- 16.300 hitzebedingte Todesfälle bis Kalenderwoche 35 geschätzt
- Kein bundesweiter Krisenmechanismus speziell für Hitzewellen vorhanden
- AnpaSo-Förderprogramm soll ab 2027 aus dem KTF aufgestockt werden
Hintergrund
Der Sommer 2026 war durch anhaltende Extremhitzephasen geprägt. Der Deutsche Wetterdienst warnte ab dem 14. Juni 2026 vor einer intensiven Hitzewelle, deren außergewöhnliches Ausmaß spätestens ab dem 21. und 22. Juni 2026 absehbar war. Am Höhepunkt am 27. und 28. Juni 2026 wurden regional gefühlte Temperaturen von über 40 Grad Celsius gemessen. Das RKI betreibt seit Juli 2026 eine Notaufnahmesurveillance mit einem Hitzeindikator, die jedoch auf freiwilliger Teilnahme ausgewählter Kliniken basiert und keine bundesweiten repräsentativen Daten liefert. Hintergrund der parlamentarischen Anfrage (BT-Drs. 21/7857) war die Frage, ob und wie die Bundesregierung auf die absehbare Katastrophenlage reagiert hat.
- 16.300 — Geschätzte hitzebedingte Sterbefälle bundesweit bis Kalenderwoche 35/2026 (RKI-Schätzung laut BT-Drs. 21/8361)
- 6.490 — Erwarteter Wochenwert für Kalenderwoche 26 (27./28. Juni 2026), dem bisherigen Höhepunkt der Hitzewelle
- 56,9 pro 100.000 Einwohner — Höchste relative Sterblichkeit im Saarland bis KW 35; zum Vergleich Bayern 16,7 und Schleswig-Holstein 2,2
- 19. bis 30. Juni 2026 — Zeitraum, in dem das GMLZ die Hitzewelle als „Besonderes Ereignis“ im Lageregister führte
- 4 Prozent — Anteil der Notaufnahmen, die laut Vorbemerkung der Fragesteller eine Möglichkeit zur Ganzkörperimmersion (Kühlung bei Hitzschlag) vorhalten
Im Detail
Auf Bundesebene besteht speziell für extreme Hitze kein Krisen- oder Koordinierungsmechanismus. Die Bewältigung von extremen Wetterereignissen, wie extremer Hitze, liegt in der Zuständigkeit der Länder.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8361, Antwort zu Fragen 11–11b
Im Sommer 2026 sind in Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) bis zur Kalenderwoche 35 rund 16.300 Menschen hitzbedingt gestorben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/8361, übermittelt am 6. Oktober 2026) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Allein in der besonders heißen Kalenderwoche 26 Ende Juni 2026 — mit regional über 40 Grad Celsius gefühlter Temperatur — schätzt das RKI rund 6.490 Todesfälle.
Kein Hitzeschutz-Krisenmechanismus auf Bundesebene
Auf die zentrale Frage, ob ein ressortübergreifender Krisenstab oder Koordinierungsmechanismus speziell für extreme Hitze auf Bundesebene existiert, antwortet die Bundesregierung klar: Er besteht nicht. Die Bewältigung von Hitzeereignissen liege in der Zuständigkeit der Länder. Das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) führte die Hitzewelle im Juni 2026 zwar als „Besonderes Ereignis“ — vom 19. bis 30. Juni 2026 —, was intensivere interne Abläufe auslöste. Ein eigenständiger Bundeskoordinierungsstab wurde jedoch nicht eingerichtet. Auf Fragen nach konkreten Schutzmaßnahmen innerhalb der ersten 24, 48 und 72 Stunden nach der Warnung verweist die Bundesregierung pauschal auf andere Antworten und die Länderzuständigkeit.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) lieferte ab dem 14. Juni 2026 erste Hinweise auf eine intensive Hitzewelle. Die extreme Ausprägung war laut Bundesregierung spätestens ab dem 21. und 22. Juni mit hoher Wahrscheinlichkeit absehbar. Am 25. Juni hob der DWD in einer Pressemitteilung die Außergewöhnlichkeit hervor — zwei Tage vor dem Höhepunkt am 27. und 28. Juni. Konkrete Bundesmaßnahmen in diesem Zeitfenster nennt die Antwort nicht.
Was gilt aktuell beim Hitzeschutz?
Der Bund hat seit 2023 einen „Hitzeschutzplan für Gesundheit“ des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) initiiert, der Länder und Kommunen sensibilisieren soll. Das Bundesumweltministerium (BMUKN) fördert seit 2020 über die Richtlinie AnpaSo (Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen) den Gesundheits- und Sozialsektor bei Hitzeschutzmaßnahmen. Gemäß einem Kabinettsbeschluss vom 15. Juli 2026 sollen die AnpaSo-Mittel ab 2027 aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert und aufgestockt werden — vorbehaltlich der Zustimmung des Bundestages zum Regierungsentwurf. Die Finanzierungs- und Umsetzungsverantwortung beim akuten Katastrophenschutz verbleibt nach Angaben der Bundesregierung bei den Ländern und Kommunen. Im Sondervermögen Infrastruktur stehen 100 Milliarden Euro für Länder und Kommunen bereit, aus denen Hitzeschutzinvestitionen grundsätzlich möglich sind; die konkrete Mittelverwendung liegt bei den Ländern.
Datenlücken beim Hitzeschutz
Auf zahlreiche Fragen nach konkreten Fallzahlen muss die Bundesregierung einräumen, keine Daten zu besitzen: Zu hitzebedingten Krankenhauseinweisungen, Rettungsdiensteinsätzen und Arbeitsunfähigkeiten im Gesundheitswesen liegen keine bundesweiten Zahlen vor. Daten zu hitzebedingten Arbeitsunfähigkeiten für 2026 werden erst Ende November 2027 verfügbar sein. Das RKI betreibt zwar seit Juli 2026 eine Notaufnahmesurveillance mit einem Hitzeindikator, diese basiert aber auf freiwilliger Teilnahme ausgewählter Kliniken und liefert keine repräsentativen absoluten Fallzahlen. Auch darüber, wie viele Pflegeheime, Kitas oder Krankenhäuser während der Hitzewellen 2026 akuten Bedarf an Kühlmöglichkeiten hatten, liegen der Bundesregierung keine Meldungen vor.
Das Kabinett befasste sich erst am 26. August 2026 — zwei Monate nach dem Höhepunkt der Hitzewelle — in einer Aussprache mit dem Umgang mit Extremwetterereignissen. Der Bundeskanzler beauftragte den Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, mit den Ländern einen Abgleich vorzunehmen. Dieser Prozess dauert nach Angaben der Bundesregierung noch an. Zum Thema Hitzeschutz hat die Bundesregierung auch die länderübergreifende Krisenmanagementübung LÜKEX 26 mit dem Szenario „Dürre und Hitzewelle“ angesetzt, an der zahlreiche Bundesministerien und -behörden teilnehmen. Die Auswertung mit Handlungsempfehlungen steht noch aus. Parallel dazu arbeitet das RKI an einer methodischen Weiterentwicklung des Hitzemonitorings, unter anderem mit KI-basierten Modellierungen und tagesgenauen Auswertungen, um künftig schneller reagieren zu können. Mehr zu ähnlichen Themen parlamentarischer Kontrolle lesen Sie auch in unserem Bericht zur Bundesregierung, die auf 29 Fragen zu queerfeindlicher Gewalt antwortet.
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Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Pflegebedürftige, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Kinder und Jugendliche. Einrichtungen der sozialen Infrastruktur wie Pflegeheime, Krankenhäuser, Kitas und Schulen standen im Mittelpunkt der parlamentarischen Anfrage, da strukturelle Defizite bei der Hitzevorbereitung bekannt sind.
Die Bundesregierung beantwortet einen Großteil der Fragen, verweist bei zentralen Zuständigkeitsfragen (Schutzmaßnahmen, Krisenkoordination, Unterstützung von Einrichtungen) jedoch wiederholt auf die Länderkompetenz. Konkrete Angaben zu hitzebedingten Arbeitsunfähigkeiten, Krankenhauseinweisungen und Rettungsdiensteinsätzen verweigert sie mit dem Hinweis, entsprechende Daten lägen nicht vor.
Die Anfrage ist beantwortet; das Verfahren ist abgeschlossen. Der Bundeskanzler hat den Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit beauftragt, mit den Ländern einen Abgleich über notwendige Maßnahmen vorzunehmen — dieser Prozess dauert laut Bundesregierung noch an. Die länderübergreifende Krisenmanagementübung LÜKEX 26 zum Szenario „Dürre und Hitzewelle“ läuft; eine abschließende Auswertung mit Handlungsempfehlungen steht noch aus.
- AnpaSo
- Förderrichtlinie 'Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen' des Bundesumweltministeriums. Sie unterstützt Gesundheits- und Sozialeinrichtungen seit 2020 bei der Anpassung an Klimafolgen, insbesondere beim Hitzeschutz.
- GMLZ
- Gemeinsames Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern beim BBK. Es koordiniert Informationen zum Bevölkerungsschutz und erstellt tägliche Lageübersichten für Behörden.
- LÜKEX
- Länderübergreifende Krisenmanagementübung. Die Übung LÜKEX 26 simuliert das Szenario einer extremen Dürre- und Hitzewelle und bezieht zahlreiche Bundesministerien und -behörden ein.
Wie viele Menschen starben 2026 hitzbedingt in Deutschland?
Das RKI schätzt bis Kalenderwoche 35 rund 16.300 hitzebedingte Sterbefälle. Den höchsten Wochenwert verzeichnete Kalenderwoche 26 Ende Juni 2026 mit einem Erwartungswert von rund 6.490 Todesfällen allein in dieser Woche.
Gibt es einen Bundeskrisenplan speziell für Hitzewellen?
Nein. Laut Bundesregierung besteht auf Bundesebene kein spezifischer Krisen- oder Koordinierungsmechanismus für extreme Hitze. Die Zuständigkeit liegt bei den Ländern und Kommunen.
Welche Förderung stellt der Bund für Hitzeschutz bereit?
Das Programm AnpaSo (Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen) unterstützt seit 2020 den Gesundheits- und Sozialsektor. Laut Kabinettbeschluss vom 15. Juli 2026 sollen die Mittel ab 2027 aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert und aufgestockt werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8361 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.






































































