- EU-Abkommen mit Mauretanien umfasst 210 Mio. Euro für Migrationsschutz
- Seit 2011 kein Terroranschlag auf mauretanischem Staatsgebiet
- 89 ausreisepflichtige Mauretaner in Deutschland, 32 Rückführungen seit 2023
Hintergrund
Außenminister Wadephul reiste am 20. Juli 2026 nach Mauretanien — der erste Besuch eines deutschen Außenministers seit 20 Jahren. Im Sahel haben seit 2020 mehrere Staaten durch Militärputsche die demokratische Ordnung verloren: Mali, Burkina Faso und Niger werden von Militärregierungen geführt, der Tschad gilt als autoritär. Mauretanien ist neben dem Senegal der einzige verbliebene demokratische Staat in der unmittelbaren Sahelzone. Die EU schloss im Februar 2024 ein Migrationsabkommen mit Mauretanien, das Finanzhilfen von 210 Mio. Euro umfasst, um die Atlantik-Route über die Kanarischen Inseln einzudämmen. Deutschland hat zudem 2023 und 2025 insgesamt bis zu 9 Mio. Euro für ein GIZ-Projekt zu erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff zugesagt.
- 210 Mio. Euro — EU-Migrationsabkommen mit Mauretanien (Februar 2024) zur Stärkung des Grenzschutzes und Eindämmung der Atlantik-Route.
- 9 Mio. Euro (zugesagt) — GIZ-Projekt für erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff: 5 Mio. Euro aus VE 2023 beauftragt, 4 Mio. Euro aus VE 2025 zugesagt, aber noch nicht beauftragt.
- 1.012 Personen — mauretanische Staatsangehörige in Deutschland (Stand 31. Juli 2026), davon 89 ausreisepflichtig.
- 32 Rückführungen (2023–2026) — 5 (2023), 4 (2024), 16 (2025), 7 (erstes Halbjahr 2026).
- 4.523 Euro — vorläufige Reisekosten für den Mauritanien-Besuch des Bundesaußenministers im Juli 2026.
Im Detail
Für Deutschland sowie die EU und die NATO ist Mauretanien ein verlässlicher Partner mit demokratisch gewählten Institutionen in einer insgesamt sehr fragilen Region.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8508
Mauretanien ist in der deutschen Außenpolitik zu einem Schlüsselland aufgestiegen: Als letzter demokratischer Staat in der unmittelbaren Sahelzone, als Migrationspuffer an der Atlantik-Route und als potenzieller Lieferant von grünem Wasserstoff bündeln sich hier zentrale Interessen der Bundesregierung. Die Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD (BT-Drs. 21/8508, 9. Oktober 2026) gibt erstmals detailliert Auskunft über die deutsch-mauretanische Partnerschaft nach dem Besuch von Außenminister Johann Wadephul am 20. Juli 2026.
Mauretanien als Stabilitätsanker im Sahel
Während in Mali, Burkina Faso und Niger Militärregierungen herrschen und der Tschad als autoritär gilt, hält Mauretanien eine pro-westliche Sicherheitsarchitektur aufrecht. Laut Bundesregierung ist seit 2011 auf mauretanischem Staatsgebiet kein terroristischer Anschlag mehr verübt worden — ein Ergebnis des umfassenden Stabilisierungs- und Präventionsansatzes, den die Regierung in Nouakchott verfolgt. Wadephul kündigte bei seinem Besuch die Entsendung einer Bundeswehrberatergruppe im Rahmen des Ausstattungshilfeprogramms an, nachdem der Bundestag die Maßnahme beschlossen hatte.
Migration: 210 Mio. Euro EU-Abkommen im Fokus
Angesichts massiv steigender Migrationszahlen auf der Atlantik-Route von der mauretanischen Küste zu den Kanarischen Inseln schloss die EU im Februar 2024 ein Migrationsabkommen mit einem Volumen von 210 Mio. Euro. Die Bundesregierung unterstützt diese Partnerschaft, um Grenzschutzkapazitäten zu stärken und Rückführungen zu erleichtern. Laut Ausländerzentralregister hielten sich zum 31. Juli 2026 insgesamt 1.012 mauretanische Staatsangehörige in Deutschland auf; 89 davon waren ausreisepflichtig. Die Zahl der tatsächlichen Rückführungen ist gering: 5 (2023), 4 (2024), 16 (2025) und 7 im ersten Halbjahr 2026. Neue Migrationsabkommen oder Rückkehrvereinbarungen wurden während der Reise nicht unterzeichnet; zu vertraulichen Gesprächsinhalten äußert sich die Bundesregierung grundsätzlich nicht. Über regionale Entwicklungen rund um Verteidigungsausgaben und wirtschaftliche Effekte berichtete drucksachlich.de bereits.
Grüner Wasserstoff: GIZ-Mittel statt Staatsverhandlungen
Mauretanien verfügt über enorme Wind- und Solarkapazitäten und gilt als potenzieller Lieferant für grünen Wasserstoff. Die Bundesregierung stellt jedoch klar: Sie verhandelt nicht direkt mit der mauretanischen Regierung über Exportabkommen und fördert auch keine Infrastrukturprojekte zur Energieerzeugung. Stattdessen läuft über die GIZ ein Projekt zur Förderung von Grundlagen und Rahmenbedingungen, für das 5 Mio. Euro aus der Verpflichtungsermächtigung 2023 bereits beauftragt wurden und weitere 4 Mio. Euro aus VE 2025 zugesagt, aber noch nicht beauftragt sind. Deutsche Privatunternehmen — darunter Möhring Energie (Projekt Nayrah) und Select New Energies GmbH (Projekt Megaton Moon) — planen eigene Wasserstoffprojekte. Die Wirtschaftsdelegation, die Wadephul begleitete, umfasste Vertreter von Enertrag SE, VIDA.place GmbH, Infosim GmbH, Möhring Energie Gruppe und fibrisTerre Systems GmbH.
Deradikalisierung: Das Mourchidates-Netzwerk
Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Mourchidates-Programm: Über 75 ausgebildete Frauen wirken als religiöse Wegweiserinnen in Moscheen, Schulen, Gefängnissen und Krankenhäusern — insbesondere in der Grenzregion zu Mali und im Flüchtlingslager Mbera. Die Bundesregierung fördert seit 2024 über ihre Ertüchtigungsinitiative ein UNODC-Projekt zur Stärkung solcher Frauennetzwerke gegen gewalttätigen Extremismus; das Programm läuft bis zum 31. Juli 2028. Zu den tatsächlichen Rückführungsquoten und dem Sicherheitsprofil berichtete drucksachlich.de auch im Zusammenhang mit der Fachkräftepolitik.
Sicherheitslage: Gefährder und Salafismus-Bezüge
Die Bundesregierung bestätigt, dass einzelne Personen aus dem islamistischen Spektrum — darunter als Gefährder eingestufte — in den vergangenen Jahren zu Studienzwecken nach Mauretanien ausgereist sind. Über die tatsächlichen Aktivitäten vor Ort liegen keine abschließenden Erkenntnisse vor. Zum Stand 15. September 2026 ist kein Mauretaner in Deutschland als Gefährder eingestuft. Fragen zur direkten nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit mit dem mauretanischen Geheimdienst hat die Bundesregierung aus Staatswohl-Gründen verweigert — mit dem Hinweis, dass die Verweigerung weder Bestätigung noch Verneinung des Sachverhalts bedeutet. Die Reisekosten für den gesamten Mauritanien-Besuch belaufen sich vorläufig auf 4.523 Euro; eine Abschlussrechnung stand zum Zeitpunkt der Antwort noch aus.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind die 1.012 mauretanischen Staatsangehörigen in Deutschland sowie die 89 Ausreisepflichtigen. Mittelbar betroffen sind Europäer durch die Migrationsdynamik auf der Atlantik-Route sowie deutsche Unternehmen der Energiebranche, die in Mauretanien Wasserstoffprojekte planen. Auch Sicherheitsbehörden in Deutschland sind betroffen, da die Bundesregierung grenzüberschreitende islamistische Einflüsse aus Mauretanien nicht ausschließt.
Die Bundesregierung hat den überwiegenden Teil der Fragen vollständig beantwortet. Fragen zu Geheimdienstkooperation (Frage 15) wurden mit Verweis auf den Schutz des Staatswohls und BND-Belange verweigert; Fragen zu Gesprächsinhalten bilateraler Gespräche (Fragen 8, 31, 32, 26) wurden pauschal mit dem Vertraulichkeitsprinzip abgelehnt.
Das parlamentarische Verfahren ist abgeschlossen. Die Bundesregierung hat die Kleine Anfrage mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 9. Oktober 2026 beantwortet (BT-Drs. 21/8508). Weitere Reisen von Kabinettsmitgliedern nach Mauretanien sind laut Bundesregierung derzeit nicht geplant. Das UNODC-Projekt zur Extremismusprävention läuft bis zum 31. Juli 2028.
- Mourchidates
- Weibliche religiöse Wegweiserinnen in Mauretanien, die in Moscheen, Schulen und Gefängnissen präventiv gegen islamistische Radikalisierung wirken. Das Netzwerk umfasst heute über 75 Frauen.
- Ertüchtigungsinitiative
- Programm der Bundesregierung zur Stärkung von Sicherheitskräften in Partnerländern durch Ausrüstung, Ausbildung und Projektförderung — ohne direkten Kampfeinsatz.
- Grüner Wasserstoff
- Wasserstoff, der durch Elektrolyse mit erneuerbarer Energie erzeugt wird. Mauretanien gilt wegen seiner Wind- und Solarkapazitäten als potenzieller Lieferant für Europa.
Welche Kosten entstanden bei der Mauretanien-Reise?
Laut Bundesregierung sind nach aktuellem Stand 4.523 Euro entstanden; eine abschließende Abrechnung lag zum Zeitpunkt der Antwort noch nicht vor.
Wie viele Mauretaner leben in Deutschland?
Laut Ausländerzentralregister hielten sich zum 31. Juli 2026 insgesamt 1.012 mauretanische Staatsangehörige in Deutschland auf; 89 davon waren ausreisepflichtig.
Warum wurde die Pressekonferenz abgebrochen?
Laut Bundesregierung wurde die gemeinsame Medienbegegnung beendet, um den pünktlichen Beginn des anschließenden Gesprächs mit dem mauretanischen Präsidenten sicherzustellen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8508 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































