- 18 Mrd. Euro für Schlüsseltechnologien bis 2029 angekündigt
- 360-Grad-Monitoring der HTAD bislang nicht umgesetzt
- Batterieforschung-Förderrichtlinie erst Ende August 2026 ausgeschrieben
Hintergrund
Die Hightech Agenda Deutschland wurde im Juli 2025 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unter Bundesministerin Bär vorgestellt. Das Programm sieht ein Gesamtbudget von mindestens 18 Mrd. Euro bis 2029 vor, verteilt auf Kernhaushalt, den Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK). Die HTAD konzentriert sich auf sechs strategische Schlüsseltechnologien und sieht ergänzend sogenannte zentrale Hebel vor, darunter ein Forschungsdatengesetz, eine IP-Strategie und ein Innovationsfreiheitsgesetz. Mehr als ein Jahr nach der Vorstellung der Agenda beanstandet die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen aus ihrer Perspektive fehlende Transparenz über den tatsächlichen Mittelabfluss und Umsetzungsverzögerungen.
- 18 Mrd. Euro — angekündigtes Gesamtbudget der HTAD bis 2029
- ca. 2 Mrd. Euro jährlich — Anteil aus dem Kernhaushalt
- knapp 4,5 Mrd. Euro — Anteil aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF)
- rund 5,5 Mrd. Euro — Anteil aus dem Sondervermögen SVIK
- 41 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage zu Umsetzung und Mittelabfluss der HTAD
Im Detail
Nach Ankündigung der Bundesregierung sollen bis 2029 mindestens 18 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt werden. Davon sollen rund 2 Mrd. Euro jährlich aus dem Kernhaushalt, knapp 4,5 Mrd. Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) und rund 5,5 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) bereitgestellt werden.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/8338
Mindestens 18 Milliarden Euro sollen bis 2029 in Deutschlands Schlüsseltechnologien fließen — so lautet das Versprechen der Hightech Agenda Deutschland (HTAD), die Bundesministerin Bär im Juli 2025 mit viel Aufwand präsentierte. Mehr als ein Jahr später stellt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8338 vom 5. Oktober 2026 insgesamt 41 detaillierte Fragen: Wie viel Geld ist tatsächlich abgeflossen? Wo gibt es Verzögerungen? Und warum fehlt das zentrale Kontrollinstrument noch immer?
Hightech Agenda Deutschland: Was steckt dahinter?
Die Hightech Agenda Deutschland ist das technologiepolitische Leitprogramm des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Es konzentriert sich auf sechs strategische Schlüsseltechnologien und sieht ergänzende Maßnahmen — sogenannte zentrale Hebel — vor, darunter ein Forschungsdatengesetz, eine nationale IP-Strategie und ein Innovationsfreiheitsgesetz. Das Gesamtbudget von 18 Mrd. Euro verteilt sich auf drei Finanzierungsquellen: rund 2 Mrd. Euro jährlich aus dem Kernhaushalt, knapp 4,5 Mrd. Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie rund 5,5 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK). Die Angaben stehen laut Drucksache unter dem Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel.
Was gilt aktuell?
Nach Angaben der Fragesteller ist mehr als ein Jahr nach der Vorstellung der Hightech Agenda Deutschland noch erhebliche Unklarheit über den konkreten Umsetzungs- und haushalterischen Sachstand vorhanden. Das zentrale Transparenzinstrument — das angekündigte 360-Grad-Hightech-Monitoring — ist bislang nicht umgesetzt. Damit fehlt ein öffentlich zugängliches Werkzeug, das parlamentarische Kontrolle über den tatsächlichen Mittelabfluss in den einzelnen Schlüsseltechnologien ermöglichen würde. Die Förderrichtlinie für die angekündigten neuen vertikalen Applikationsallianzen in der Batterieforschung wurde erst Ende August 2026 ausgeschrieben — also mehr als ein Jahr nach Verabschiedung der HTAD. Aus Sicht der Fragesteller steht das in einem Spannungsverhältnis zur erklärten Absicht des BMFTR, die Kürzungen der Batterieforschungsförderung aus der vorangegangenen Legislaturperiode zu korrigieren.
Kernfragen zur Hightech Agenda Deutschland
Die 41 Fragen der Kleinen Anfrage gliedern sich in mehrere thematische Schwerpunkte. Zunächst fragen die Abgeordneten nach dem vollständigen Umsetzungsstand aller HTAD-Maßnahmen seit Juli 2025 — unterteilt nach abgeschlossenen, laufenden und noch nicht begonnenen Vorhaben. Eng damit verbunden sind Fragen zu konkreten Verzögerungsursachen. Ein weiterer Block widmet sich den technologiepolitischen Grundlagen: Welche Methoden der strategischen Vorausschau prüfen, ob die sechs Schlüsseltechnologien angepasst werden müssen? Wie weit ist der angekündigte Kriterienkatalog gediehen? Und wie stimmt sich die HTAD mit der EU-Plattform STEP und dem EU-Souveränitätspaket ab? Darüber hinaus erkundigt sich die Anfrage nach der regionalen Verteilung der bewilligten und abgeflossenen Fördermittel auf die einzelnen Bundesländer — aufgeschlüsselt sowohl nach dem Sitzland des Hauptantragstellers als auch aller Konsortialbeteiligten. Diese Frage ist politisch besonders relevant, da eine unausgewogene regionale Verteilung Förderpraktiken in Frage stellen kann. Konkrete Einzeltechnologien wie photonische Quantentechnologien, Wasserstoff, klimaneutrale Energieerzeugung, Robotik und Biotechnologie werden ebenfalls einzeln adressiert. Bei Letzterem fragt die Anfrage nach der noch nicht endgültigen Entscheidung des Bundesministeriums für Wirtschaft, Deutschland nicht am IPCEI Biotechnologie zu beteiligen. Schließlich widmen sich mehrere Fragen den digitalen Kontrollinstrumenten der HTAD: dem Technology Monitoring Dashboard, dem KI-gestützten „Emerging Technologies Radar“ und dem geplanten 360-Grad-Monitoring — inklusive Kosten, Zugriffsrechten und parlamentarischer Nutzbarkeit. Thematisch verwandte Fragen zur Förderpraxis des Bundes behandelt auch der Beitrag zu Ermessen bei der Programmförderung.
Warum ist die Anfrage politisch relevant?
Die Hightech Agenda Deutschland ist das technologiepolitische Kernprojekt der aktuellen Bundesregierung — mit einem Volumen, das dem Jahresetat eines großen Bundesministeriums entspricht. Ob die angekündigten Milliarden tatsächlich in Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Hochschulen ankommen, ist für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland von zentraler Bedeutung. Ohne funktionierendes Monitoring und transparente Mittelberichte bleibt parlamentarische Kontrolle über dieses Programm strukturell eingeschränkt. Die Anfrage macht deutlich, dass nach Ansicht der Fragesteller genau diese Kontrollinfrastruktur fehlt — mehr als zwölf Monate nach Programmstart. Ähnliche Transparenzfragen zur staatlichen Förderpolitik stellt auch der Beitrag zu Bundesförderpolitik im Wohnbereich.
Weiterlesen:
Betroffen sind Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Hochschulen, die auf Fördergelder aus der HTAD angewiesen sind, insbesondere in den Bereichen Batterieforschung, Quantentechnologie, Biotechnologie und Luft- und Raumfahrt. Auch alle 16 Bundesländer sind betroffen, da die Anfrage eine regional aufgeschlüsselte Darstellung der Fördermittelvergabe einfordert.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8338) ist am 5. Oktober 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung muss grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt antworten. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
- KTF (Klima- und Transformationsfonds)
- Sondervermögen des Bundes zur Finanzierung von Maßnahmen für Klimaschutz und wirtschaftliche Transformation, u. a. für Energieforschung.
- SVIK (Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität)
- Weiteres Sondervermögen des Bundes, das neben dem KTF zur Finanzierung der Hightech Agenda Deutschland herangezogen werden soll.
- IPCEI (Important Project of Common European Interest)
- EU-Fördermechanismus für grenzüberschreitende Großprojekte in strategischen Technologiebereichen; Staatshilfen sind dabei unter bestimmten Bedingungen zulässig.
Was ist die Hightech Agenda Deutschland?
Die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) ist ein im Juli 2025 von Bundesministerin Bär vorgestelltes Technologieförderprogramm, das bis 2029 mindestens 18 Mrd. Euro in sechs Schlüsseltechnologien investieren soll.
Aus welchen Töpfen kommt das Geld für die HTAD?
Laut Drucksache sollen rund 2 Mrd. Euro jährlich aus dem Kernhaushalt, knapp 4,5 Mrd. Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) und rund 5,5 Mrd. Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) kommen.
Was ist das 360-Grad-Hightech-Monitoring?
Das 360-Grad-Hightech-Monitoring soll Umsetzungsfortschritte der HTAD in prioritären Schlüsseltechnologien transparent und nachvollziehbar sichtbar machen. Laut der Anfrage ist es bislang nicht umgesetzt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8338 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































