- Chemnitz hat keine ICE-Halte und nur zwei IC-Verbindungen täglich
- Nordabschnitt Leipzig–Geithain kostet geschätzt 1,3 Milliarden Euro
- Zwei verschiedene Finanzierungsmodelle gefährden Gesamtprojekt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6766 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Elektronetz Mittelsachsen besteht seit zehn Jahren, doch der geplante Ausbau und die Elektrifizierung der Strecken 6385 (Chemnitz–Geithain, 37 km) und 6366 (Leipzig–Geithain, 44 km) kommen nicht planmäßig voran. Chemnitz, die drittgrößte Stadt Sachsens mit rund 250.000 Einwohnern, verfügt über keinen ICE-Halt und nur zwei tägliche IC-Verbindungen. Im Mai 2026 besuchte ein Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums die Problemstrecke; die sächsische Infrastrukturministerin äußerte dabei öffentlich, der bisherige Finanzierungsplan reiche bei Weitem nicht aus. Für den Nordabschnitt Leipzig–Geithain werden laut Drucksache Kosten von rund 1,3 Milliarden Euro veranschlagt, deren Deckung ungeklärt ist.
- 250.000 — Einwohner in Chemnitz, der drittgrößten Stadt Sachsens, ohne ICE-Halt
- 2 IC-Verbindungen täglich — einzige Fernzugverbindungen ab Chemnitz (IC-Linie 17)
- 1,3 Mrd. Euro — geschätzter Finanzierungsbedarf für den Nordabschnitt Leipzig–Geithain (Strecke 6366)
- 37 km / 44 km — Länge des Süd- (Chemnitz–Geithain) bzw. Nordabschnitts (Leipzig–Geithain)
- 130 km/h — angestrebte Zielgeschwindigkeit nach Abschluss aller Ausbaumaßnahmen
Im Detail
Mit dem bisherigen Finanzierungsplan könne das „nicht im Leben“ geschafft werden.
— Sächsische Infrastrukturministerin, zitiert in der Vorbemerkung zur BT-Drs. 21/6766
Chemnitz, die drittgrößte Stadt Sachsens, hat keinen ICE-Halt. Fernreisende sind auf Umstiege in Leipzig oder Dresden angewiesen, und die zwei täglichen IC-Verbindungen der Linie 17 decken den Bedarf der 250.000 Einwohner bei Weitem nicht. Der seit Jahren geplante Ausbau des Elektronetz Mittelsachsen, konkret die Elektrifizierung der Strecken 6385 (Chemnitz–Geithain) und 6366 (Leipzig–Geithain), stagniert. Die AfD-Fraktion stellt mit Drucksache 21/6766 vom 29. Juni 2026 zwölf Fragen an die Bundesregierung, um Klarheit über Zeitplan, Finanzierung und Perspektiven für Fernverkehr nach Chemnitz zu erhalten.
Elektronetz Mittelsachsen: Stand nach zehn Jahren
Das Elektronetz Mittelsachsen besteht seit einem Jahrzehnt, doch der eigentliche Ausbau ist unvollständig. Besonders der Nordabschnitt zwischen Leipzig und Geithain (Strecke 6366, 44 km) hinkt dem Südabschnitt Chemnitz–Geithain (Strecke 6385, 37 km) im Planungsfortschritt deutlich hinterher. Nach Angaben der Fragesteller laufen für den Südabschnitt bereits die Leistungsphasen 1 und 2 der Planung, während für den Nordabschnitt noch keine Ausschreibung erfolgt ist. Die Anfrage erkundigt sich, welche konkreten Hindernisse im Leipziger Raum die Ausschreibung verzögern und wann mit einem Abschluss der frühen Planungsphasen zu rechnen ist.
Finanzierungslücke von rund 1,3 Milliarden Euro
Besonders brisant ist die Kostenfrage: Laut Drucksache 21/6766 gehen aktuelle Schätzungen der DB InfraGO AG für den Ausbau und die Elektrifizierung des Nordabschnitts Leipzig–Geithain von einem Finanzierungsbedarf von rund 1,3 Milliarden Euro aus. Wie die Bundesregierung diesen Mehraufwand decken will und wann eine beauftragte Machbarkeitsstudie dem Deutschen Bundestag vorgelegt wird, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage. Die sächsische Infrastrukturministerin hatte bei einem Arbeitsbesuch eines Parlamentarischen Staatssekretärs des Bundesverkehrsministeriums im Mai 2026 in Chemnitz öffentlich erklärt, mit dem bisherigen Finanzierungsplan könne das Vorhaben „nicht im Leben“ geschafft werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass für die beiden Streckenabschnitte unterschiedliche Finanzierungsmodelle gelten: Der Südabschnitt wird über GVFG- und Bundesmittel finanziert, der Nordabschnitt über das Investitionsgesetz Kohleregionen (Nr. 23 der Anlage 4 zu § 21). Die Fragesteller fragen, ob durch diese unterschiedlichen Finanzierungsquellen Priorisierungskonflikte entstehen könnten, die das Gesamtvorhaben weiter verzögern.
Fernverkehr und Kapazitätsfragen
Die AfD-Fraktion fragt außerdem, ob DB Fernverkehr AG nach Abschluss der Elektrifizierung ICE- oder IC-Angebote auf der Relation Chemnitz–Leipzig mit Weiterführung nach Berlin oder Hannover einrichten will. Für die Wirtschaftsstandorte in Mittelsachsen ist eine bessere Fernverkehrsanbindung ein zentrales Standortargument. Die Anfrage beleuchtet auch, ob bei einer zunächst alleinigen Elektrifizierung des Südabschnitts neben der stündlichen S 3 (Halle–Leipzig–Geithain) noch Trassenkapazitäten für Fernverkehr vorhanden wären und wie viele Züge pro Stunde möglich wären.
Darüber hinaus thematisiert die Drucksache die infrastrukturellen Voraussetzungen im Knoten Leipzig: Um Fernverkehrszüge aus Chemnitz ohne Kapazitätskonflikte mit der S-Bahn Mitteldeutschland aufnehmen zu können, sind möglicherweise zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen nötig. Auch die Trassenkapazitäten zwischen Chemnitz-Borna und dem Chemnitzer Hauptbahnhof sowie geplante Lärmschutzmaßnahmen im Stadtgebiet Chemnitz stehen auf der Fragenliste.
Strecke 6385: Zustand nach Betonschwellentausch
Ein weiterer Fragenkomplex betrifft den Zustand der bestehenden Strecke. Im Jahr 2024 wurden auf der Strecke 6385 präventiv Betonschwellen ausgetauscht, was zu Streckensperrungen führte. Die AfD fragt, wie die Bundesregierung die Zuverlässigkeit der Strecke nach diesen Maßnahmen bewertet. Bei Umsetzung aller geplanten Maßnahmen und einer Zielgeschwindigkeit von 130 km/h soll außerdem die Fahrzeit zwischen Chemnitz Hbf. und Leipzig Hbf. gegenüber der heutigen Führung über Bad Lausick (Strecke 6366) deutlich sinken — die konkrete Fahrzeitverkürzung erfragt die Fraktion ebenfalls von der Bundesregierung.
Die Frage nach effizienter Mittelverwendung und der Entlastung von Regionen durch gezielte Infrastrukturinvestitionen ist dabei nicht nur für Sachsen relevant. Die Bundesregierung hat nun bis zum 20. Juli 2026 Zeit, die zwölf Fragen zu beantworten.
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Direkt betroffen sind die rund 250.000 Einwohner von Chemnitz sowie Pendler und Reisende in der gesamten Region Mittelsachsen. Durch überfüllte Regionalexpresslinien und fehlende Direktverbindungen in den Fernverkehr sind auch Unternehmen und Touristen in der Region eingeschränkt.
Die Kleine Anfrage wurde am 29. Juni 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit zu antworten; die Antwortfrist endet am 20. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Drucksache im zuständigen Ausschuss für Verkehr und Infrastruktur weiterberaten werden.
- GVFG
- Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz — Bundesgesetz, das Zuschüsse für Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr regelt, z. B. für Straßenbahnen und Schienenprojekte.
- DB InfraGO AG
- Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, die für Planung, Bau und Betrieb des Schienennetzes zuständig ist.
- SPNV
- Schienenpersonennahverkehr — der öffentliche Personennahverkehr auf der Schiene, also S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpresse.
Warum hat Chemnitz keinen ICE-Anschluss?
Laut Drucksache gibt es keine ICE-Halte in Chemnitz; täglich fahren nur zwei IC-Verbindungen der Linie 17. Fernreisen erfordern fast immer einen Umstieg in Leipzig oder Dresden.
Was kostet der Ausbau des Nordabschnitts Leipzig–Geithain?
Die Anfrage bezieht sich auf aktuelle Schätzungen, denen zufolge der Ausbau der Strecke 6366 von Leipzig bis Geithain einschließlich Elektrifizierung rund 1,3 Milliarden Euro kosten soll.
Welche Finanzierungsmodelle gibt es für die beiden Abschnitte?
Der Südabschnitt Chemnitz–Geithain wird über GVFG- und Bundesmittel finanziert, der Nordabschnitt Leipzig–Geithain über das Investitionsgesetz Kohleregionen (Anlage 4, Nr. 23 zu § 21).
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6766 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































