- 15,7 Prozent der Messstellen überschreiten 2024 den Nitrat-Grenzwert
- PFAS-Grenzwert im Trinkwasser gilt seit 12. Januar 2026
- Kein bundesweites Monitoring für PFAS und Arzneimittel im Grundwasser
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6476 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Trinkwasserversorgung in Deutschland liegt verfassungsrechtlich in der Zuständigkeit der Bundesländer. Der Bund setzt EU-Vorgaben wie die Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 über die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) um. Zuletzt wurde die TrinkwV 2023 umfassend novelliert, unter anderem mit neuen PFAS-Grenzwerten. Das Umweltbundesamt (UBA) überwacht die Qualitätsentwicklung und erstellt gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium alle drei Jahre Berichte zur Trinkwasserqualität, zuletzt für den Zeitraum 2020 bis 2022. Die Dürreerfahrungen der Jahre 2018 und 2019 veranlassten die Bundesregierung zur Verabschiedung der Nationalen Wasserstrategie (NWS) im Jahr 2023.
- 15,7 % — Anteil der EUA-Grundwasser-Messstellen mit Nitratüberschreitung (50 mg/l) im Jahr 2024; 2010 waren es 18,3 %.
- 9,5 % — Anteil der Grundwasserkörper in schlechtem chemischen Zustand wegen Pflanzenschutzmitteln.
- 72 % — Anteil der Messstellen, an denen nicht relevante Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser nachweisbar sind (von 12.353 ausgewerteten Messstellen).
- weniger als 1 % — Anteil der Trinkwasserproben mit Grenzwertüberschreitung im Berichtszeitraum 2020–2022.
- 120 Liter — täglicher Pro-Kopf-Trinkwasserverbrauch, der der TrinkwV-Berechnung zugrunde gelegt wird (45,6 m³ pro Person und Jahr).
Im Detail
Das in Deutschland verteilte Trinkwasser hat eine sehr gute Qualität. Hierzu trägt auch die Aufbereitung des Rohwassers bei. Nur in wenigen Einzelfällen treten Grenzwertüberschreitungen auf.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6476, S. 3
Deutsches Leitungswasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln — doch wie steht es um die Grundlagen dieser Qualität? Die Bundesregierung hat am 11. Juni 2026 auf 29 Fragen der AfD-Fraktion zur Trinkwassersicherheit in Deutschland geantwortet (BT-Drs. 21/6476). Die Antwort zeichnet ein differenziertes Bild: Das Trinkwasser selbst ist sicher, doch die Rohwasserquellen — vor allem das Grundwasser — stehen regional unter erheblichem Druck.
Trinkwassersicherheit: Qualität gut, aber Grundwasser belastet
Laut Bundesregierung weist das in Deutschland verteilte Trinkwasser eine sehr gute Qualität auf. Im letzten Berichtszeitraum 2020 bis 2022 überschritten weniger als ein Prozent der untersuchten Proben die geltenden mikrobiologischen oder chemischen Grenzwerte. Rund 70 Prozent des Trinkwassers werden aus dem Grundwasser gewonnen — und genau dort zeigen sich die langfristigen Herausforderungen. Basierend auf dem EUA-Messnetz mit bundesweit 1.200 Messstellen überschritten 2024 noch 15,7 Prozent der Messpunkte den Nitrat-Schwellenwert von 50 mg/l. Im Jahr 2010 lag dieser Anteil noch bei 18,3 Prozent — ein leichter Rückgang, aber auf weiterhin hohem Niveau in einzelnen Bundesländern: In Niedersachsen (27,7 %) und Rheinland-Pfalz (27,9 %) lagen die Anteile 2024 noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
PFAS-Grenzwert für Trinkwasser gilt seit Januar 2026
Ein wichtiger Meilenstein für die Trinkwassersicherheit trat am 12. Januar 2026 in Kraft: Seitdem gilt in der Trinkwasserverordnung ein Grenzwert für die Summe PFAS-20 von 0,00010 mg/l. Ein strengerer Grenzwert für PFAS-4 folgt ab dem 12. Januar 2028. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen gelten als sogenannte Ewigkeitschemikalien, weil sie in der Natur kaum abgebaut werden. Für das Grundwasser gibt es nach Angaben der Bundesregierung jedoch noch keine länderübergreifenden Monitoringprogramme — ebenso wenig für Arzneimittelrückstände. Einzelne Bundesländer überwachen diese Stoffe anlassbezogen, eine systematische bundesweite Übersicht fehlt bislang.
Was gilt aktuell?
Die Trinkwasserverordnung legt Grenzwerte für eine Vielzahl chemischer und mikrobiologischer Parameter fest. Für Nitrat gilt seit Jahrzehnten ein Grenzwert von 50 mg/l, der auf WHO-Empfehlungen basiert und einem akuten Risiko für nicht gestillte Säuglinge Rechnung trägt. Für Pflanzenschutzmittel und ihre Metaboliten ist ein Grenzwert von 0,1 µg/l je Einzelstoff festgelegt. Für Arzneimittelrückstände existieren in der TrinkwV derzeit keine Grenzwerte — die Bundesregierung sieht angesichts bislang sehr geringer Konzentrationen keinen akuten Handlungsbedarf.
Klimawandel als wachsendes Risiko für die Trinkwassersicherheit
Als größte Risiken für die kommenden zehn Jahre benennt die Bundesregierung den Klimawandel und veränderte Niederschlagsmuster. Statt als speicherfähiger Schnee fällt Niederschlag im Winter zunehmend als Regen, der schnell oberflächlich abfließt. Die Vegetationsperiode hat sich im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 im Schnitt um drei Wochen verlängert, was den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft steigert. Akutes Risiko für die Trinkwasserversorgung besteht laut Bundesregierung derzeit in keiner Region Deutschlands — mittelfristig bleibe die Grundwasserneubildung aber eine zentrale Herausforderung. Auf die Dürreerfahrungen der Jahre 2018/2019 hat die Bundesregierung mit der Nationalen Wasserstrategie 2023 reagiert.
Für den Bereich Pflanzenschutzmittel zeigt die Datenlage: An 19 Prozent von bundesweit 16.180 untersuchten Messstellen wurden PSM-Wirkstoffe oder relevante Metaboliten im Grundwasser nachgewiesen. Besonders auffällig sind nicht relevante Metaboliten — an 72 Prozent der Messstellen waren diese nachweisbar. 9,5 Prozent der Grundwasserkörper befinden sich wegen Pflanzenschutzmittelbelastungen in einem schlechten chemischen Zustand.
Die Zuständigkeit für Vollzug und Überwachung liegt nach dem Grundgesetz bei den Bundesländern. Bund und Länder koordinieren sich über die Länderarbeitsgruppe Umweltbezogener Gesundheitsschutz (LAUG). Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes unterstützen die Gesundheitsämter beim Vollzug — sind aber nicht rechtsverbindlich. Den Sanierungsbedarf der Trinkwasserinfrastruktur kann die Bundesregierung nicht beziffern, da diese Aufgabe bei Städten und Gemeinden liegt. Auch Kosten der Trinkwasseraufbereitung werden auf Bundesebene nicht erfasst.
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Betroffen sind alle rund 84 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Deutschlands als Verbraucher von Leitungswasser. Besonders relevant sind die Befunde für landwirtschaftlich geprägte Regionen mit hoher Nitratbelastung — darunter Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Wasserversorger tragen steigende Aufbereitungskosten infolge neuer Schadstoffe wie PFAS. Kommunen und Gemeinden sind als Träger der öffentlichen Wasserversorgung direkt für Infrastruktur und Sanierung zuständig.
Die Bundesregierung verweist bei mehreren Fragen auf die Zuständigkeit der Bundesländer und erklärt, ihr lägen keine eigenen Erkenntnisse vor — etwa zum Sanierungsbedarf der Trinkwasserinfrastruktur (Frage 15) und zu den Kosten der Trinkwasseraufbereitung (Frage 17). Bei PFAS und Arzneimitteln im Grundwasser fehlen bundesweite Monitoringdaten.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 11.06.2026) AfD stellt 29 Fragen zur Trinkwassersicherheit in Deutschland →
- PFAS
- Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen — eine Gruppe synthetischer Chemikalien, die in der Umwelt kaum abgebaut werden und als 'Ewigkeitschemikalien' bezeichnet werden. Seit 2026 gibt es Grenzwerte im Trinkwasser.
- Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
- Deutsches Bundesrecht, das Grenzwerte für chemische und mikrobiologische Parameter im Trinkwasser festlegt und auf EU-Richtlinien basiert.
- EUA-Messnetz
- Netzwerk der Europäischen Umweltagentur mit bundesweit 1.200 Messstellen zur Überwachung der Grundwasserqualität in Deutschland.
Ist Leitungswasser in Deutschland sicher zu trinken?
Ja — laut Bundesregierung hat das verteilte Trinkwasser eine sehr gute Qualität. Bei weniger als einem Prozent der Proben (2020–2022) wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt.
Wie hoch ist die Nitratbelastung im Grundwasser?
Im Jahr 2024 überschritten 15,7 Prozent der EUA-Messstellen den Schwellenwert von 50 mg/l — ein leichter Rückgang gegenüber 18,3 Prozent im Jahr 2010.
Gelten schon PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser?
Ja, seit dem 12. Januar 2026 gilt ein Grenzwert für die Summe PFAS-20 von 0,00010 mg/l. Ein strengerer Grenzwert für PFAS-4 tritt ab dem 12. Januar 2028 in Kraft.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6476 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





























































