- KFOR umfasst rund 4.600 Soldaten aus 31 Staaten im Kosovo
- NATO plant Reduzierung von 4.700 auf 3.000 bis 3.500 Soldaten
- 28 Fragen zur Auswirkung eines US-Abzugs auf EUFOR Althea in Bosnien
Hintergrund
Die NATO-Mission KFOR ist seit 1999 auf Grundlage der UN-Sicherheitsratsresolution 1244 im Kosovo stationiert. Im März 2026 wurden Berichte bekannt, wonach die US-Regierung eine Reduzierung ihres KFOR-Kontingents erwägt — US-Parlamentarier beider Parteien wandten sich in einem gemeinsamen Schreiben an Außenminister Marco Rubio. Unabhängig davon kündigte die NATO am 12. Juni 2026 eine allgemeine Verkleinerung der KFOR-Gesamtstärke von rund 4.700 auf etwa 3.000 bis 3.500 Soldaten an, die sie mit verbesserter Sicherheitslage begründet. Gleichzeitig betonen NATO und EU die Bedeutung von KFOR als Reservekraft für EUFOR Althea in Bosnien und Herzegowina.
- 4.600 Soldaten — Gesamtstärke von KFOR im September 2026 laut NATO, aus 31 alliierten und Partnerstaaten.
- rund 500 — US-amerikanisches Kontingent bei KFOR laut Auswärtigem Ausschuss des US-Senats (März 2026).
- 3.000–3.500 Soldaten — Zielgröße der NATO-Optimierung, angekündigt am 12. Juni 2026 durch Generalsekretär Rutte.
- 22. August bis 3. September 2026 — Zeitraum der Übung „Quick Response 2026“, bei der EUFOR-Reservekräfte nach Bosnien verlegt wurden.
Im Detail
KFOR solle abhängig von der Lage von rund 4.700 Soldaten auf etwa 3.000 bis 3.500 Soldaten zurückgeführt werden. Die NATO bezeichnet die Optimierung als lageabhängig und reversibel.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/8493, unter Verweis auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte, 17. Juni 2026
Die Sicherheitsarchitektur des Westbalkans steht unter Druck. Berichte über einen möglichen Rückzug der USA aus der NATO-Mission KFOR im Kosovo und die gleichzeitig angekündigte Verkleinerung der Gesamttruppe werfen Fragen auf, die die AfD-Fraktion mit 28 konkreten Fragen an die Bundesregierung richtet. Die Drucksache 21/8493 wurde am 12. Oktober 2026 eingereicht.
KFOR-Truppenreduzierung als Auslöser
Im Mittelpunkt steht die NATO-Mission KFOR, die seit 1999 auf Grundlage der UN-Sicherheitsratsresolution 1244 im Kosovo stationiert ist. Im September 2026 umfasste die KFOR-Truppenreduzierung noch keinen Beschluss — die Mission zählte rund 4.600 Soldatinnen und Soldaten aus 31 Staaten. Doch schon im März 2026 wurden Berichte bekannt, wonach die US-Regierung erwägt, ihr Kontingent von bis zu 500 Soldaten zu verringern oder vollständig abzuziehen. US-Parlamentarier beider Parteien wandten sich in einem gemeinsamen Schreiben an Außenminister Marco Rubio, um ihre Bedenken zu formulieren.
Unabhängig davon kündigte NATO-Generalsekretär Mark Rutte am 17. Juni 2026 an, KFOR solle schrittweise von rund 4.700 auf etwa 3.000 bis 3.500 Soldaten verkleinert werden. Die NATO bezeichnete diesen Schritt als lageabhängig und reversibel und begründete ihn mit einer verbesserten Sicherheitslage im Kosovo. Ob zwischen den US-Überlegungen und der NATO-Ankündigung ein Zusammenhang besteht, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage.
Was gilt aktuell für EUFOR Althea?
Parallel zur KFOR-Mission ist in Bosnien und Herzegowina die EU-geführte Operation EUFOR Althea stationiert. Diese stützt sich auf die sogenannten Berlin-Plus-Vereinbarungen, die der EU den Rückgriff auf NATO-Planungs- und Führungskapazitäten ermöglichen. Laut NATO stellt das Bündnis der EU dabei Planungs-, Logistik- und Führungsunterstützung sowie Zugang zu NATO-Fähigkeiten bereit. Ein wichtiger Aspekt: KFOR gilt als potenzielle Reservekraft für EUFOR Althea — US-Parlamentarier hatten dies in ihrem Schreiben vom März 2026 ausdrücklich hervorgehoben.
EUFOR verfügt zudem über eigene, außerhalb Bosniens stationierte Reservekräfte. Die Übung „Quick Response 2026“ vom 22. August bis 3. September 2026 diente dazu, die Fähigkeit zur schnellen Verlegung und Integration zusätzlicher Kräfte zu erproben. Albanische Reservekräfte reisten dabei gemeinsam mit KFOR-Personal über den Grenzübergang Klobuk nach Bosnien ein. Die Anfrage fragt nach konkreten Erkenntnissen der Bundesregierung zu dieser Übung und ihren Ergebnissen.
28 Fragen zur KFOR-Truppenreduzierung und ihren Folgen
Die AfD-Fraktion richtet ihre Fragen auf vier Schwerpunkte: erstens die Erkenntnislage der Bundesregierung zu US-Planungen bei KFOR; zweitens die operative Abhängigkeit von EUFOR Althea von KFOR-Reservekräften; drittens die Kompensationsmöglichkeiten innerhalb der NATO für den Fall eines US-Abzugs; und viertens die deutsche Haltung sowie mögliche Anpassungen des deutschen Beitrags zu beiden Missionen. Gefragt wird auch, ob Deutschland plant, sich gegenüber Washington für die Beibehaltung des bisherigen US-Beitrags einzusetzen.
Die Anfrage berührt damit eine sicherheitspolitische Kernfrage: Kann Europa — und insbesondere die EU-Operation EUFOR Althea — eine mögliche Lücke schließen, die ein reduziertes US-Engagement hinterlässt? NATO und EU bekräftigten im April und September 2026 ausdrücklich die Komplementarität beider Missionen. Konkrete Antworten zur Reserveplanung und zu bestehenden Szenarien für eine gleichzeitige Krise im Kosovo und in Bosnien stehen aus.
Für Deutschland ist das Thema unmittelbar relevant: Die Bundeswehr ist sowohl bei KFOR als auch bei EUFOR Althea engagiert. Eine Neuverteilung militärischer Lasten innerhalb der NATO würde die deutsche Einsatzplanung direkt betreffen. Ähnliche Fragen zur deutschen Beteiligung an internationalen Missionen und zur Rolle der USA in der europäischen Sicherheitsarchitektur beschäftigen den Bundestag bereits seit Längerem, wie etwa die Fragestunde vom 14. Oktober 2026 mit 56 Fragen zu zwölf Themen zeigt.
Die Bundesregierung muss die Anfrage beantworten. Dabei dürfte ein Teil der Informationen — insbesondere zur Einsatz- und Reserveplanung — als Verschlusssache eingestuft werden und nicht öffentlich zugänglich sein.
Weiterlesen:
- Schriftliche Fragen KW 39/2026: 134 Antworten im Überblick
- Forschungsministerium BMFTR: 21,8 Mrd. Euro Etat offengelegt
Direkt betroffen sind die deutschen Soldatinnen und Soldaten, die im Rahmen von KFOR und EUFOR Althea eingesetzt sind. Mittelbar betroffen ist die Bevölkerung der Westbalkan-Region, insbesondere im Kosovo und in Bosnien und Herzegowina, deren Sicherheit von beiden Missionen abhängt. Auch die übrigen NATO- und EU-Mitgliedstaaten wären bei einer Neuverteilung militärischer Lasten gefordert.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8493) ist am 12. Oktober 2026 eingegangen. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus; nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen. Nach Eingang der Antwort wird diese als separate Drucksache veröffentlicht.
- KFOR
- Kosovo Force — die seit 1999 von der NATO geführte Schutztruppe im Kosovo, mandatiert durch UN-Sicherheitsratsresolution 1244.
- EUFOR Althea
- EU-geführte Militäroperation in Bosnien und Herzegowina zur Stabilisierung des Landes; sie nutzt NATO-Fähigkeiten auf Grundlage der Berlin-Plus-Vereinbarungen.
- Berlin-Plus-Vereinbarungen
- Abkommen zwischen NATO und EU aus dem Jahr 2003, das der EU den Rückgriff auf NATO-Planungs- und Führungskapazitäten für eigene Militäreinsätze ermöglicht.
Was ist KFOR und wie groß ist die Mission?
KFOR ist die NATO-geführte Kosovo Force, seit Juni 1999 im Einsatz. Im September 2026 umfasste sie laut NATO rund 4.600 Soldatinnen und Soldaten aus 31 alliierten und Partnerstaaten.
Was ist EUFOR Althea?
EUFOR Althea ist eine EU-geführte Militäroperation in Bosnien und Herzegowina. Sie basiert auf den Berlin-Plus-Vereinbarungen, die eine Kooperation zwischen NATO und EU ermöglichen, unter anderem durch Planungs- und Logistikunterstützung des Bündnisses.
Warum plant die NATO eine Reduzierung bei KFOR?
Die NATO begründet die angekündigte Anpassung mit einer aus ihrer Sicht verbesserten Sicherheitslage im Kosovo. NATO-Generalsekretär Rutte nannte am 17. Juni 2026 eine Zielgröße von etwa 3.000 bis 3.500 Soldaten; die Maßnahme soll lageabhängig und reversibel sein.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8493 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































