
- Hausfeld: Wir müssen die Themen im Ganzen denken.
- Zinkann: Wir brauchen ein starkes und einiges Europa.
- Küpper: Arbeitgeber und Arbeitnehmer brauchen Sicherheit.
- Radtke: Die Industrie sichert den Standort Deutschland.
„Was können wir tun, um das Thema Industriearbeitsplätze wieder nach vorne zu bringen?“ Die Frage treibt Dennis Radtke um. Er ist CDA-Vorsitzender, Chef der CDU-Arbeitnehmervertreter. „Man hat den Eindruck, die Arbeitsplätze sind schon abgeschrieben“, sagt er beim Werkstattgespräch im Konrad-Adenauer-Haus. Er fragt: Was braucht es für sichere und gute Arbeitsplätze in der Industrie? Was müssen sie angesichts des globalen Wandels der Arbeitswelt bieten? Wie ist die Perspektive? Welche Entscheidungen müssen getroffen werden?
Hausfeld: Wir müssen die Themen im Ganzen denken.
Heike Hausfeld ist Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Bayer AG. Sie vertritt die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, ist dort stellvertretende Vorsitzende. Ihr Ziel ist klar: Bayer soll Arbeitgeber in Deutschland bleiben. Dafür muss sich auch die chemische Industrie anpassen und richtig viel Geld in die Hand nehmen, sagt Hausfeld. Doch vor der Transformation wollen Unternehmen wissen, wie der Standort sich aufstellt. Erst dann kann sinnvoll investiert werden. Noch fehlt ihr das Zielbild dafür, sagt sie – ob bei Bürokratie, Energie- oder Lohnkosten.
Hausfeld ist dennoch optimistisch. Es braucht aber eine echte Vision und gemeinsame Anstrengung. Veränderungen im Sozialen finden Akzeptanz, wenn alles im Ganzen gedacht ist. Er darf nicht nur zu Verschiebungen führen. Die Politik muss einen guten Blick dafür haben, dass damit neue Arbeitsplätze entstehen und bestehende erhalten bleiben. Dann, so sagt Hausfeld, sind auch die Arbeitnehmer bereit, zu verzichten.
Zinkann: Wir brauchen ein starkes und einiges Europa.
Werkstattgesprch Klimaschutz Wettbewerbsfhigkeit und die neue geopolitische Lage am 24.06.2026 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)
Wandel und Entwicklung gehören zusammen, stellt Dr. Reinhard Zinkann fest. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter von Miele und sagt sehr deutlich: Traditionsunternehmen konnten schon immer nur dann überleben, wenn sie transformationsfähig waren. Diesem Transformationsprozess muss sich die gesamte Industrie stellen.
Was die Politik darüber hinaus ändern muss? Die Energiekosten müssen runter, auch die Auflagen der Bürokratie. Die Kosten für den Sozialstaat überfordern die Beitragszahler, Unternehmen, Bund, Länder und Gemeinden. Sozialreformen sind überfällig für eine echte Neuausrichtung und Entlastung. Unsere Gesellschaft muss lernen, den globalen Wettbewerb anzunehmen. Europa muss dafür stark und einig sein. Nur mit gemeinsamen Leitplanken kann Europas Industrie dem Transformationsdruck aus USA und China überstehen.
Küpper: Arbeitgeber und Arbeitnehmer brauchen Sicherheit.
Die enge Bindung der Arbeitnehmer an „ihre“ Betriebe hat unser Land immer stark gemacht. Clariant-Betriebsratschef Arndt Küpper sieht in der Partnerschaft von Chef und Kollege einen zentralen Punkt. Loyalität zum Unternehmen – das zeichnet Deutschland aus. Arbeitnehmer-Vertreter in Deutschland versuchen in der Regel alles, um Arbeitsplätze zu erhalten. Derzeit sind viele Firmen weit weg von Produktivität. Das betrifft auch Clariant, räumt Küpper ein. Die Unsicherheit verhindert Konzentration und Produktivität. Arbeitnehmer und Arbeitgeber brauche eine gemeinsame Perspektive, um den Weg zusammen zu beschreiten.
Radtke: Die Industrie sichert den Standort Deutschland.
Für CDA-Chef Radtke ist klar: Wir brauchen eine wettbewerbsorientierte Industriepolitik. Denn die Industrie sichert gute Löhne und Gehälter – und damit den Wohlstand im Land. „Die Menschen arbeiten gerne in der Industrie.“ Und sie möchten sehen, dass man sich in Brüssel und Berlin für ihre Arbeitsplätze einsetzt. Neue Arbeitsplätze sind oft geringer bezahlt. „Denn Arbeitsplatz ist nicht gleich Arbeitsplatz.“ Darauf muss die Politik achten. „Das geht in der politischen Diskussion manchmal unter.“
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