bis zu 80 Prozent der Arbeit per Hand erfolgt. In Schleswig-Holstein sind jährlich rund 11.000 Saisonarbeitskräfte im Einsatz. Neben dem auf 13,90 Euro angehobenen gesetzlichen Mindestlohn kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung von rund 20 Prozent sowie Unterkunfts- und Organisationskosten hinzu — Betriebsmittel wie Dünger und Kraftstoff noch nicht eingerechnet.
Was gilt aktuell?
Für Mineraldünger, Diesel und Pflanzenschutzmittel gibt es keine zentrale staatliche Preisaufsicht; die Preisgestaltung folgt den Weltmärkten. Der gesetzliche Mindestlohn wurde zuletzt auf 13,90 Euro je Stunde angehoben. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bündelt Kranken-, Alters- und Unfallversicherung für Agrarbetriebe. Bürokratiekosten in der Landwirtschaft werden auf über 400 Millionen Euro jährlich geschätzt, wie aus einer der in der Vorbemerkung zitierten Quellen hervorgeht.
Elf Fragen zu 20 Jahren Erzeugerkosten
Die Anfrage (BT-Drs. 21/8505) umfasst elf konkrete Fragenkomplexe zu den Erzeugerkosten: Preise für Mineraldünger (Kalkammonsalpeter, Diammonphosphat, Harnstoff, Kieserit, Schwefelsauerer Ammoniumphosphat), Dieselpreise einschließlich Steueranteile, Pflanzenschutzmittelpreise sowie Zulassung und Wegfall von Präparaten, Bürokratiekosten nach dem Bürokratieindex, Löhne für Azubis, Angestellte und Rentner im Agrarbereich, Reparatur- und Anschaffungskosten landwirtschaftlicher Maschinen, Stallbau- und Gebäudekosten, Lohnarbeitskosten, Tierarztkosten für Viehhalter sowie landwirtschaftliche Sozialversicherungsbeiträge aufgeschlüsselt nach Kranken-, Alterskasse und Berufsgenossenschaft.
Die Fragesteller verweisen auf Flächenrückgänge im norddeutschen Erdbeeranbau von bis zu 15 Prozent, weil Betriebe aufgeben. Fällt die Produktion heimischer Erdbeeren, Spargel und Gemüse weg, steigt laut Bauernverband die Importabhängigkeit — mit möglichen Folgen für Verbraucherpreise und Versorgungssicherheit. Ähnliche Fragen zur wirtschaftlichen Lage von Agrarbetrieben hat der Bundestag zuletzt auch in anderen Zusammenhängen gestellt, etwa zur Schriftlichen-Fragen-Sammeldrucksache KW 39/2026.
Die Antwort der Bundesregierung auf die Erzeugerkosten-Anfrage steht noch aus. Sobald sie vorliegt, gibt sie Aufschluss darüber, welche Daten die Bundesregierung zu den einzelnen Kostenkategorien führt und wie sie die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft bewertet. Hintergründe zu Kürzungen im Agrarbereich — etwa bei der Förderstruktur im Bundeshaushalt — verdeutlichen, in welchem politischen Umfeld die Anfrage steht.
Weiterlesen:
- Fragestunde Bundestag 14.10.2026: 56 Fragen zu 12 Themen
- Forschungsministerium BMFTR: 21,8 Mrd. Euro Etat offengelegt
Betroffen sind insbesondere landwirtschaftliche Betriebe im Obst- und Gemüseanbau, die auf Handarbeit und Saisonkräfte angewiesen sind — vor allem in Schleswig-Holstein mit rund 11.000 Saisonarbeitskräften pro Jahr. Nach Angaben der Fragesteller sind im norddeutschen Erdbeeranbau bereits Flächenrückgänge von bis zu 15 Prozent zu verzeichnen, weil Betriebe aufgeben. Verbraucher sind indirekt über steigende Lebensmittelpreise und wachsende Importabhängigkeit betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8505) ist am 12. Oktober 2026 veröffentlicht worden. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Gemäß § 104 der Geschäftsordnung des Bundestages ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen. Sobald die Antwort vorliegt, wird sie als gesonderte Drucksache veröffentlicht.
- Agrarbarometer
- Regelmäßige Umfrage der Landwirtschaftlichen Rentenbank zur Stimmungslage auf deutschen Agrarbetrieben, gemessen als Geschäftsklima-Index.
- Kalkammonsalpeter (KAS)
- Stickstoffdünger, der in der Drucksache als Referenzprodukt für die Entwicklung der Mineraldüngerpreise genannt wird.
- SVLFG
- Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau — trägt Kranken-, Alters- und Unfallversicherung für landwirtschaftliche Betriebe zusammen.
Was ist der Geschäftsklima-Index der Rentenbank?
Der Index der Landwirtschaftlichen Rentenbank misst die Stimmung auf deutschen Agrarbetrieben. Im Sommer 2026 lag er laut der Vorbemerkung der Fragesteller bei -2,9 Punkten — dem niedrigsten Wert seit Juni 2016.
Welche Kosten werden in der Anfrage konkret abgefragt?
Die Anfrage umfasst elf Bereiche: Mineraldünger, Diesel, Pflanzenschutzmittel, Bürokratie, Löhne, Maschinen-Reparatur, Maschinen-Anschaffung, Stallbau, Lohnarbeit, Tierarzt sowie landwirtschaftliche Sozialversicherungen.
Warum sind Saisonarbeitskräfte in der Anfrage ein Thema?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller sind in Schleswig-Holstein jährlich rund 11.000 Saisonarbeitskräfte im Einsatz. Der gestiegene Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde zuzüglich Sozialversicherungsabgaben von rund 20 Prozent treibt die Personalkosten besonders bei Obst- und Gemüsebetrieben in die Höhe.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8505 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































